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Homo-Ehe : Unter dem Muff das Herz

  • -Aktualisiert am

Demonstration für die Gleichstellung der Homo-Ehe in San Francisco an diesem Dienstag Bild: AFP

Prominente amerikanische Politiker ändern ihre Haltung zur Homosexuellenehe. Auch Republikaner schicken sich an, im Namen der Freiheit Gott aus dem Spiel zu lassen. Das hat mitunter auch persönliche Gründe.

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          Rob Portman aus Ohio gehört zu den profiliertesten republikanischen Politikern im Land. Seine politische Laufbahn begann der 57 Jahre alte Jurist 1989 als Rechtsberater im Weißen Haus unter Präsident George H. W. Bush. 1993 wurde er erstmals ins Repräsentantenhaus gewählt, dem er bis 2005 angehörte.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Dann folgte Portman dem Ruf von Präsident George W. Bush und übernahm den Kabinettsposten des amerikanischen Handelsvertreters und später des Budgetchefs im Weißen Haus. Seit Januar 2011 ist Portman Senator in Washington. Im Wahljahr 2012 wurde der konservative Politiker als möglicher Vizepräsidentschaftskandidat von Mitt Romney genannt, der sich dann aber für den Abgeordneten Paul Ryan aus Wisconsin entschied.

          Ein Sinneswandel

          Vor knapp zwei Wochen gab Portman einen überraschenden Meinungswandel bekannt. In einem Kommentar für die Tageszeitung „The Columbus Dispatch“ teilte er mit: „Ich bin zu der Ansicht gelangt, dass zwei Menschen, die eine Lebensgemeinschaft der Liebe und der Fürsorge in guten wie in schlechten Zeiten eingehen wollen, von der Regierung nicht daran gehindert werden sollten, einander zu heiraten.“ Portman gab zu, dass er nicht immer so gedacht, sondern als Abgeordneter und Senator im Kongress mehrmals gegen die Homosexuellenehe gestimmt habe.

          Das „Gesetz zur Verteidigung der Ehe“ von 1996 etwa, das vom demokratischen Präsidenten Bill Clinton mit dessen Unterschrift in Kraft gesetzt wurde, hatte Portman gemeinsam mit zahlreichen Angehörigen der republikanischen Fraktion eingebracht. In diesem „Defense of Marriage Act“ (DOMA) wird die Ehe als Lebensbündnis eines Mannes und einer Frau definiert; bundesstaatlichen Institutionen wird untersagt, von einzelnen Bundesstaaten möglicherweise sanktionierte gleichgeschlechtliche Partnerschaften anzuerkennen.

          Sinneswandel: Der republikanische Senator Rob Portman unterstützt die Homo-Ehe, seit er weiß, dass sein Sohn Will (l.) schwul ist
          Sinneswandel: Der republikanische Senator Rob Portman unterstützt die Homo-Ehe, seit er weiß, dass sein Sohn Will (l.) schwul ist : Bild: AP/dpa

          Portman hat persönliche Gründe für seinen Sinneswandel. Seit Februar 2011 wissen er und seine Frau Jane, mit der er seit 26 Jahren verheiratet ist und drei gemeinsame Kinder hat, dass ihr Sohn Will schwul ist. Das Comingout seines Sohnes habe ihn in die Lage versetzt, über die Frage der Schwulen- und Lesbenehe in einer „neuen Perspektive“ nachzudenken, sagte Portman: der „eines Vaters, der seinen Sohn sehr liebt und ihm die gleichen Möglichkeiten gegeben sehen will wie seinem Bruder und seiner Schwester“, die beide heterosexuell sind.

          „Dem Herzen folgen“

          Ehe Portman seine Kehrtwende in der Streitfrage bekanntgab, sprach er mit dem früheren Vizepräsidenten Dick Cheney. Dessen seit Jahren offen lesbische Tochter Mary hat im Juni 2012 in der Hauptstadt Washington geheiratet und erzieht mit ihrer Ehepartnerin Heather Poe zwei Kinder, die sie zur Welt gebracht hat. Dick Cheney gab Rob Portman den Rat, er möge „seinem Herzen folgen“. Diesem Rat folgte Portman und gab kurz vor den historischen Verhandlungen des Obersten Gerichts zur Homosexuellenehe, die an diesem Mittwoch fortgesetzt werden, seinen Sinneswandel bekannt.

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