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Trump feiert Castros Tod : Droht neue Eiszeit zwischen Amerika und Kuba?

  • -Aktualisiert am

Selten waren die Beziehungen zwischen Kuba und Amerika so harmonisch. Raul Castro mit Barack Obama bei einem Baseballspiel im März 2016 Bild: AP

Raúl Castro könnte das sozialistische Kuba nach dem Tod seiner Bruders Fidel leichter reformieren – was aber plant der künftige amerikanische Präsident Donald Trump?

          Im April hat Raúl Castro eine vieldeutige Anekdote erzählt. Ein Politiker aus den Vereinigten Staaten habe ihn wegen der angeblichen Verletzung politischer Rechte ermahnt, spöttelte der Staats- und Parteichef auf dem Kommunisten-Kongress, weil es in Kuba nur eine Partei gebe. „Na und?“, habe er geantwortet, berichtete Castro und brachte die Delegierten zum Kichern. „Ihr habt doch auch nur eine Partei.“ Nun habe der Gast ihn belehren wollen: Nein, in Washington gebe es Demokraten und Republikaner.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Castro will erwidert haben: „Das wäre so, als hätten wir zwei Parteien in Kuba. Fidel führt die eine, ich die andere. Bestimmt wird Fidel sagen: ,Ich will die Kommunistische Partei führen.‘ Gut so, ich leite die andere, wie sie auch heißen mag.“ Bis heute wird in Havanna an der launigen Geschichte herumgedeutet. Hatte Raúl Castro nur Washington seine Herablassung zeigen wollen? Immerhin hatte er Wochen zuvor beim Besuch von Barack Obama keine gute Figur gemacht – vor allem als der Amerikaner ihn in eine improvisierte Pressekonferenz nötigte und ein CNN-Reporter Castro auf die politischen Häftlinge in Kubas Kerkern ansprach. Oder war Raúls Story doch als Spitze gegen seinen Bruder gedacht?

          Dogmatiker werden sich nun zurückhalten

          Schließlich hintertrieb der kranke Fidel mit seinen sporadischen Auftritten und Artikeln nicht nur die Annäherungspolitik an Amerika, sondern mäkelte auch immer wieder an den Reformen herum, mit denen sein jüngerer Bruder und Amtsnachfolger Kuba vor dem Kollaps bewahren will. Hatte der Präsident gar Fidels Anhängern bedeuten wollen, dass namenloser Pragmatismus wichtiger sei als Kommunismus pur? „Das war damals weniger ein Witz als eine Beschreibung der Wirklichkeit“, sagte der frühere kubanische Diplomat Carlos Alzugaray der F.A.Z. nach dem Tod von Fidel Castro. Zwar habe Raúl in seinen zehn Jahren an der Staatsspitze dessen engste Vertraute von ihren Posten entfernt.

          Der als „Kronprinz“ geltende Carlos Lage etwa, einst stellvertretender Staatsratsvorsitzender, wurde aus der Politik verbannt und praktiziert längst wieder als Kinderarzt. Doch an der Basis habe sich jeder Gegner besserer Beziehungen zum „Imperium“ vom älteren Castro ermutigt fühlen können. „Und jedermann weiß“, so Alzugaray, „dass Fidel nichts von Raúls Plan hielt, kleine und mittlere Unternehmen zuzulassen.“ Die Dogmatiker dürften sich nun zurückhalten. Alzugaray erwartet nach dem Eintritt eines lang angekündigten Todes aber keinen Reformschock. „Eher dürften wir eine Beschleunigung der Prozesse erleben, die Raúl längst in Gang gesetzt hat.“

          Von der Strahlkraft des Bruders profitieren

          Alzugaray war in den neunziger Jahren Kubas Botschafter am Sitz der EU. Heute firmiert er als Berater. Er ist mit führenden Köpfen des Regimes bekannt und weiß zugleich, wie das Ausland auf Kuba schaut. Er führt das schleppende Reformtempo der zurückliegenden Dekade nicht auf eine Angst Raúl Castros vor seinem großen Bruder zurück. Eher habe der mit 85 Jahren jüngere Castro bis zuletzt aus Respekt Rücksicht auf Fidel genommen. „Wenn du dein Haus umbauen möchtest, aber unter deinem Dach liegt ein sehr wichtiges, älteres Familienmitglied im Sterben, dann möchtest du ihm kein weiteres Leid zufügen, indem du Dinge gegen seinen Willen änderst“, erklärt Alzugaray. „Sondern du wartest mit dem Umbau, bis er tot ist.“

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