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Jeb Bush : Die meisten Dollars für die besten Gene

  • -Aktualisiert am

Bewerber sind auf Engagement von Leuten wie Sembler angewiesen

Mel Sembler boxt nicht in der Gewichtsklasse von Sheldon Adelson, dem jüdischen Kasino-Magnaten, der sein Milliardenvermögen politisch spielen lässt. Er kann auch nicht mit den Industriellenbrüdern Charles und David Koch mithalten, die mit vielen Hunderten Millionen Dollar und einem weitverzweigten Netz aus Pacs und Lobbygruppen über Wohl und Wehe republikanischer Kandidaten und Positionen mitentscheiden. Doch am Ende sind alle Bewerber auf das Engagement von Leuten wie Sembler angewiesen, die sich über Jahrzehnte ein regionales Netz gesponnen haben.

Die Gefilde der Politik hatten die Semblers erstmals betreten, als sie in den siebziger Jahren Drogenentzugszentren für Jugendliche namens „Straight Inc.“ aufbauten. „Wir hatten 12.000 Patienten und eine Erfolgsquote von 60 bis 80 Prozent“, prahlt Sembler. Doch die Methoden von „Straight“ sind bis heute heftig umstritten. Ehemalige Programmteilnehmer verklagten die Organisation wegen Misshandlungen und Freiheitsentzug. Schmerzen habe man niemandem zugefügt, beteuert Sembler. „Aber wenn man ein konservatives Programm betreibt, dann erntet man viele Beschwerden.“ Kurz nach dem Beginn seines Engagements gegen die Drogen lernte Sembler dann Bush kennen. „Aber Republikaner bin ich nicht wegen George Bush geworden“, stellt er klar, „sondern wegen Jimmy Carter!“ Der demokratische Präsident hatte einen Arzt zum Drogenbeauftragten ernannt, der behauptete, Kokain mache nicht süchtig. „Ich fragte mich: Sind diese Leute alle verrückt?“ Fortan war Sembler Republikaner.

Pacs dürfen jede Summe annehmen

Sembler ist schwer zu stoppen, wenn er von seinem Kampf gegen die Drogen und seinen Abendessen im Weißen Haus erzählt. Aber jetzt klingelt sein Handy. „Das ist Jebs Kampagne, da muss ich rangehen.“ Es geht um den nächsten großen Fundraiser in einem Luxushotel in Tampa. Eine Mitarbeiterin des Präsidentschaftskandidaten fragt nach der Teilnehmerliste. Sembler verspricht ein Fax und legt auf. Er will gerade erzählen, was alles geplant ist, als er sich selbst das Wort abschneidet. „Jetzt, wo ich im Pac-Vorstand sitze, sollte ich vermutlich mehr Abstand zum Kampagnenteam halten.“

Das wäre in der Tat geboten, denn das Gesetz schreibt eine „Brandschutzmauer“ zwischen dem Kandidaten und den Super-Pacs vor. Einem Kandidaten dürfen Amerikaner nicht mehr als 2700 Dollar spenden, weil sonst auch der Supreme Court Korruptionsgefahr wittert. Pacs dürfen nach einem Urteil der Obersten Richter von 2010 dagegen jede Summe annehmen, von Privatpersonen wie von Unternehmen – solange sich das Pac eben nicht mit dem Kandidaten abspricht.

Jeb Bush ist für Mel Sembler der Favorit
Jeb Bush ist für Mel Sembler der Favorit : Bild: Reuters

Allerdings dürften Semblers Telefonate im Jahr fünf nach diesem grundstürzenden Gerichtsurteil keinen großen Geist mehr aufregen. So gut wie jeder Präsidentschaftskandidat hat einen engen Vertrauten gebeten, ein Super-Pac für seine Zwecke aufzubauen. Die Bundeswahlkommission lässt es sogar zu, dass ein Kandidat als „Ehrengast“ auf Veranstaltungen der formal unabhängigen Pacs auftritt. Dort darf er die versammelten Gönner um bis zu 5000 Dollar Spenden für das Pac bitten. Die Veranstalter müssen danach nur warten, bis der Kandidat den Raum verlassen hat. Dann können sie die Gäste ersuchen, auf ihren Schecks bitte die eine oder andere Null hinzuzufügen.

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