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Ex-Fußballstar Romário : Rechts angetäuscht, links vorbei

Auch in der Politik ein Dribbelkünstler: Romário de Souza Faria Bild: Illustration David Smith

1994 wurde Romário mit der brasilianischen Mannschaft Weltmeister und zum besten Spieler des Turniers gewählt. Vor der WM im eigenen Land mischt der frühere Fußballstar nun die brasilianische Politik auf. Er hat große Pläne.

          Der einstige Torjäger Romário möchte dem Weltfußballverband Fifa zum Sieg verhelfen: im Wettbewerb um den Titel „Übelstes Unternehmen des Jahres“. Der Schmähpreis wird seit 2005 von der Schweizer Organisation „Public Eye“ kurz vor dem Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums in Davos vergeben. „Public Eye“ versteht sich als Für- und Lautsprecher von Nichtregierungsorganisationen in aller Welt, die gegen Ausbeutung, Umweltsünden und andere Menschenrechtsverletzungen kämpfen. Gut möglich, dass es Romário abermals gelingt, einen Rückstand aufzuholen und den entscheidenden Treffer zu erzielen. Derzeit liegt die Fifa im Rennen um den Spitzenplatz am internationalen Pranger auf dem zweiten Rang: Nur für den russischen Energieriesen „Gasprom“ wurden bei der internationalen Abstimmung bisher mehr Stimmen abgegeben. Aber die Fifa holt auf. Romário jedenfalls hat dieser Tage auf seiner Facebook-Seite an die Welt appelliert: „Wer hat schon für die Fifa als übelstes Unternehmen 2014 gestimmt? Ich habe gerade gewählt!“

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Romário und die Fifa verbindet eine lange Geschichte der herzlichen Abneigung. Natürlich freut er sich auf die von der Fifa und dem brasilianischen Fußballverband CBF ausgetragene Endrunde der Fußball-WM in Brasilien, die am 12. Juni beginnt. Und natürlich fiebert er wie alle gut 200 Millionen Brasilianer mit der „Seleção“, der brasilianischen Nationalmannschaft, die den insgesamt sechsten WM-Titel holen soll. Bei Verbandsfunktionären aber hört Romários Liebe zum Fußball auf. „Ich bin nicht gegen die WM“, bekräftigt der einstige Superstar, der beim WM-Sieg der Brasilianer 1994 zum besten Spieler des Turniers gewählt worden war: „Aber ich bin gegen die unmäßigen Kosten dieses Turniers. Ich habe immer wieder gesagt, dass Brasilien eine Gelegenheit verschwendet, ein besseres Land zu werden.“

          Seit Anfang 2011 ist Romário de Souza Faria, der am 29. Januar 1966 in der Favela Jacarezinho im Norden von Rio de Janeiro geboren wurde, Abgeordneter im Parlament in Brasília. Bei einer Anhörung des von ihm geführten Parlamentsausschusses für Sport und Fremdenverkehr hat er kürzlich Fifa-Chef Sepp Blatter aus der Schweiz als „Dieb“ und den französischen Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke als „Erpresser“ bezeichnet. Der Fifa liege nichts an Brasilien, es gehe ihr nur darum, dass die WM-Stadien rechtzeitig fertig würden, wettert Romário. Von der WM werde nicht das brasilianische Volk profitieren, sondern nur Medienmultis, Sponsoren und Großunternehmen. „Die Fifa ist nur in Brasilien, um sich die Taschen vollzustopfen“, sagt Romário. „Unsere Krankenhäuser und Schulen haben kein Geld, eine tiefe soziale Kluft spaltet unsere Gesellschaft. Aber wir verschwenden Milliarden Steuergelder für Großereignisse wie die WM.“ So bringt Romário den Volkszorn auf den Punkt, der sich bei den Massendemonstrationen vom Juni und Juli Ausdruck verschafft hat. Die Proteste hätten ihn nicht überrascht, sagt Romário, und für das WM-Jahr erwartet er das Gleiche.

          Nur Pelé erzielte mehr Treffer

          Auch den nationalen Fußballverband CBF geißelt Romário als „korrupt“. Das ist keine Behauptung, sondern eine Tatsachenfeststellung. Im März 2012 musste der selbstherrliche CBF-Boss und langjährige Chef des Fifa-Exekutivkomitees Ricardo Teixeira zurücktreten, nachdem in Brasilien weitere Korruptionsvorwürfe gegen ihn vorgebracht worden waren. In der Schweiz, dem Sitz der Fifa, ging im gleichen Jahr aus Gerichtsakten hervor, dass Teixeira und der frühere Fifa-Chef João Havelange von 1992 bis 2000 beim Verkauf von Vermarktungsrechten der WM mehr als 40 Millionen Franken Bestechungsgeld eingesteckt hatten. Teixeira, der 30 Jahre lang mit einer Tochter Havelanges verheiratet war, floh im Frühjahr 2012 aus Brasilien und lebt seither auf seinem Anwesen in Miami.

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