https://www.faz.net/-gq5-84vw4

Nach dem Charleston-Massaker : Walmart und Ebay wollen Konföderierten-Flagge verbannen

  • Aktualisiert am

Umstritten – die Könföderierten-Flagge der amerikanischen Südstaaten Bild: AFP

Nach der durch das Massaker von Charleston ausgelösten Debatte um die Konföderierten-Flagge, will der amerikanische Einzelhändler Walmart den Verkauf von Produkten mit dem Abbild der Flagge stoppen. Ebay plant ähnliche Schritte. Amazon schweigt.

          2 Min.

          Der seit Jahren andauernde Streit um die umstrittene Konföderierten-Flagge aus der Zeit des Bürgerkrieges in den Vereinigten Staaten (1861-1865) erreicht nach dem Massaker in Charleston nun auch den Einzelhandel. Der größte amerikanische Einzelhändler Walmart sowie der Kaufhausbetreiber Sears, dem auch die Discounttochter Kmart gehört, will den Verkauf von Artikeln mit der rotblauen Flagge laut dem Nachrichtensender CNN stoppen. Der Online-Handelskonzern Ebay zog am Dienstag nach und erklärte, die seiner Ansicht nach "Spaltung und Rassismus" symbolisierende Flagge sowie Artikel mit dem Abbild zu verbieten.

          In Columbia, der Hauptstadt des Bundesstaats South Carolina, versammelten sich unterdessen Demonstranten, um gegen die vor dem dortigen Kapitol wehende Flagge zu protestieren. Die republikanische Gouverneurin Nikki Haley will das Banner entfernen lassen, wofür allerdings eine Zweidrittelmehrheit in beiden Parlamentskammern erforderlich ist. Regierungssprecher Josh Earnest sagte, die Flagge gehöre nach Ansicht von Präsident Barack Obama in ein Museum. Letztlich müsse der Bundesstaat aber selbst entscheiden.

          Auf mehreren Fotos mit der Flagge posiert

          Losgetreten wurde die Debatte durch das mutmaßlich rassistisch motivierte Kirchen-Massaker in Charleston. Der 21 Jahre alte geständige Schütze, der neun Afroamerikaner bei einem Bibelkreis erschoss, hatte auf mehreren Fotos mit der Flagge posiert. Der rassistische Ku-Klux-Klan und rechtsradikale Gruppen nutzen die Flagge bei Aufmärschen, mit der Afroamerikaner auch nach Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1865 eingeschüchtert werden sollten.

          Die Flagge aus Zeiten des amerikanischen Bürgerkriegs steht Kritikern zufolge für die Bereitschaft der damals zusammengeschlossenen Südstaaten, in den Krieg gegen die nördlichen Bundesstaaten der Vereinigten Staaten zu ziehen, um die Sklaverei beibehalten zu können. Sie wurde auch eingesetzt, um Afroamerikaner einzuschüchtern. Befürworter sehen sie dagegen unter anderem als Symbol, um der Opfer ihrer Vorfahren in dem Krieg mit etwa 620.000 Toten zu gedenken.

          Neben South Carolina wird auch in anderen Südstaaten immer wieder über die Verwendung der Flagge diskutiert, etwa in Florida, Georgia und Mississippi. "Wir wollen nie jemanden mit unseren Produkten angreifen", sagte ein Walmart-Sprecher gegenüber CNN. Walmart hatte die Flagge selbst und andere Artikel wie T-Shirts oder Gürtelschnallen mit dem Abzeichen bislang im Angebot. Beim Online-Händler Amazon sind etwa Pullover, Badeanzüge, Schmuck und Bettwäsche mit der Flagge zu finden. Der Konzern äußerte sich bislang aber nicht zu dem Thema. Auf Ebay sind derzeit etwa noch Tassen, Hundehalsbänder und Schutzhüllen für Smartphones, Tablets und Laptops mit der umstrittenen Flagge im Angebot. „Wir haben uns entschlossen, Konföderierten-Flaggen und viele Artikel mit diesem Abbild zu verbieten, weil es unserer Ansicht nach ein zeitgenössisches Symbol für Spaltung und Rassismus geworden ist", teilte Ebay mit.

          Das Weiße Haus begrüßte den Schritt. Präsident Barack Obama will nach Angaben des Weißen Hauses am Freitag die Trauerrede für den bei dem Blutbad in Charleston ermordeten Pfarrer Clementa Pinckney halten. Obama kannte den Mann, der demokratischer Senator im Landesparlament war, persönlich. Das Massaker, bei dem sechs Frauen und drei Männer im Alter von 26 bis 87 Jahren starben, hat in den Vereinigten Staaten neue Ängste über rassistisch motivierte Angriffe geschürt.

          Weitere Themen

          Der Istanbul-Moment der Opposition

          Kommunalwahlen in Ungarn : Der Istanbul-Moment der Opposition

          Ist die Wahlniederlage der Fidesz-Partei in Budapest und anderen Städten der Anfang vom Ende für Viktor Orbán? Ein Gespräch mit Péter Krekó vom liberalen Budapester Institut Political Capital.

          Topmeldungen

          Erledigen Sie die Spieler des gegnerischen Teams: Szene aus dem Handyspiel Call of Duty Mobile

          Anschlag von Halle : Vom Ballerspiel zum Mordanschlag

          Stephan B. wollte seine Attacke in Halle aussehen lassen wie ein Videospiel. Eine Spurensuche in einer Welt, in der alles nur ein Witz sein kann – oder bitterer Ernst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.