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TV-Debatte : Trump wettert gegen die „dummen Politiker“

  • Aktualisiert am

Er teilt aus: Donald Trump zwischen den Mitbewerbern Scott Walker (l.) und Jeb Bush. Bild: AFP

Donald Trump hat die erste große Debatte der republikanischen Präsidentschaftsanwärter dominiert. Er forderte den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Aus dem Publikum kamen lautstarke Reaktionen.

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          In der ersten großen TV-Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber hat sich der in Umfragen führende Geschäftsmann Donald Trump einen hitzigen Schlagabtausch mit seinen Konkurrenten geliefert. Der Immobilientycoon wetterte in der Nacht auf Freitag in Cleveland gegen die „dummen“ politischen Eliten und forderte den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Eine Kandidatur als parteiloser Kandidat bei der Präsidentschaftswahl schloss er nicht aus.

          „Ich möchte als republikanischer Kandidat antreten“, sagte Trump. Auf die Frage der Moderatoren, ob er bei einer Niederlage im Vorwahlkampf auf einen Alleingang verzichten werde, antwortete er: „Ich werde zum gegenwärtigen Zeitpunkt dieses Versprechen nicht geben.“ Der Milliardär sorgt seit der Verkündung seiner Bewerbung Mitte Juni für Wirbel im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Der durch eine Reality-Fernsehsendung bekannte Geschäftsmann schlachtet vor allem das Thema illegale Einwanderung populistisch aus.

          Bush beklagt „spaltende Sprache“

          „Wir müssen eine Mauer bauen. Und sie muss schnell gebaut werden“, sagte Trump. Die „dummen Spitzenpolitiker in den Vereinigten Staaten“ würden nichts gegen illegale Einwanderung unternehmen. Im Publikum stießen die Äußerungen des Milliardärs auf geteilte Reaktionen: Neben Applaus waren auch laute Buhrufe zu hören. Der frühere Gouverneur von Florida, Jeb Bush, warf Trump eine „spaltende Sprache“ vor.

          Kritische Fragen der Moderatoren ließ Trump von sich abprallen: „Ich glaube, das große Problem, das dieses Land hat, ist die politische Korrektheit“, sagte der polarisierende Kandidat in Bezug auf frühere Äußerungen, die als frauenfeindlich kritisiert wurden. „Ich sage, was ich sage.“ Auch auf den Vorwurf seines Kontrahenten Rand Paul, er habe als Unternehmer mit Spenden versucht, Einfluss auf Politiker zu gewinnen, reagierte Trump gelassen: Das stimme, er habe sogar schon vielen, die hier auf der Bühne stehen, Geld gegeben. Auch Hillary Clinton habe Spenden von ihm erhalten - deshalb sei die auch zu seiner Hochzeit erschienen. Die Favoritin auf Seiten der Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur reagierte auf Twitter: Angesichts der Debatte vermisse sie Jon Stewart, den Satiriker, der am gleichen Abend zum letzten Mal die „Daily Show“ moderierte, schon jetzt.

          Der Gouverneur von Ohio, John Kasich, ging auf Trump zu und sagte, dass dieser mit der Einwanderungsdebatte einen „Nerv“ getroffen habe. „Die Leute sind frustriert. Sie haben es satt“, sagte Kasich und fügte mit Blick auf Trump hinzu: „Er hat seine Lösungen, einige von uns haben andere Lösungen.“ Bush sprach sich dafür aus, Einwanderern ohne gültige Papiere einen Weg in die Legalität zu ermöglichen. Wisconsins Gouverneur Scott Walker machte dagegen deutlich, dass es mit ihm als Präsidenten keine „Amnestie“ geben werde.

          Bei der Debatte ging es auch um die Sanierung der Staatsfinanzen, den Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), das Atomabkommen mit dem Iran sowie Streitfragen wie Abtreibung, landesweite Schulstandards und die Homoehe. Die republikanischen Bewerber kritisierten außerdem die frühere Außenministerin Hillary Clinton, die als große Favoritin für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten gilt. „Jeder Teil der Welt, den Hillary Clinton angerührt hat, ist heute in größerer Unordnung“, sagte Walker.

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          Bush distanzierte sich von dem unter seinem Bruder angeordneten Einmarsch in den Irak. Rückblickend sei der Krieg ein „Fehler“ gewesen, sagte der Bruder von Ex-Präsident George W. Bush und Sohn von Ex-Präsident George H.W. Bush. „Ich wäre nicht reingegangen.“ Zugleich warf er Präsident Barack Obama vor, den Irak mit dem Abzug der amerikanischen Armee im Stich gelassen und damit den Aufstieg der IS-Miliz begünstigt zu haben.

          Die erste große Fernsehdebatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber war vom Nachrichtensender Fox News organisiert worden. Angesichts des Bewerberfeldes aus 17 Kandidaten entschied sich der Sender für zwei getrennte Debatten: Zur besten Sendezeit durften sich die zehn Bewerber messen, die laut einem Bündel von Umfragen zuletzt am besten abschnitten. Neben Trump, Bush, Kasich und Walker nahmen auch der frühere Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, der pensionierte Neurochirurg Ben Carson, die Senatoren Ted Cruz, Marco Rubio und Rand Paul sowie der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, teil. Sieben weitere Bewerber kamen nur bei einer weniger prominenten Veranstaltung am Nachmittag zum Zug.

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