https://www.faz.net/-gq5-7k41p

Fünf Milliarden Datensätze : NSA erstellt Bewegungsprofile aus Handy-Daten

  • Aktualisiert am

Standort bekannt: Die NSA sammelt Daten zu angeblich hundert Millionen amerikanischen Mobilfunkgeräten Bild: AFP

Der amerikanische Geheimdienst speichert offenbar die Standortdaten von hunderten Millionen Mobiltelefonen in aller Welt. Damit erstelle die NSA millionenfach Bewegungsprofile, berichtet die „Washington Post“.

          2 Min.

          Der amerikanische Geheimdienst NSA sammelt  nach Informationen der Washington Post“ jeden Tag fast fünf Milliarden Datensätze über die Standorte von Mobiltelefonen auf der  ganzen Welt. Die NSA könne damit Bewegungsprofile von Menschen in  einer Weise erstellen, die „früher unvorstellbar“ gewesen wäre,  schrieb die Zeitung am Mittwoch auf ihrer Internetseite. Der  Geheimdienst speichere und analysiere die Ortungsdaten von  „mindestens hunderten Millionen Geräten“. Dadurch erhält die NSA den Angaben zufolge nicht nur Informationen  über die Aufenthaltsorte von Menschen, sondern kann sich auch ein  Bild von den Kontakten der Handybesitzer machen. Die Überwachung  richte sich gegen „ausländische Ziele“.

          Amerikanische Bürger nehme die NSA dagegen nicht gezielt ins Visier, allerdings greife der  Geheimdienst als Nebenprodukt der Massenüberwachung auch in  bedeutendem Umfang Daten von amerikanischen Mobilfunktelefonen ab. Die  „Washington Post“ beruft sich auf Dokumente des früheren  US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden sowie Interviews mit Geheimdienstvertretern. In dem Artikel schildert ein NSA-Mitarbeiter mit Erlaubnis seines  Dienstherren, wie das Überwachungsprogramm funktioniert. Der  Geheimdienst zapft demnach die Kabel an, die Mobilfunknetzwerke  weltweit verbinden, und schöpfe dabei „in gewaltigem Umfang“ Ortungsdaten ab. NSA-Analysten könnten Handys überall auf der Erde  ausfindig machen, die Bewegungen nachvollziehen und verborgene  Beziehungen zwischen zwei oder mehreren Menschen aufdecken.

          Suche nach Bewegungsmustern

          Mit  einem „Co-Traveler“ genannten Analysewerkzeug durchkämmen die  Geheimdienstler den Angaben zufolge die Daten nach  übereinstimmenden Bewegungsmustern, um das Netzwerk von  Terrorverdächtigen freizulegen. Durch die willkürliche Handyortung sammelt die NSA laut „Washington  Post“ einen kaum fassbaren Datenberg. Die Zeitung zitiert aus einem  internen Dokument vom Mai 2012, in dem der Geheimdienst einräumt,  dass das Programm „unsere Fähigkeit zur Aufnahme, Verarbeitung und  Speicherung“ von Daten übersteige. Die NSA habe daraufhin ihre  Rechnerkapazitäten erweitert.

          Seit Juni haben Snowden-Dokumente eine Reihe von Spähaktivitäten  der NSA und verbündeter Geheimdienste ans Licht gebracht. So  überwachte die NSA offenbar nicht nur massenhaft E-Mails und  Telefonate von Menschen rund um die Welt, sondern hörte auch  Spitzenpolitiker aus befreundeten Staaten ab, darunter  Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). In Deutschland und anderen Staaten sorgten die NSA-Überwachung für  Empörung, weil sie die Privatsphäre von Millionen unbescholtenen  Bürgern verletzt. Der amerikanische Präsident Barack Obama ordnete eine  Überprüfung der Geheimdienstaktivitäten an, noch im Dezember soll  das Ergebnis vorliegen. Grundsätzlich verteidigte das Weiße Haus  die Spähprogramme aber immer wieder als notwendiges Mittel im Kampf  gegen den Terrorismus.

          Weitere Themen

          Das weiße Haus des Geldes

          Unsummen im Wahlkampf : Das weiße Haus des Geldes

          Wer keine Fernsehspots kaufen kann, hat das Nachsehen beim Kampf um die Aufmerksamkeit der demokratischen Wähler. Die Konkurrenz der Milliardäre macht es noch schwerer – aber manche Kandidaten sind davon unbeeindruckt.

          Topmeldungen

           Die durchschnittliche Spendensumme für Bernie Sanders liegt bei 18,07 Dollar.

          Unsummen im Wahlkampf : Das weiße Haus des Geldes

          Wer keine Fernsehspots kaufen kann, hat das Nachsehen beim Kampf um die Aufmerksamkeit der demokratischen Wähler. Die Konkurrenz der Milliardäre macht es noch schwerer – aber manche Kandidaten sind davon unbeeindruckt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.