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Die Waffe des Täters : Beliebt und tödlich

Sehr beliebt: Ein AR-15-Gewehr bei einer Waffenmesse in Florida im Jahr 2013 Bild: AFP

Das Gewehr AR-15 ist unter der Bezeichnung M-16 weltweit bekannt als Standardsturmgewehr der amerikanischen Armee. Doch es ist immer wieder die tödliche Waffe für Massenmorde. Auch der Täter von Orlando erschoss damit viele Menschen.

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          Das M-16 ist neben dem russischen AK-47 wahrscheinlich das bekannteste Gewehr der Welt. Es ist das Standardsturmgewehr der amerikanischen Armee und auch in vielen anderen Ländern im Einsatz. Entwickelt wurde es in in fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als AR-15 und unter dieser Bezeichnung ist es auch heute noch auf dem zivilen Markt als halbautomatische Waffe erhältlich. Besonders in Amerika erfreut es sich großer Beliebtheit, da es größtenteils aus leichten Materialien wie Kunststoff oder Aluminium hergestellt wird und trotzdem robust ist. Es war so erfolgreich, dass es mittlerweile von vielen Herstellern in vielen verschiedenen Varianten produziert wird.

          Oliver Kühn
          Redakteur in der Politik.

          Außerdem taucht es immer wieder auf, wenn von Massakern mit Handfeuerwaffen berichtet wird. So nutzten die Attentäter von San Bernadino, wo im Dezember 2015 14 Menschen getötet wurden, eine Version des AR-15 und auch Adam Lanza, der im Dezember 2012 an der Sandy-Hook-Schule 26 Menschen tötete, hatte ein halbautomatisches Gewehr, das auf dem AR-15 beruhte. Diese traurige Berühmtheit setzt sich nun in Orlando fort. Wie die Polizei berichtete, hatte der Schütze Omar Mateen ein „Gewehr aus der AR-15-Gruppe“.

          Die zivile Variante ist halbautomatisch, das heißt, jedes Mal, wenn ein Projektil den Lauf verlassen soll, muss der Schütze den Abzug betätigen. Ein geübter Schütze kann ein Magazin mit 30 Patronen in rund fünf Sekunden leer schießen, was einer rechnerischen Schussfolge von 360 Schuss in der Minute entspricht. Der Schütze in Orlando war drei Stunden in dem Club. Außerdem hatte er nach Polizeiangaben noch eine halbautomatische Pistole bei sich.

          Beide Waffen hat Mateen, der zeitweise im Visier des FBI stand, dann aber für ungefährlich erklärt wurde, rechtmäßig erworben, da sie in Amerika legal verkauft und besessen werden dürfen. Nach mehreren großen Schießereien wurden in einigen Bundesstaaten nur die Hintergrundüberprüfungen der Käufer intensiviert. Diese sollen verhindern, dass Personen, die vorbestraft sind, oder von denen bekannt ist, dass sie psychische Probleme haben, Waffen erwerben.

          Wie die „New York Times“ berichtet, hat dieses System in vielen Fällen allerdings versagt. So konnten einige spätere Massenmörder ihre Waffen kaufen, obwohl sie eigentlich wegen solcher Einträge nicht dazu befugt waren. Doch selbst unter solchen Umständen ist es in den meisten Staaten relativ einfach eine Schusswaffe zu kaufen, wenn man es auf einer Waffenmesse tut, denn dann gibt es keine Hintergrundüberprüfung und auch die Vorlage eines Identitätsnachweises ist in den meisten Bundesstaaten nicht erforderlich.

          Schauspieler Dwayne Johnson (44): „Es ist lange überfällig, aber die Zeit ist reif, um zu handeln. Ich glaube an das Recht, Waffen zu tragen und seine Familien zu beschützen. Aber ich glaube auch an strengere Waffenkontrollen ... Als Folge dieser Terrorattacke werden wir vereint, beharrlicher und gestärkt zurückkommen. Zusammen. Sie können nicht etwas kaputtmachen, was sie nicht aufgebaut haben.“ Bilderstrecke
          Prominente zu Orlando : „Sie können nicht zerstören, was sie nicht erbaut haben“

          Islamistische Terrorgruppen haben davon durchaus Notiz genommen. Der Amerikaner Adam Gadahn, ein Al-Qaida-Sprecher, hat der „Washington Post“ zufolge schon 2011 in einem Video die amerikanischen Anhänger der Gruppe dazu aufgefordert, von den laxen Waffengesetzen Gebrauch zu machen und sich mit Schusswaffen auszurüsten. Mateen soll sich angeblich zwar nicht zu Al Qaida bekannt haben, aber wohl zur Terrormiliz „Islamischer Staat“.

          Ungeachtet der Hintergründe der Tat geht nun in Amerika die Diskussion über schärfere Waffengesetze wieder los. Die demokratischen Präsidentschaftsbewerber Hillary Clinton und Bernie Sanders haben schon ein Verbot solcher Waffen gefordert, auch der Komiker Seth MacFarlane und die Schauspielerin Lena Dunham haben sich in diesem Sinne geäußert. Der republikanische Bewerber Donald Trump nutzt hingegen die Gelegenheit dazu, die Gefahr des islamistischen Terrors zu betonen.

          Bild: F.A.Z.

          Wie schwierig ein solches Vorhaben ist, ist seit Jahren bekannt. In Amerika, dessen Bürger fast die Hälfte der weltweit Zivilisten gehörenden Schusswaffen besitzen, hat die Waffenlobby einen starken Stand. Selbst eine Gesetzesinitiative von Vize-Präsident Joe Biden fand keine Mehrheit im amerikanischen Kongress. Wahrscheinlich wird das aber der Beliebtheit des AR-15 nicht abträglich sein. Statistiken haben immer dann einen erhöhten Absatz der Waffen gezeigt, wenn darüber diskutiert wurde, sie zu verbieten.

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