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Gottes Wort und Lobbys Beitrag : Evangelikale fordern harte Haltung gegenüber Fremden

  • -Aktualisiert am

Beseelt: Eine evangelikale Christin betet im vergangenen Juli in Washington für eine Einwanderungsreform Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Obamas Einwanderungsreform sollte viele zufriedenstellen. Doch die Republikaner lassen sie scheitern. Manche Evangelikale fordern nun eine Abkehr vom „biblisch verbrämten Gutmenschentum“".

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          Farmers Branch, im Dezember. Vince Gonzales ahnte nicht, was auf ihn zukam, als er vor ein paar Wochen nach Washington flog. Ein befreundeter Kirchenmann aus dem Großraum Dallas hatte ihm die Einladung übermittelt. Als einziger evangelikaler Pastor mit mexikanischen Wurzeln weit und breit solle er in der Hauptstadt über die Einwanderungspolitik diskutieren. „Ich dachte, ich nehme an einer Art Gebetskreis teil“, erzählt Pastor Vince. Doch kaum stand er in der feinen Lobby des Tagungshotels, drückte ihm jemand zwei Gutscheine für Drinks in die Hand. „Ich war fast der einzige Latino im Raum. Wildfremde Menschen kamen mit Bourbongläsern auf mich zu. Sie vertraten große Konzerne wie Microsoft oder Walmart.“ Erst jetzt begriff der Gründer der kleinen „North Dallas Family Church“, dass man ihn eingeflogen hatte, damit er in einer großangelegten Lobbyoffensive mitkämpft. „Da habe ich gedacht: So ist es also im Herzen der Macht.“ Von der Bar hielt sich der Kirchenmann fern. Alkohol ordnet er mit Homosexualität und Abtreibungen einer Achse des Bösen zu. „Konservativ zu sein bedeutet für mich, dass ich alles ablehne, was Familien zerstört“, sagt Gonzales.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Umso dankbarer sei er für die Gelegenheit gewesen, nach einer kurzen Einweisung in politischer Taktik mit drei texanischen Abgeordneten zu sprechen. „Denn unser Einwanderungsrecht bedroht unsere Familien“, sagt der Pastor, der sonntags vor knapp 200 Gläubigen auf Englisch und auf Spanisch predigt. So ziemlich jedes Mitglied seiner Gemeinde lebe in der Angst, dass ein Verwandter abgeschoben werden könnte. „Die Menschen zerbrechen daran“, sagt Gonzales. Er hat das auch den Republikanern aus dem Repräsentantenhaus so gesagt. Als Antwort erhielt er, was seit Jahren jeder zu hören bekommt, der sich im Kongress nach der Einwanderungspolitik erkundigt: „Unser System funktioniert nicht. Wir brauchen eine Reform.“

          Von Tausend Seiten bleibt nicht viel

          Aber welche? Für die republikanischen Abgeordneten, erst recht für die konservativen aus Texas, soll es bloß keine Neuregelung der Art sein, wie sie der Senat im Sommer beschlossen hat. Präsident Barack Obama hatte große Hoffnungen in die vier demokratischen und vier republikanischen Senatoren gesetzt, die den Gesetzentwurf einbrachten. Auf mehr als tausend Seiten buchstabiert er ein Einwanderungsrecht aus, das allen Seiten etwas bieten will. So soll den schon lange im Land lebenden „Personen ohne Ausweispapiere“ ein an viele Bedingungen geknüpfter Weg zur Legalisierung ihres Aufenthaltsstatus und zur amerikanischen Staatsangehörigkeit eröffnet werden. Zugleich soll der Grenzschutz aufrüsten und die Abschiebung von „Illegalen“ leichter werden. Hinzu kämen Schritte, um es etwa der Agrarindustrie zu erleichtern, legal an Saisonarbeiter zu gelangen. Doch fünf Monate nach der Abstimmung in der kleineren Kongresskammer hat John Boehner, der republikanische „Speaker“ des Repräsentantenhauses, sein Machtwort gesprochen: Weder werde er die Abgeordneten über den Entwurf des Senats abstimmen lassen, noch strebe er eine Vermittlung an. Nur kleinere Einzelgesetze will die Republikanerführung den Kongress passieren lassen. Die den Senat kontrollierenden Demokraten wollen keine Milliardeninvestitionen in den Grenzschutz billigen, ohne zugleich den Millionen von illegalen Einwanderern eine Perspektive zu bieten, die schon lange in den Vereinigten Staaten leben. Das wiederum lehnen viele Republikaner als „Amnestie“ ab, die den Rechtsstaat aushöhlen und neue Einwanderer in Massen anlocken werde.

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