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Verhöre unter Folter : CIA plante PR-Kampagne für Festnahme Bin Ladins

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Usama Bin Ladin: Der Fahndungserfolg sollte nach dem Willen der CIA aus ihren „harschen“ Verhören stammen. Bild: AP

Woher stammten die maßgeblichen Informationen, die zur Ergreifung von Usama Bin Ladin führten? Aus ihren Folterverhören, sagt die CIA. Diese Darstellung legte sie nach einem Zeitungsbericht schon Monate vor der Kommandoaktion in Pakistan fest.

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          Die CIA soll schon vor der Ergreifung und Tötung des Al-Qaida-Führers Usama bin Ladin eine PR-Strategie entwickelt haben, mit der ein solcher Erfolg auf die Folterung von Terrorverdächtigen zurückgeführt werden sollte. Das berichtet die New York Times auf ihrer Internetseite. Schon Monate vor der geheimen Kommandoaktion 2011 in Pakistan, heißt es dort, habe die CIA geplant, die von ihr auf diese Weise gesammelten Informationen als maßgeblich für die Jagd auf bin Ladin darzustellen. Bereits am Tag nach der Kommandoaktion hätten Mitarbeiter des Geheimdienstes erste Berichte in diesem Sinn an den Kongress verfasst.

          Hierhin führte die Spur des Kuriers: Bin Ladins Haus in Abbottabad in Pakistan nach der Tötung des Al-Qaida-Führers
          Hierhin führte die Spur des Kuriers: Bin Ladins Haus in Abbottabad in Pakistan nach der Tötung des Al-Qaida-Führers : Bild: AP

          Nun ergibt sich aus dem Senatsbericht über die Folterverhöre aber ein ganz anderes Bild: Darin heißt es, der größte Teil der Informationen über bin Ladins Kurier, der schließlich unwillentlich zu bin Ladin geführt hatte, stammten gerade nicht aus Folterverhören, sondern aus anderen, davon völlig unabhängigen Quellen. Die relevanten Informationen über bin Ladins Kurier Abu Ahmed al Kuwaiti habe die CIA schon vorher gesammelt; Verhöre unter Folter hätten dazu keine weiterführenden Informationen mehr erbracht. Auch bestünden Ungenauigkeiten und Widersprüche zwischen den Berichten der CIA und den Aufnahmen aus den Verhören selbst.

          Folter trotz Aussagebereitschaft

          Schon Ende 2001 sei eine Telefonnummer al Kuwaitis überwacht worden; 2002 sei dann allmählich – auch durch Informationen von Gefangenen – klar geworden, dass er möglicherweise ein Kurier bin Ladins war. 2004 wurde dann der Al-Qaida-Terrorist Hassan Ghul im Irak festgenommen. Von ihm stammten die „genauesten Informationen“ über al Kuwaiti und seinen Zusammenhang mit Bin Ladin. In der ersten Befragung, die sich über zwei Tage hinzog, habe Ghul sich sehr kooperativ gezeigt und „gesungen wie ein Vogel“.

          Dennoch habe man sich danach entschlossen, ihn unter Folter weiter zu verhören, um möglicherweise noch weitere Informationen zu bekommen. Ghul sei in ein Geheimgefängnis verlegt worden. Dort habe man ihn rasiert, in einer „Stressposition“ aufgehängt und 59 Stunden lang durch Schlafentzug gefoltert. Am Ende dieser Prozedur habe Ghul Spasmen, Lähmungen, Herzflimmern und Halluzinationen gehabt. Weder während noch nach der Folter habe er aber irgendwelche weiteren Aussagen gemacht, die zu anderen Festnahmen geführt hätten, heißt es in dem Senatsbericht.

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