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Die Deutschen und Obama : Der gefallene Held

Barack Obama während seiner Rede am Donnerstag in Washington Bild: Reuters

Die Leidenschaft der Deutschen für Barack Obama ist erkaltet - nicht erst seit der NSA-Affäre. Doch im Kampf gegen den Terrorismus wie jetzt im Irak braucht er jeden Verbündeten.

          Was ein Teil der deutschen Bevölkerung von den Vereinigten Staaten hält, hat man im Zuge der Ukraine-Krise deutlich erfahren können: nichts. Während über dem aggressiven und heuchlerischen Verhalten Russlands viele den Mantel des Verstehens und der Beschwichtigung ausbreiten, wird Amerika (und der EU) die Schuld an der Eskalation gegeben nach dem Motto: Der arme Putin konnten gar nicht anders.

          Keine Frage: Verdruss über Amerika und Antiamerikanismus sind en vogue. Jüngste Meinungsumfragen zeigen, wie viele Deutsche sich mittlerweile von ihrem Idol Barack Obama abgewendet haben, den sie einst zum Heiland aus Chicago verklärt hatten und jetzt nur noch als amerikanischen Präsidenten erleben. Als was denn sonst? Und immer mehr wollen auch von einer engen Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten nicht mehr wissen – aus gerechnet in einer Zeit, in der diese Zusammenarbeit so notwendig wie schon lange nicht mehr ist.

          Der transnationale Terrorismus ist nur ein Thema dieser Zusammenarbeit, die gegen den Wunsch nach einer größeren Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten einen immer schwereren Stand hat. Auf der anderen Seite ist die wachsende Skepsis gegenüber der amerikanischen Politik in jüngster Zeit auch keine Überraschung. Zwangsläufig musste die NSA-Affäre Spuren hinterlassen im Verhältnis zweier Länder, die sich bislang als Freunde verstanden haben und jetzt vielleicht froh sein können, wenn sie noch Partner sind.

          Die Vorbehaltlosigkeit deutsch-amerikanischer Zusammenarbeit ist dahin, jedenfalls aus Sicht der deutschen Öffentlichkeit, die zu Recht empört darüber ist, mit welche Nonchalance und Arroganz die amerikanische Regierung die NSA-Affäre zunächst behandelte. Fast konnte man meinen, ihr sei der Schaden für das bilaterale Verhältnis gleichgültig. Wie groß dieser Schaden ist, kann man an der deutschen Debatte über ein transatlantisches Freihandelsabkommen sehen. Die Befürworter sind in der Defensive, während selbst jedes unseriöse Argument der Gegner lauten Beifall findet, auf der Linken wie auf der Rechten. Vor der Landtagswahl in Brandenburg gibt sich die dortige AfD, die um Stimmen der Linkspartei-Wähler buhlt, als tapfere Verteidigerin deutscher Standards gegen angebliche amerikanische Kontamination.

          Das antiwestliche Ressentiment tritt unverhüllt zutage. Stimmungen schwanken, Meinungsumfragen sind Momentaufnahmen. Und doch ist es bedenklich, wenn ein wesentlicher Teil der Bevölkerung des größten EU-Landes den Vereinigten Staaten nicht mehr vertraut, und wenn Präsident Obama den Eindruck erweckt, ihm sei das relativ egal. Was eine ziemlich dumme Haltung wäre. Im Kampf gegen den Terrorismus zum Beispiel kommt es auf jeden guten Verbündeten an. Obama hat es soeben noch einmal erwähnt. Aber mit Freunden hat er es bislang nicht so gehabt. Das sollte sich bald ändern.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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