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Todesschütze im TV-Interview : „Ich habe nur meinen Job getan“

  • Aktualisiert am

Vorbereitet: Plastikhandfesseln hängen am Gürtel einer Polizistin in Ferguson. Bild: AFP

Er bedauere den Tod von Michael Brown, würde aber rückblickend nicht anders handeln. Das sagte Todesschütze Darren Wilson in seinem ersten TV-Interview. Aus Angst vor einer weiteren Krawallnacht verstärkt Ferguson die Polizei.

          Nach den Krawallen in der amerikanischen Kleinstadt Ferguson hat sich der Todesschütze Darren Wilson erstmals zu Wort gemeldet. Er bedauere den Tod des schwarzen Teenagers Michael Brown, würde aber nicht anders handeln, sagte er dem TV-Sender ABC. Er habe im August um sein Leben gefürchtet und nur seinen Job getan, sagte der Polizist nach Angaben des Senders weiter. Er habe ein reines Gewissen.

          Eine Geschworenenjury hatte am Montagabend beschlossen, dass keine Anklage gegen den weißen Polizisten Wilson erhoben wird. Danach brachen Unruhen in Ferguson aus. Die schweren Krawalle haben die Behörden nach eigenen Angaben überrascht. „Ich will ehrlich sein, ich habe einen Abend wie diesen nicht vorausgesehen“, sagte Polizeichef Jon Belmar am Dienstag.

          Er sprach von den schwersten Ausschreitungen seit August. Damals lösten die tödlichen Polizeischüsse erstmals Unruhen aus.

          Belmar sagte, es seien mindestens ein Dutzend Gebäude in Brand gesetzt und zwei Polizeiwagen beschädigt worden. 29 Demonstranten seien festgenommen worden. Kein Beamter habe seine Schusswaffe eingesetzt. Kein Polizist sei ernsthaft verletzt worden.

          Aus Angst vor einer weiteren Krawallnacht kündigten die Behörden am Dienstag an, die Polizeipräsenz in Ferguson zu verstärken. Das Tageslicht brachte die ganze Zerstörung in dem Vorort von St. Louis im Bundesstaat Missouri zum Vorschein: Ausgebrannte Geschäfte, Trümmerteile, Glasscherben. Nur wenige Menschen gingen vor die Tür. „Das ist einfach nur schrecklich“, sagte eine Passantin. „Ich habe noch nie Unruhen wie diese gesehen.“

          Der Gouverneur von Missouri, Jay Nixon, beorderte am Dienstag weitere Mitglieder der Nationalgarde nach Ferguson. „Die Gewalt, die wir in der vergangenen Nacht gesehen haben, ist inakzeptabel“, sagte Nixon. Die zusätzlichen Nationalgardisten sollten für die Sicherheit des Polizeireviers und der Bevölkerung sorgen. Fergusons Bürgermeister kritisierte die Nationalgarde wenig später. Er sagte, sie habe bei den Unruhen zu spät eingegriffen.

          Browns Eltern kritisieren Urteil scharf

          Heftige Kritik gab es am Zeitpunkt der Bekanntgabe des Urteils gegen 20.30 Uhr (Ortszeit). Jeffrey Toobin, Kommentator für den Fernsehsender CNN, schrieb von einer „dummen und gefährlichen Entscheidung“. Im Schutz der Dunkelheit steige die Gefahr von gewalttätigen Ausschreitungen. Außerdem seien diese schwerer zu kontrollieren, argumentierte Toobin. Bürgerrechtler John Gaskin verteidigte hingegen die Entscheidung. Schließlich seien so die meisten Geschäfte bereits geschlossen und das Verkehrsaufkommen niedrig gewesen.

          Browns Eltern haben das Urteil scharf kritisiert. Der juristische Vorgang sei „vollkommen unfair“ gewesen, sagte der Anwalt der Familie, Benjamin Crump. Staatsanwalt Robert McCulloch sei durch seine enge Beziehung zur örtlichen Polizei eine völlige Fehlbesetzung gewesen.

          Die Familie des Jugendlichen hatte bereits in der Nacht betroffen reagiert. „Wir sind zutiefst enttäuscht, dass sich der Killer unseres Kindes nicht den Konsequenzen seiner Taten stellen wird“, ließen sie mitteilen. Browns Stiefvater geriet in die Kritik, weil er verbal Demonstranten zu Gewalt angestiftet hatte.

          Ihr weiterer Anwalt Anthony Gray erklärte, die Beweise seien von der Staatsanwaltschaft bewusst auf eine Weise präsentiert worden, damit Wilson nicht angeklagt werde. Fragen an die Zeugen seien zynisch und sarkastisch gewesen. Er betonte, die Ermittlung der Bundesbehörden gegen den Beamten seien nicht abgeschlossen.

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