https://www.faz.net/-gq5-8m3v2

Folgen von „Matthew“ : Haiti sagt Präsidentenwahl wegen Hurrikan ab

  • Aktualisiert am

In Haiti hat Hurrikan „Matthew“ das öffentliche Leben lahmgelegt. Auch eine Wahl ist derzeit unmöglich. Bild: Reuters

Die Menschen in Haiti müssen weiter auf einen neuen Präsidenten warten. Wirbelsturm „Matthew“ hat in dem Karibikstaat große Schäden angerichtet und macht die Wahl bis auf Weiteres unmöglich.

          1 Min.

          Die politische Krise in Haiti geht weiter: Wegen der Folgen von Hurrikan „Matthew“ wird die ursprünglich für Sonntag geplante Präsidentenwahl verschoben. „Die jüngsten Vorkommnisse machen die Wahl unmöglich“, sagte Behördenchef Léopold Berlanger am Mittwoch. „Wir werden gemeinsam mit der Regierung und den nationalen und internationalen Partnern am Mittwoch kommender Woche oder später einen neuen Wahltermin bekanntgeben.“

          Der Wirbelsturm der Kategorie 4 war am Dienstag auf Haiti getroffen und hatte erhebliche Schäden verursacht. Häuser wurden zerstört, Bäume knickten um, Straßen wurden überflutet. Tausende Menschen suchten Schutz in Notunterkünften. Der Südwesten des Karibikstaats ist noch immer von der Außenwelt abgeschnitten.

          Hurrikan „Matthew“: aktuelle Position und durchschnittliche Windgeschwindigkeiten 10 Meter über der Oberfläche (Klick in die Karte)

          Am Sonntag hätten die Haitianer einen neuen Staatschef wählen sollen. Das Ergebnis der bisher letzten Wahl im vergangenen Oktober war wegen Manipulationsvorwürfen annulliert worden. Die Opposition hatte den Sieg des Regierungskandidaten Jovenel Moïse in der ersten Wahlrunde nicht akzeptiert und von Wahlbetrug gesprochen.

          Die Europäische Union und die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) bewerteten die Wahl hingegen als grundsätzlich frei und fair. Sie vermuteten vielmehr, dass die Opposition durch ihre Proteste das für sie ungünstige Ergebnis kippen wollte. Der frühere Staatschef Michel Martelly schied im Februar ohne gewählten Nachfolger aus dem Amt. Seitdem regiert Übergangspräsident Jocelerme Privert das Land. Die OAS mahnte zur Eile. „Es ist wichtig, dass diese für die Konsolidierung der Demokratie so dringend notwendigen Wahlen so schnell wie möglich abgehalten werden“, twitterte Generalsekretär Luis Almagro am Mittwoch.

          Ein Dauerstreit zwischen Regierung und Opposition lähmt das Land. Das im Westteil der Karibikinsel Hispaniola gelegene Haiti gilt als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt nach Angaben der Weltbank 68 Dollar (rund 61 Euro) im Monat, die Lebenserwartung der 10,4 Millionen Haitianer liegt im Schnitt bei nur 63 Jahren.

          Ein verheerendes Erdbeben verschlimmerte im Januar 2010 die Lage. 40 Prozent des Staatshaushalts werden durch Entwicklungshilfe aus dem Ausland finanziert. Es herrschen Korruption und Gewalt. Und immer wieder wurden Präsidenten von Militärs aus dem Amt geputscht oder durch Aufstände abgesetzt.

          Weitere Themen

          Die SPD darf die Macht nicht verachten

          Fremde Federn:Thomas Oppermann : Die SPD darf die Macht nicht verachten

          Die SPD befindet sich in der schwersten Krise seit 1945. Der frühere Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann erinnert seine Partei an das Godesberger Programm und das darin enthaltene Erfolgsrezept, um wieder auf die Beine zu kommen.

          Topmeldungen

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.
          Bleibt mehr Geld von der Betriebsrente?

          Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.