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Trump bei der „New York Times“ : „Ich wurde sehr unfair behandelt“

  • Aktualisiert am

Trump zu Gast bei der „New York Times“ Bild: Reuters

Nach langem Hick Hack trifft sich Donald Trump doch noch mit den Journalisten der „New York Times“. Dort wiederholt er seine Medienschelte und distanziert sich von der „Alt-Right“-Bewegung.

          Es sind turbulente Tage in New York – und historische für die amerikanischen Medien: Der künftige Präsident Donald Trump hatte am Montag mehrere Medienvertreter zu Besuch im Trump Tower. Diese soll er nach übereinstimmenden Berichten beschimpft und der Lüge bezichtigt haben. Vor rund 30 bis 40 Moderatoren, Verlegern und Journalisten des Landes sagte er Sätze wie: „Wir sind in einem Raum voll mit Lügnern, mit betrügerischen, unehrlichen Medien, die alles falsch dargestellt haben“.

          Großes Hickhack gab es auch um ein Treffen zwischen dem künftigen Präsidenten und Vertretern der liberalen Zeitung „New York Times“, die im Wahlkampf diverse Enthüllungsgeschichten unter anderem über die Steuer- und Geschäftspraktiken des Immobilienmilliardärs veröffentlicht hatte. Das Treffen wurde wegen eines Streits um den Ablauf erst abgesagt. Später verkündete Trump per Twitter, dass es doch stattfindet. Auch gab es offenbar Meinungsverschiedenheiten darüber, ob das Treffen als Hintergrundgespräch angesetzt werde – wie Donald Trump es am liebsten gehabt hätte. Die Zeitungsredakteure lehnten ein reines „off-the-record“-Gespräch jedoch ab, um nicht die Kontrolle über die Außenwirkung an Trump zu verlieren.

          In einer Gesprächsrunde mit Journalisten der Zeitung wiederholte Trump seine Medienschelte, war im Ton aber verbindlicher. „Ich lese sie. Leider. Ich würde zwanzig Jahre länger leben, wenn ich es nicht tun würde“, sagte Trump über die „New York Times“. Die Berichterstattung über ihn im Wahlkampf hat er als „grob“ bezeichnet: „Ich wurde sehr unfair behandelt“.

          Mit Blick auf den Herausgeber der Zeitung, Arthur Sulzberger, sagte Trump: „Wenn Sie etwas sehen oder das Gefühl haben, dass ich falsch liege, würde ich es sehr gerne hören. Sie können mich anrufen. Arthur kann mich anrufen.“

          Der gewählte Präsident gab entgegen der Gepflogenheiten bislang keine Pressekonferenz, sondern nur gelegentliche Interviews. Mit der Öffentlichkeit kommuniziert Trump großteils über den Kurzbotschaftendienst Twitter. Seine Pläne für die Zeit unmittelbar nach seiner Regierungsübernahme am 20. Januar verkündete er am Montag in einer Videobotschaft. Die bisherige Praxis des künftigen Präsidenten hat Sorgen innerhalb der Medien wachsen lassen, dass ihnen die Trump-Regierung den Zugang zu Informationen schwer machen könnte.

          Distanz zu Rechtsextremen

          Im Gespräch mit der „New York Times“ distanzierte er sich zudem von der rechtsextremen Alt-Right-Bewegung, die seinen Wahlsieg mit Nazi-Sprüchen und dem Hitlergruß gefeiert hat. „Ich möchte dieser Gruppe keinen Auftrieb geben, und ich erkenne sie nicht an“, sagte er.

          Zuvor hatte die Zeitung Trump in einem Kommentar aufgefordert, die „giftige Propaganda“ der Alt-Right-Bewegung, die er in seinem Wahlkampf selbst „aus dem Schatten geholt“ habe, „eindeutig zu verurteilen“.

          Trump sei im Kurznachrichtendienst Twitter „verstummt“, nachdem rund 200 „weiße Nationalisten“ am Samstag in Washington eine „sehr öffentliche Coming-Out-Party voll von rassistischem und antisemitischem Schmutz“ gefeiert hätten, schrieb die „New York Times“.

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