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Radikalisierung unter Jugendlichen : Nur kurz in die Bibliothek

Mit 2000 Dollar im Gepäck sind drei minderjährige Mädchen in Frankfurt gelandet. Ihr Ziel war es, die Gruppierung „Islamischer Staat“ zu unterstützen Bild: Fricke, Helmut

Drei Teenager aus Denver wollen in den Dschihad reisen. Doch vor dem Weiterflug in die Türkei werden sie auf dem Frankfurter Flughafen von deutschen Behörden gestoppt.

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          Die beiden Schwestern erzählten ihrem Vater, sie seien krank und würden sich zum Zeitvertreib auf den Weg in die Bibliothek machen. Eine Freundin der beiden ließ ihre Eltern glauben, sie sei zur Schule gegangen. Doch wenige Stunden, nachdem die drei 15, 16 und 17 Jahre alten Mädchen am vergangenen Freitagmorgen ihre Elternhäuser im Landkreis Arapahoe am Rande Denvers verlassen hatten, saßen sie im Flugzeug gen Nahost – mutmaßlich, um sich dort Kämpfern des „Islamischen Staats“ anzuschließen.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Deutsche Beamte der Bundespolizei griffen die Mädchen schließlich in Frankfurt auf, wo sie nach Angaben eines Polizeisprechers umsteigen wollten. Der Weiterflug sollte offenbar in die Türkei gehen, wie eines der Mädchen nach Angaben des amerikanischen Rundfunksenders Voice of America mitteilte. Den Behörden gegenüber soll das Mädchen angegeben haben, in der Türkei studieren zu wollen. Die Türkei gilt als eines der wesentlichen Transitländer für ausländische Dschihadis, die in Syrien und dem Irak kämpfen wollen.

          Die Familie eines der Mädchen hatte bemerkt, dass neben dem Reisepass der Tochter auch zweitausend Dollar Bargeld fehlten, berichtet die Zeitung „Denver Post“. Beide Familien verständigten am Freitagabend die örtliche Polizei, nachdem die Schule ihre Abwesenheit meldete und die Eltern ihre Töchter auf dem Handy nicht erreichen konnten, wie der vom Sheriff-Büro des Landkreises veröffentlichte Polizeibericht besagt. Die deutschen Behörden nahmen die Mädchen schließlich auf Bitten des amerikanischen Generalkonsulats auf dem Frankfurter Flughafen fest. Sie hätten keinen Widerstand geleistet, heißt es in Frankfurt.

          Am Sonntag seien sie nach einem Tag in Gewahrsam der Bundespolizei freiwillig zurück in die Vereinigten Staaten gereist, wo sie von Angehörigen der amerikanischen Bundespolizei FBI in Empfang genommen wurden, heißt es. Wie eine FBI-Sprecherin mitteilte, seien sie hernach zurück zu ihren Eltern nach Denver gebracht worden. Das FBI untersuche ihre Computer, um eine mögliche Radikalisierung über das Internet nachverfolgen zu können.

          Ungenannte Behördenvertreter wurden im Sender CNN mit der Aussage zitiert, die Mädchen hätten sich IS-Kämpfern in Syrien und dem Irak anschließen wollen. Über mögliche direkte Kontakte ins syrisch-irakische Kampfgebiet aber wurde zunächst nichts bekannt. Bei den Mädchen handelt es sich um zwei Töchter somalischer Eltern sowie um ein Mädchen mit sudanesischen Wurzeln. Alle haben offenbar die amerikanische Staatsangehörigkeit.

          Dem Polizeibericht zufolge sagte eine der Schwestern, der Flug in die Türkei habe familiäre Gründe gehabt. Offen blieb zunächst, ob ein Verfahren gegen die Mädchen eingeleitet wird. Im amerikanischen Bundesstaat Colorado leben viele frühere Flüchtlinge aus Somalia, die oftmals Arbeit in der Fleisch verarbeitenden Industrie gefunden haben.

          Flug mit der deutschen Lufthansa?

          Noch unklar ist, wie es den minderjährigen Mädchen möglich war, einen Interkontinentalflug zu buchen. Dass die drei Mädchen mit der deutschen Lufthansa flogen, wollte die Fluggesellschaft weder bestätigen noch dementieren. Nach Angaben eines Mitgliedes der somalischen Familie in Denver hätten sich die Mädchen die Flugtickets wahrscheinlich selbst besorgt.

          Bei internationalen Flügen müssen Kinder bis zwölf Jahren in der Regel begleitet werden, darüber nicht. Bei Passkontrollen etwa in Deutschland müssen Minderjährige mit gültigem Reisepass nicht in Begleitung Erwachsener oder eines Begleitschreibens erscheinen, bei Reisen in die Vereinigten Staaten etwa gilt dies umgekehrt aber offenbar nicht.

          „Jeder auf der Welt kann mehr tun“

          Im April hatte eine 19 Jahre alte Frau versucht, über den Internationalen Flughafen in Denver die gleiche Route in die Türkei zu nehmen. Vor Gericht bekannte sie sich schuldig, den „Islamischen Staat“ unterstützt zu haben. Über das Internet habe sie einen für den „Islamischen Staat“ kämpfenden Tunesier kennengelernt, den sie heiraten wollte.

          Wie ernst die Amerikaner nun den Fall der drei Mädchen nehmen, zeigte der amerikanische Außenminister John Kerry am Mittwoch in Berlin. Er dankte Deutschland für die Zusammenarbeit. Man kläre derzeit Ursachen und Konsequenzen. „Jeder auf der Welt kann mehr tun, um den Einsatz ausländischer Kämpfer dort zu verhindern“, sagte Kerry nach einem Treffen mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin.

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