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Deutsches WM-Quartier : Millionen in den Strand gesetzt

  • -Aktualisiert am

Man spricht Deutsch: Das „Campo Bahia“ wirbt um Urlauber. Bild: Reuters

Ein Jahr nach der Weltmeisterschaft in Brasilien ist das frühere Quartier der deutschen Nationalmannschaft verwaist. Die Hoffnungen auf Urlauber haben sich nicht erfüllt.

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          Es ist wieder einmal knapp geworden für Luigi. Er musste die paar Meter vom Taxistand zur Fähre im Laufschritt zurücklegen, zusätzlich mit den Armen fuchteln und dem Kapitän der „Dodô“ zurufen. Hätte Luigi die Fähre über den Rio João de Tiba um halb eins in der Nacht nicht mehr erwischt, hätte er geschlagene zwei Stunden auf die nächste Überfahrt warten müssen. Luigi ist vor gut zehn Jahren aus Italien nach Brasilien gekommen. Der Liebe wegen. Die brasilianische Liebe ist vor ein paar Jahren gegangen, aber Luigi ist in Brasilien geblieben. Genauer in Santo André, einem Fischerdorf mit kaum 800 Einwohnern im brasilianischen Bundesstaat Bahia.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Vor gut einem Jahr ist das verschlafene Dörfchen Santo André berühmt geworden, weil die deutschen Fußballer für die Weltmeisterschaft in Brasilien dort Quartier bezogen. Das „Campo Bahia“, bestehend aus 14 schmucken zweistöckigen Villen, war von einem deutschen Investor und dessen brasilianischem Geschäftspartners eigens für diesen Zweck gebaut worden. Auch ein Trainingsgelände mit Fußballplatz, Flutlichtanlage und Umkleidekabinen hatten sie ein paar Kilometer von der Hotelanlage entfernt angelegt. Nach der Weltmeisterschaft solle die Anlage als Luxusresort kommerziell betrieben werden, ließen die Investoren wissen.

          Die Abgeschiedenheit des „Campo Bahia“, so will es die inzwischen entstandene Legende, habe wesentlich zur physischen und vor allem mentalen Aufrüstung der deutschen Nationalkicker für das schwere Turnier beigetragen und damit die vierte Weltmeisterschaft irgendwie oder sogar maßgeblich mit ermöglicht. Hätten die Deutschen vor gut einem Jahr im Achtelfinale gegen Algerien nicht so viel Glück gehabt und wären ausgeschieden, würde die Wahl des Quartiers „Campo Bahia“ heute wahrscheinlich als irgendwie oder sogar maßgeblich mitverantwortlich für das klägliche Scheitern gelten.

          Optimale Lage des „Campo Bahia“: Zu allen drei Vorrunden-Spielen fliegen die Deutschen in unter zwei Stunden. Nach der WM wird das Quartier als Akademie für den Fußball-Nachwuchs genutzt. Bilderstrecke
          WM-Quartiere : Wo andere Urlaub machen

          Was hat sich in Santo André seit Juli 2014 geändert, womöglich verbessert? „Nichts, alles ist so, wie es vorher war“, sagt Luigi und sagen auch alle anderen Leute, die man dieser Tage in Santo André fragt. Die Dorfstraße ist nach wie vor eine Holperstrecke, ohne Asphaltierung und Befestigung. Der Traum, Santo André werde sich mit dem „Campo Bahia“ zu einer Destination für ökologisch bewussten Luxustourismus entwickeln, ist ein Traum geblieben. Ein findiger Bauentwickler hat ein großes Transparent auf ein Holzgestell aufspannen lassen, mit welchem er für sein „Resort Paraiso Jacuma“ um erhoffte Kundschaft aus Deutschland wirbt. Darauf ist eine deutsche Nationalflagge abgebildet, daneben stehen die Worte: „Willkommen. Seine Luxus-Haus am Strand. Von 399.000 Euro.“ Bisher hat kein deutscher Käufer 399 000 Euro für ein Strandhaus in dem abgelegenen Fischerdorf mit mangelhafter Infrastruktur übrig gehabt.

          Santo André gehört zur Stadt Santa Cruz Cabrália, die ihren Namen dem portugiesischen Seefahrer Pedro Álvares Cabral verdankt. Die „Costa do Descobrimento“ (Küste der Entdeckung) mit ihren schier unendlich langen Sandstränden am Südatlantik ist eine beliebte Touristenregion, vor allem für einheimische Sommerfrischler aus dem kühlen Süden des Landes. Die allermeisten Besucher kommen am Flughafen von Porto Seguro an, und viele lassen sich sogleich in Bussen ins rund 25 Kilometer nördlich gelegene Santa Cruz Cabrália verfrachten. Dort gibt es jede Menge Hotels, Restaurants und Diskotheken.

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