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Jeb Bush : Die meisten Dollars für die besten Gene

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Mehrere Bush-Gönner wurden allerdings aufgefordert, fürs Erste nicht über eine Million Dollar hinauszugehen: Man wolle nicht den Eindruck erwecken, dass man bestimmten Millionären hörig sei. „Unser System zur Kampagnenfinanzierung ist verkorkst“, schimpft Sembler. Ihm würde eine schlichte Regelung genügen: Jeder Bürger darf nach Gusto spenden, aber jeder Kandidat muss die Herkunft des Geldes offenlegen. Doch weil die Realität eben verkorkst ist, wird Sembler dieses Jahr auch Super-Pacs unterstützen, die die Namen ihrer Spender nicht offenbaren. „Dunkelgeld“ nennen das die Kritiker, aber Sembler findet die ganze Aufregung über die finanzielle Flutung des Wahlkampfs übertrieben. „Wenn deine Politik nichts taugt, nützt dir auch der größte Batzen Geld nichts.“

Umgekehrt könne nur Geld einem Kandidaten mit guten Ideen auch eine Stimme verleihen. Stört es ihn denn gar nicht, dass Kandidaten bessere Chancen haben, nur weil sie wie Jeb Bush aus der richtigen Familie stammen? „Überhaupt nicht“, versichert Sembler und zeigt aus dem Fenster, „es ist doch eine freie Welt da draußen!“ So frei, dass sich sogar ein Multimilliardär wie Donald Trump um die Präsidentschaft bewerbe. „Der kann sich jede erdenkliche Summe vom Privatkonto abheben“, sagt Sembler. „Und andere Kandidaten sollen pro Unterstützer nur 2700 Dollar kassieren dürfen? Das kann doch nicht sein!“

In einem halben Jahr hat Bush 640.000 Dollar eingenommen

Zwei Lobbygruppen, die eine Reform der Wahlkampffinanzierung fordern, haben das Justizministerium aufgefordert, ein Verfahren gegen Jeb Bush einzuleiten. Denn Bush habe zwischen Dezember und Juni nur so getan, als sei seine Kandidatur noch nicht beschlossene Sache, um ohne jede Einschränkung Spenden für sein Pac einzuwerben. Von dessen fast zehntausend Spendern gaben fünfhundert 25.000 Dollar oder mehr. Rechnet man zum Pac-Vermögen noch die gut elf Millionen Dollar, über die Bush in seiner eigenen Kampagnenkasse verfügt, so hat er jeden Tag zwischen Neujahr und dem 30. Juni etwa 640.000 Dollar eingenommen. Die wichtigsten Spender feierten ihren Erfolg mit einem Wochenende in Kennebunkport.

Doch auch manch konservativer Millionär tut sich schwer mit den Super-Pacs. Spender fürchten, dass sich ihre Investition nicht rentiert: Wer garantiert ihnen, dass das Pac wirklich den gewünschten Kandidaten unterstützt – und wer stellt sicher, dass der Kandidat nachher weiß, wem er zu danken hat? Mel Sembler musste solche Sorgen nie haben. Die letzten beiden Bushs, die er auf ihrem Weg ins Weiße Haus unterstützte, vergalten es ihm mit schönen Posten. George Bush schickte Sembler als Botschafter nach Australien. Für George W. Bush vertrat er Amerikas Interessen in Rom.

Diplomatie ist nicht sein Metier, aber in der italienischen Hauptstadt suchte sich der zum Botschafter gewordene Immobilienentwickler eine Aufgabe nach seinem Geschmack: Er rang dem Kongress die Mittel für ein neues Botschaftsgebäude ab, obwohl das dem State Department überflüssig erschien. Am Ende beschloss der Kongress sogar, den Bau nach Sembler zu benennen. Das Gesetz, unterzeichnet und in Kraft gesetzt von George W. Bush, hängt in St. Petersburg in einem Zimmer an der Wand, das Semblers Assistentin den „Ich-liebe-mich-Raum“ ihres Chefs nennt.

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