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Früherer amerikanischer Botschafter : Kornblum: Obama hat nicht alles unter Kontrolle

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Jeff Kornblum Bild: picture-alliance / Eventpress He

Der frühere amerikanische Botschafter in Deutschland, Kornblum, hat die NSA-Affäre als äußerst peinlich bezeichnet. Er sagte, die amerikanischen Geheimdienste stünden unter hohem Druck.

          Der frühere amerikanischer Botschafter in Deutschland, John Kornblum, hält die Affäre um das mutmaßliche Ausspähen eines Mobiltelefons von Bundeskanzlerin Angela Merkel für „äußerst peinlich“. Dies habe aber mit der „Handhabung“ durch die amerikanischen Geheimdienste „und nicht mit Zielen oder Absichten zu tun“, sagte Kornblum am Freitag im Deutschlandfunk. Merkel habe „nichts mit Terroristen zu tun, aber ein Dienst, der sehr unter Druck ist, versucht, sein Netz so weit wie möglich auszuspähen“.

          Eine von Präsident Barack Obama im August angekündigte Untersuchung zu der seit Monaten schwelenden Affäre habe es seines Wissens bislang nicht „noch nicht gegeben, oder sie ist zumindest nicht veröffentlicht“, sagte Kornblum weiter. Er „führe das darauf zurück, dass Obama sehr unter Druck ist und dass er wahrscheinlich im Moment nicht alles unter Kontrolle hat“. Letzteres beziehe sich auf „Details“ der Affäre und bedeute „nicht, dass er ein schlechter Präsident ist“.

          „Deutschland muss fordernder auftreten“

          Kornblum riet der Bundesregierung, gegenüber Washington fordernder aufzutreten. Wenn auf Fragen keine Antwort kommen, „dann muss man noch mal darauf hinweisen, dass man auf eine Antwort wartet“. „Politik ist nicht eine Frage von Symbolen und Warten, Politik ist harte tägliche Arbeit, und Außenpolitik ist noch viel schwieriger als Innenpolitik“, sagte Kornblum.“Wenn man meint, dass es wirklich wichtig ist, dann muss man dem auch nachgehen“, ergänzte er.

          In den vergangenen Monaten hatte es mehrfach Enthüllungen über Spionageaktivitäten der Vereinigten Staaten in Europa gegeben. Zu Wochenbeginn berichtete die französische Tageszeitung „Le Monde“, der amerikanische Geheimdienst NSA überwache massenhaft Telefonate in Frankreich. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Bundesregierung die amerikanischen Geheimdienste verdächtigt, ein Mobiltelefon von Bundeskanzlerin Angela Merkel überwacht zu haben.

          Obama-Beraterin verteidigt Geheimdienste

          Die Beraterin des amerikanischen Präsidenten in Fragen des Heimatschutzes und der Terrorismusabwehr, Lisa Monaco, sieht ihr Land angesichts der Geheimdienstaffäre unterdessen vor „erheblichen Herausforderungen“. Dies betreffe „unsere Beziehungen zu einigen unserer engsten ausländischen Partner“, schrieb Monaco in der Tageszeitung „USA Today“ vom Freitag.

          Zugleich verteidigte sie die Arbeit der amerikanischen Geheimdienste, die arbeiteten wie in „allen Ländern“ auch. Sie unterlägen dabei sogar „mehr Einschränkungen und Aufsicht als in jedem anderen Land“.

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