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Drogenkrieg in Mexiko : Die Familien und der Tod

  • -Aktualisiert am

Die Nacht gehört den Wölfen: Mexikanische Sicherheitskräfte in der Nähe von Puerto Vallarta nach der Entführung des Sohnes von „El Chapo“. Bild: AFP

Die Entführung des Sohnes von „El Chapo“ Guzmán ist ein schwerer Schlag gegen das Sinaloa-Kartell. Mexiko steckt wieder in einem blutigen Drogenkrieg.

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          Es sind schlechte Zeiten für das Sinaloa-Kartell. Alles begann mit der Festnahme des Chefs des Sinaloa-Kartells Joaquín „El Chapo“ Guzmán im Januar dieses Jahres. Und nun wurde in der Nacht zum Montag auch noch „El Chapos“ 29 Jahre alter Sohn Jesús Alfredo Guzmán entführt, mutmaßlich im Auftrag einer rivalisierenden Bande.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Drogenkartelle in Mexiko und in anderen Staaten Lateinamerikas werden wie Familienbetriebe geführt, weil im gefährlichen Milliardengeschäft mit Drogenschmuggel, Menschenhandel und Schutzgelderpressung einzig die Blutsverwandtschaft unbedingte Loyalität innerhalb der Kartellführung garantiert.

          Jesús Alfredo Guzmán und dessen Bruder Ivan Archivaldo Guzmán galten seit der Festnahme ihres Vaters Joaquín „El Chapo“ Guzmán als amtierende Paten des Sinaloa-Kartells.

          Die beiden hatten schon vor der abermaligen Verhaftung ihres Vaters Schlüsselpositionen im Sinaloa-Kartell inne. Beide werden von den amerikanischen Behörden wegen Drogenhandels steckbrieflich gesucht.

          Dabei schien die vielleicht mächtigste Verbrecherbande Mexikos kürzlich noch vor einem neuen Höhenflug zu stehen, nachdem „El Chapo“ am 11. Juli 2015 ein filmreifer Gefängnisausbruch gelungen war.

          „El Chapos“ Leute hatten von einem Gehöft in der Nähe des Hochsicherheitsgefängnisses bei Toluca im Bundesstaat Mexico einen anderthalb Kilometer langen Tunnel gegraben, der bis unter die Dusche in der Zelle des Drogenbarons führte.

          Der neuerliche Coup mit der Tunnelflucht war „El Chapo“ offenbar zu Kopf gestiegen. In seinem Versteck in den Bergen seines Heimatstaates Sinaloa empfing er Anfang Oktober 2015 den amerikanischen Schauspieler Sean Penn und gab diesem ein Interview.

          Penn veröffentlichte daraufhin in dem amerikanischen Magazin „Rolling Stone“ eine Geschichte über seine Begegnung mit „El Chapo“, in welcher der skrupellose Kartellboss als eine Art mexikanischer Robin Hood der Gegenwart dargestellt wird.

          Ein weiterer Schlag gegen das Sinaloa-Kartell

          Die mexikanischen Behörden bestätigten nach der Festnahme Guzmáns im Januar 2016, dass der Besuch Penns ihnen wertvolle Hinweise auf das Versteck „El Chapos“ gegeben habe. Derzeit sitzt Guzmán in einem Hochsicherheitsgefängnis in Ciudad Juárez an der Grenze zu den Vereinigten Staaten und versucht, seine bevorstehende Auslieferung an die amerikanischen Behörden mit allen Rechtsmitteln zu verhindern.

          Die Entführung von Guzmán junior in dem Badeort Puerto Vallarta am Pazifik ist ein weiterer Schlag gegen das Sinaloa-Kartell – dieses Mal aber nicht von den Behörden, sondern von dem konkurrierenden Kartell Jalisco Nueva Generación. Wie die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Jalisco am Dienstagabend mitteilte, fuhren mindestens sieben Bewaffnete in Pritschenwagen vor dem Restaurant „La Leche“ vor, stürmten die elegante Gaststätte und nahmen gezielt sechs gemeinsam an einem Tisch dinierende Männer mit.

          Zunächst hatten die Behörden von 16 Entführten gesprochen. Doch die Auswertung der Aufnahmen von Überwachungskameras ergab, dass die Kidnapper die neun ebenfalls anwesenden Frauen unbehelligt ließen und diese nach dem Überfall das Weite suchten, ehe die Polizei eintraf

          Neben Guzmán konnten weitere drei der Verschleppten identifiziert werden. Auch bei ihnen handelt es sich um polizeibekannte Kartellangehörige. Sämtliche Ausweispapiere, die in den zurückgelassenen Autos der Entführten sichergestellt wurden, waren gefälscht.

          Das Kartell Jalisco Nueva Generación ist nach mexikanischen Medienberichten seit 2010 im Bundesstaat Jalisco an der Pazifikküste und zumal in dem Badeort Puerto Vallarta aktiv. Es entstand nach dem Tod des dortigen Anführers des Sinaloa-Kartells, Ignacio „Nacho“ Coronel, und entwickelte sich zu einem immer mächtigeren Gegenspieler des Sinaloa-Kartells unter „El Chapo“ Guzmán.

          Schon 2008 war Guzmáns älterer Sohn Edgar auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Culiacán, der Hauptstadt des Bundesstaats Sinaloa, bei einer Schießerei getötet worden. Das Feuergefecht hatten sich seinerzeit offenbar verfeindete Fraktionen des Sinaloa-Kartells geliefert.

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