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Informant Edward Snowden : Nichts ist unmöglich

  • -Aktualisiert am

Edward Snowden, aufgenommen bei einem Fernsehinterview am 6. Juni in Hongkong Bild: AFP

Ein Jahrzehnt lang war der Mann, der jetzt Amerikas Geheimnisse ausplaudert, im Kosmos der Geheimdienste tätig - erst als Wachmann, dann als Computerfachmann.

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          Die Schule hat er abgebrochen. Dann, 2003, ging er zum Heer, wollte als Elitesoldat im Irak für die Befreiung des unterjochten Volkes und gegen die terroristische Gefahr in aller Welt kämpfen. Doch bei einem Trainingsunfall brach er sich beide Beine, wurde später ehrenhaft aus den Streitkräften entlassen. Es folgte eine Anstellung als Wachmann vor einer Einrichtung des Militärgeheimdienstes „National Security Agency“ (NSA) im Bundesstaat Maryland nahe Washington. Später heuerte er direkt beim Auslandsgeheimdienst CIA an, wo er dank seiner Computer-Fertigkeiten rasch aufstieg und unter anderem - als Diplomat getarnt - zur CIA-Station in Genf entsandt wurde. 2009 verließ er die CIA, war bei verschiedenen Computer- und Sicherheitsunternehmen tätig, etwa beim PC-Hersteller Dell und zuletzt beim Unternehmensberater und Sicherheitsspezialisten Booz Allen Hamilton in Hawaii. Dort wohnte er in einem hübschen Haus, hatte eine feste Freundin und verdiente 200000 Dollar im Jahr.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Doch dann entschloss sich Edward Snowden, der vor 29 Jahren in dem Städtchen Elizabeth City im Bundesstaat North Carolina geboren wurde und in Maryland aufwuchs, zum dramatischen Ausstieg. Die letzten drei Monate seiner Tätigkeit für den Behemoth des staatlichen amerikanischen Sicherheitsapparates und seiner ungezählten privaten Subunternehmen verbrachte er damit, streng geheime Dateien zu kopieren. Er nahm Verbindung zu Barton Gellman von der Tageszeitung „Washington Post“ auf, später auch zu dem investigativen Reporter und Blogger Glenn Greenwald von der britischen Tageszeitung „The Guardian“. Zunächst übergab Snowden dem „Guardian“ umfangreiche Dateien aus dem geheimen Fundus der NSA, vor allem Informationen zum Überwachungsprogramm von Telefonverbindungen im Inland. Die „Washington Post“, zu deren Großleistungen die Aufdeckung des Watergate-Skandals von 1972 gehört, versorgte Snowden mit Informationen zum sogenannten „Prism“-Programm. Eine umfangreiche Powerpoint-Präsentation, die der Dienst zum internen Gebrauch verwandte, half nun den Reportern, das System zur umfassenden Durchleuchtung von Internet- und E-Mail-Verkehr im Ausland zu verstehen.

          Die Speicherung der sogenannten Metadaten“ von Telefonaten - das Abhören der Gespräche selbst gehört nicht dazu - betreibt die NSA seit etwa sieben Jahren. Vor rund sechs Jahren wurde das Prism-Programm zum systematischen Durchleuchten des elektronischen Datenaustausches aufgelegt. Beide Programme - und womöglich weitere, von denen die Öffentlichkeit nichts weiß - sind legal: Rechtliche Grundlage sind das Gesetzespaket „Patriot Act“ zum Kampf gegen den Terrorismus vom Oktober 2001 sowie der 2008 verabschiedete Zusatz zum „Patriot Act“, der das „Gesetz zur Auslandsspionage“ (Fisa) von 1978 novelliert und Privatunternehmen gegen Klagen von Kunden schützt, wenn sie auf Anordnung der Regierung und eines Geheimgerichts persönliche Informationen an die Sicherheitsbehörden weitergegeben haben.

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          Angesichts des vielleicht umfangreichsten Verrats von Informationen zu streng geheimen Überwachungsprogrammen der Regierung in der amerikanischen Geschichte durch einen 29 Jahre alten Schulabbrecher stellen sich mancherlei Fragen. Wie kann es sein, dass ein Mitarbeiter in relativ niedrigem Rang Zugang zu so sensiblen Informationen mit der höchsten Geheimhaltungsklassifizierung erhält? Welche Stellung haben die zahlreichen Privatunternehmen und deren Angestellte, die mit Milliardenaufträgen aus Steuergeld im Orbit der 16 staatlichen Geheim- und Abwehrdienste für die nationale Sicherheit tätig sind? Und was motiviert Menschen wie Snowden oder den Heeres-Obergefeiten Bradley Manning, der sich während eines Einsatzes im Irak Zugang zu hunderttausenden geheimen Dokumenten des Pentagons und des State Departments verschaffte und diese an die Enthüllungsplattform „Wikileaks“ weitergab? Die Woche der Enthüllungen von Snowden, der in der Nacht zum Montag in einem Videogespräch mit zwei „Guardian“-Reportern seine Identität preisgab, fiel mit dem Auftakt des Prozesses gegen Manning zusammen, der beim Verfahren vor einem Militärgericht im Heeres-Stützpunkt Fort Meade mit einer lebenslangen Haftstrafe rechnen muss. Auf dem Gelände von Fort Meade befindet sich auch das Hauptquartier der NSA.

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