https://www.faz.net/-gq5-865sv

Umgang mit Schwulen : Boy Scouts suchen nach dem Pfad

  • -Aktualisiert am

Banner aller Farben: Die „Boy Scouts“ marschierten auf der Schwulenparade vor wenigen Wochen in New York. Bild: CHANG W. LEE/The New York Times/

In den Vereinigten Staaten dürfen Homosexuelle jetzt auch Pfadfindertrupps anführen – wenn der lokale Träger nichts dagegen hat. Viele Pfadfinderführer fürchten nun eine Austrittswelle.

          Die amerikanischen Pfadfinder haben einen politisch gewieften Vorsitzenden mit strategischer Weitsicht. Robert Gates, bis 2011 Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, musste nicht erst das Weiße Haus in den Farben des Regenbogens leuchten sehen, um die Zeichen der Zeit zu erkennen. Gut einen Monat bevor Barack Obama Ende Juni die Legalisierung der Homo-Ehe durch das Oberste Gericht feierte, hatte sich der Republikaner mit einem Aufruf an den Vorstand der „Boy Scouts of America“ gewandt, den er ehrenamtlich führt: „Wir müssen mit der Welt umgehen, wie sie ist, nicht wie wir sie gern hätten.“

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Gates hielt den Anführern von Amerikas größter Jugendorganisation kein flammendes Plädoyer zur historischen Überwindung der Diskriminierung sexueller Minderheiten, wie es sein früherer Dienstherr im Weißen Haus getan hätte. Vielmehr legte ihnen der frühere Pentagon-Chef einen taktischen Rückzug nahe. Ihr „Ende als nationale Bewegung“ könnten die Pfadfinder nur abwenden, wenn sie offen homosexuelle Truppführer und Angestellte akzeptierten, bevor ihnen die Gerichte eine Satzungsänderung aufzwängen.

          Pfadfinder fürchten Austrittswelle

          Am Montagabend fiel in einer Telefonkonferenz der formale Beschluss zur Aufhebung des Banns. Jubelszenen wie nach dem Supreme-Court-Urteil erlebten die Amerikaner danach nicht. Viele Pfadfinderführer fürchten eine neuerliche Austrittswelle. Die Ankündigung der Mormonen-Kirche, als mit Abstand größte Trägerorganisation ihre mehr als hundertjährige Zusammenarbeit mit den „Boy Scouts of America“ zu überdenken, fiel unerwartet bedrohlich aus. Auf der anderen Seite sind sich Gleichstellungsaktivisten im Klaren darüber, dass der Montag allenfalls einen Etappensieg markiert. Denn religiöse Träger dürfen auf lokaler Ebene weiterhin Schwule und Lesben von Führungsaufgaben ausschließen. Kirchliche Organisationen dürfen „Führungsaufgaben weiterhin solchen Erwachsenen anvertrauen, deren Glaubensgrundsätze sich mit ihren eigenen decken“, heißt es in dem Beschluss. Gates’ Juristen dürften lange daran gefeilt haben.

          Im Jahr 2000 hatten sich die „Boy Scouts of America“ noch vor dem Supreme Court gegen eine Diskriminierungsklage durchgesetzt. Doch seitdem hat sich die Haltung der amerikanischen Gesellschaft dramatisch verändert. Anstelle einer großen Klage gegen den nationalen Verband, den Gates fürs Erste abgewehrt haben dürfte, steht nun eine Vielzahl von Klagen gegen einzelne Trupps zu erwarten. Etwa sieben von zehn Pfadfindertrupps sind in religiöser Trägerschaft. Die für sie geschaffene Ausnahmeregel besänftigt viele Konservative kaum. Sie glauben einfach nicht daran, dass die Regelung lange Bestand haben werde.

          Erst 2013 hatte der Dachverband schließlich beschlossen, Jugendliche als Mitglieder zuzulassen, die sich offen zu ihrer Homosexualität bekennen. Das war ein Beschluss, der niemanden befriedigt hatte: Einige Pfadfindertrupps, vor allem die in baptistischer Trägerschaft, verließen den nationalen Verband. Konservative Familien ließen ihre Kinder austreten oder meldeten sie gar nicht erst an. Und die Homosexuellenverbände verwiesen auf die perverse Situation, dass Jugendliche bei den Pfadfindern seit 2014 offen schwul oder lesbisch sein dürfen (im Alter von 14 Jahren dürfen auch Mädchen den „Boy Scouts“ beitreten), mit Erreichen des 18. Lebensjahrs dann aber austreten mussten. Das wollte Gates jetzt ändern.

          Weitere Themen

          Kampagne gegen Biden

          Trump-Telefonat : Kampagne gegen Biden

          Donald Trump und seine Mitarbeiter setzten am Wochenende ihre Kampagne gegen Joe Biden und seinen Sohn fort. Sie wollen damit womöglich von einem eventuellen Amtsmissbrauch Trumps ablenken.

          Topmeldungen

          Vor UN-Klimagipfel : Jetzt muss endlich gehandelt werden

          Angela Merkel und ihre Regierung reisen mit einem Plan nach New York, mit dem sie nicht als Vorkämpfer fürs Klima zurückkehren werden. Nur guten Willen zeigen – das genügt nicht mehr. Die neuen Klimaberichte sind alarmierend.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.