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Republikanische TV-Debatte : Die Trump-Show

  • -Aktualisiert am

Trump sagt, was ihm gerade durch den Kopf geht

Trump hingegen verkauft sich stets als Manager und damit als Außenseiter im Politikgeschäft – und vor allem  als „echte Person“. Das tut er im Wesentlichen dadurch, dass er sagt, was ihm gerade durch den Kopf geht – so scheint es zumindest –, aber auch indem er Fehler macht und lieber über- als untertreibt. Ein paarmal im Verlauf der Debatte hatte man den Eindruck, dass er gar nicht mehr weiß, worum es eigentlich inhaltlich geht. Über Detailfragen kann man mit ihm überhaupt nicht sprechen.

Doch dann hatte er in der Debatte tatsächlich auch den einen Moment, an dem alle entweder die Luft anhielten oder lauthals lachten. Es ging um seine Wahlkampfspenden: eigentlich wollten die Fragesteller ihm einen Strick daraus drehen, dass er einst viel für die Demokraten und Hillary Clinton gespendet hatte, doch jetzt auf einmal für die Republikaner antritt. Trump drehte das um und erklärte einfach mal so, geradeheraus, wie das funktioniert in Amerika: Man spendet – egal wem – und wenn man zwei, drei Jahre später anruft bei den Abgeordneten, dann sind sie für einen da, und tun, was man will. Auf die Nachfrage, was Hillary Clinton denn für ihn getan habe, sagte er: „Ich habe zu Hillary Clinton gesagt: Komm zu meiner Hochzeit. Und sie kam zu meiner Hochzeit.“ Das klingt einerseits albern – und andererseits erschreckend. Kann das wirklich wahr sein? Zu gern hätte man an dieser Stelle Clintons Version der Geschichte gehört.

Zehn von insgesamt siebzehn republikanischen Präsidentschaftsanwärtern nahmen an der Debatte am Donnerstagabend teil.

Es ist genau dieser Moment, der zeigt, wo die Faszination für diesen Mann herkommt. Ein wenig erinnert sein Stil an die Art des einstigen griechischen Finanzministers Giannis Varoufakis. Trump ist für das Präsidentenamt keinesfalls geeignet, er ist dafür zu irre, aber er kennt auch keine Schamgrenzen. Wenn es ihm nützt, wird er alles erzählen. Und alle fragen sich: Was wird er wohl als nächstes verraten?

Sein klarer Gegenkandidat war an diesem Abend Jeb Bush, der Bruder und Sohn von einstigen Präsidenten – und der Kandidat mit den größten Wahlkampfspenden. Er präsentierte sich betont ruhig gegen den wilden Trump und machte sogar ein paar inhaltliche Punkte, die einigen Wählern der Demokraten gefallen dürften. So erklärte er, dass die Regierung für einheitliche Erziehungsstandards in Schulen zu sorgen habe.

Auffällig war auch der einzige afroamerikanische Kandidat im Rennen, der frühere Neurochirurg Ben Carson, der die Rassenprobleme in Amerika mit dem Satz abtat: „Ach, die Leute versuchen aus allem einen Rassenkrieg zu machen.“ Dann erklärte der Neurochirurg, dass unter seinem Skalpell alle gleich seien. Auch Marco Rubio, der Senator aus Florida, gelangen einige Aussagen, die in Erinnerungen bleiben. So antwortete er auf die Frage einer Zuschauerin, ob irgendeiner der Kandidaten ein Wort von Gott gehört hätte, versöhnend:  „Gott hat die republikanische Partei mit einigen guten Kandidaten gesegnet.“ Das restliche Feld blieb eher grau, Trump konnte davor also besonders schillern.

Am Ende der Debatte entsteht allerdings – trotz der Trump-Show – der Eindruck: Jeb Bush wird der Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr sein. Ganz sicher ist man allerdings nicht.

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