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Ermittlungen in Boston : Schnellkochtöpfe als Splitterbomben

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Überreste des mutmaßlichen Sprengsatzes von Boston: die amerikanischen Behörden veröffentlichten die Bilder am Dienstag (Ortszeit) Bild: Reuters

Noch immer ist ungewiss, wer das Bombenattentat in Boston zu verantworten hat. Offiziell haben die FBI-Ermittler keine konkreten Spuren. Die Sprengsätze wurden offenbar mit Schnellkochtöpfen, Nägeln, Metallkugeln und Schwarzpulver hergestellt.

          Nach dem Bombenanschlag auf den Boston-Marathon haben die Ermittler noch keine konkreten Hinweise auf die Täter. Es habe sich weder jemand des Anschlags bezichtigt noch seien Verdächtige in Gewahrsam, teilten die Behörden mit. Bei der Suche nach den Bombenlegern hoffen die Ermittler auf den entscheidenden Tipp aus der Bevölkerung. „Irgendjemand weiß, wer dies getan hat“, sagte Rick DesLauriers von der Bundespolizei FBI.

          Die Überreste der Sprengsätze - offenbar zu Splitterbomben umgebaute Schnellkochtöpfe, die mit Schwarzpulver, Nägeln und Metallkugeln gefüllt waren - wurden am Mittwoch in einem FBI-Speziallabor untersucht. Die Ermittler veröffentlichten Fotos, auf denen Reste von Zündvorrichtungen, Sprengsätze sowie die verbogenen Überreste eines Behälters zu sehen sind. Nach Angaben von FBI-Ermittlungsleiter Richard DesLauriers wurden auch schwarze Nylon-Gewebestücke sichergestellt, die vermutlich von einem Rucksack stammten, in dem die Splitterbombe abgestellt worden sei. Die Bandbreite möglicher Täter und Motive sei groß, gestand DesLauriers ein.

          In Washington wurde in einem Brief an einen amerikanischen Senator Spuren des lebensgefährlichen Gifts Rizin entdeckt. Ob es einen Zusammenhang mit dem Anschlag von Boston gibt, war zunächst unklar.

          Chinesische Studentin unter Todesopfern

          Unterdessen sind nun alle drei Todesopfer des Terroranschlags identifiziert. Neben einem achtjährigen Jungen und einer 29 Jahre alten Amerikanerin starb auch eine Studentin aus China. Präsident Barack Obama nimmt am Donnerstag an einem Gedenkgottesdienst für die Anschlagsopfer in Boston teil. Bei den Explosionen an der Marathonstrecke waren am Montag 176 Menschen verletzt worden. Die namentlich nicht genannte chinesische Studentin besuchte die Boston University, teilte das Generalkonsulat der Volksrepublik in New York mit. Ihre Familie habe um Anonymität gebeten. Eine weitere Chinesin, die Freundin des Todesopfers, sei bei der Explosion verletzt worden und befinde sich nach zwei Operationen mittlerweile in stabiler gesundheitlicher Verfassung, hieß es weiter.

          Chirurgen mehrerer Krankenhäuser berichteten unterdessen, sie hätten Verletzten Metallkugeln und Nägel herausoperieren müssen. Klinikmitarbeitern zufolge wurden mindestens zehn Opfern Gliedmaßen amputiert. Am Mittwoch schwebten noch 17 Verletzte in Lebensgefahr.

          Geschockt, aber unverletzt: Ein Läuferin nach den Anschlägen beim Boston Marathon Bilderstrecke

          Bislang seien rund 2000 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Mehr als 1000 Fahnder seien mit dem Fall befasst. Für Hinweise auf die verantwortlichen hat die Feuerwehr 50.000 Dollar Belohnung ausgesetzt.

          Fachleute äußerten im amerikanischen Fernsehen die Vermutung, dass es sich wohl nicht um eine internationale Terroraktion gehandelt habe. So sei der Angriff augenscheinlich zwar sorgfältig geplant, aber die Sprengsätze seien klein und nicht sehr ausgeklügelt gewesen. Sonst hätte es weitaus mehr Todesopfer gegeben. Die Bomben waren am Montag um 14.50 Uhr Ortszeit binnen 12 Sekunden in der Nähe der Ziellinie detoniert, die bereits Stunden zuvor von den ersten Läufern überquert worden war.

          Nach bisherigem Erkenntnisstand seien beide Sprengsätze mit schwarzen Nylon-Taschen oder Rucksäcken an die Explosionsorte gebracht worden, sagte DesLauriers. Auf Bildern des Fernsehsenders WHDH war an einem Tatort vor der Explosion ein abgestellter heller Rucksack zu sehen. Auf aus ähnlichem Blickwinkel aufgenommenen Bildern nach der Detonation ist der Rucksack nicht mehr zu sehen. Die Ermittlungsbehörden äußerten sich zunächst nicht zu diesen Aufnahmen.

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