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Franziskus in Washington : Päpstlicher als die Progressiven

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Doch für viele konservative Amerikaner, auch viele katholische Bischöfe, ist es ausgemachte Sache, dass sie es mit einem „progressiven Papst“ zu tun bekommen. Wie zum Beweis findet der „demokratische Sozialist“, Senator und Wahlkämpfer Bernie Sanders bei jedem Termin des Papstes ein Mikrofon in der Nähe, um sich dessen Warnung vor der Verehrung des Geldes anzuschließen. John Boehner, als „Speaker of the House“ Washingtons ranghöchster Republikaner, klingt fast resigniert, als er ankündigt, er werde sich gewiss nicht auf einen Streit mit dem Papst einlassen.

Für Boehner geht ein Traum in Erfüllung

Dabei hat Boehner, der mit seinen zehn Geschwistern streng katholisch erzogen wurde, Franziskus selbst eingeladen, als erster Religionsführer im Kongress zu sprechen. Schon 1994 hatte Boehner den damaligen „Speaker“ aufgefordert, den Papst ins Kapitol zu locken. Bei allen politischen Differenzen: Für Boehner geht ein Traum in Erfüllung. Auf dem Hinflug hat der Papst auch noch einmal erzählt, dass er eigentlich nach Ciudad Juárez reisen und dann „wie so viele Menschen“ zu Fuß nach Texas gehen wollte. Doch dann ergab sich die amerikanisch-kubanische Annäherung, und der Vatikan schmiedete einen neuen Plan. Für die Republikaner, die Obamas Avancen ans Castro-Regime ebenso ablehnen wie seine Einwanderungspolitik, lief dieser Wechsel der Symbolik auf Pest statt Cholera hinaus.

Das heißeste Thema, mit dem sich die Abgeordneten und Senatoren zu beschäftigen haben, sobald der Papst das Kapitol verlassen hat, ist der Streit über Abtreibungen. Abtreibungsgegner haben das Land mit heimlich aufgezeichneten Videos aufgewühlt, in dem Ärzte der Organisation „Planned Parenthood“ in grober Weise darüber reden, wie sie das Gewebe abgetriebener Föten an Forscher verkaufen. Die Gespräche sind unappetitlich, die Praxis ist legal. „Planned Parenthood“ gehört zum selben Verband wie das deutsche „Pro Familia“. Die Organisation unterhält im ganzen Land Frauenkliniken, in denen es mehr um Krebsvorsorge als um Abtreibungen geht. Doch die Republikaner wollen der Organisation sämtliche Mittel aus dem Bundeshaushalt streichen.

Viele Präsidentschaftsanwärter haben den Kampf gegen den „Handel mit Kinderorganen“ oder „Körperteilen“ ins Zentrum gerückt. Viele Parteirechte wollen einem neuen Etat für das am 1. Oktober beginnende Haushaltsjahr nur zustimmen, wenn „Planned Parenthood“ darin nicht mehr vorkommt. Da die Demokraten sich dem Druck nicht beugen, droht dem Land abermals ein Verwaltungsstillstand. Die Katholische Kirche ist, zurückhaltend formuliert, in dieser Auseinandersetzung kein Verbündeter der Demokraten. Vielmehr stand die Bischofskonferenz schon im Kampf gegen Obamas Gesundheitsreform an vorderster Front. Sie will nicht akzeptieren, dass nun fast jede Police auch Verhütungsmittel einschließlich der „Pille danach“ abdecken muss.

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