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Detroit : Pleite und quicklebendig

  • -Aktualisiert am

Viel Freiraum: Fast 80.000 leerstehende Gebäude gibt es in Detroit Bild: dpa

Es ist die größte Städtepleite in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Detroit hat Insolvenz angemeldet. Doch Unternehmer sagen der Stadt trotzdem eine goldene Zukunft voraus.

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          Detroit hat am Donnerstag zwar Insolvenz angemeldet, aber das Ende der einstigen Metropole der amerikanischen Autoindustrie bedeutet das noch lange nicht. Die Stadt am Lake St. Clair schrumpft zwar, aber sie stirbt nicht. Wie lebendig gerade die Innenstadt von Detroit seit einigen Jahren wieder ist, kann man beispielsweise an zwei Bürohochhäusern an der Woodward Avenue sehen. Das „Compuware Building“ mit seiner imposanten Granit- und Glasfassade beheimatet die Konzernzentralen des gleichnamige Industriesoftware-Herstellers und des Hypothekenfinanzierers Quicken Loans.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Vor gut zwei Jahren erwarb Quicken Loans auch das gegenüberliegende Bürogebäude. Derzeit arbeiten 8000 Angestellte des Unternehmens in den beiden Gebäuden am Campus Martius Park. Und es dürften bald noch mehr werden, denn der Hypothekenfinanzierer hat im vergangenen Jahr ein Wachstum beim Volumen der vermittelten Darlehen für Häuslebauer und Wohnungskäufer von satten 133 Prozent erwirtschaftet. Auch in diesem Jahr verspricht das Unternehmen kräftig zu wachsen.

          Zustimmung und Zuversicht

          Gründer und Chef von Quicken Loans ist Dan Gilbert, ein 51 Jahre alter Unternehmer mit einem offenbar unerschöpflichen Vorrat an Energie und Zuversicht. 1985 gründete Gilbert gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Gary und zwei Freunden den kleinen Baufinanzierer Rock Financial Mortgage. Gilbert erkannte bald das Potential des Internets auch für die Baufinanzierung. 1998 brachte er sein Unternehmen an die Börse. Das Platzen der Immobilienblase und die Krise am Finanzmarkt von 2008 überstand Quicken Loans gut, allenfalls mit einigen Blessuren. Heute ist Gilberts Unternehmen der drittgrößte Baufinanzierer in Amerika überhaupt und der mit Abstand größte Anbieter von Hypothekendarlehen, der seine Produkte ausschließlich über das Internet vermarktet.

          Die Nachricht vom Antrag auf ein Insolvenzverfahren mit Gläubigerschutz vom Donnerstag - die bisher größte Pleite einer städtischen Metropole - nahmen Gilbert und andere Unternehmer in Detroit mit Zustimmung und Zuversicht auf. Die geordnete Pleite sei „ein erster Schritt in eine bessere und hellere Zukunft für unsere Stadt“, sagte Gilbert, wenngleich er zugestand, dass das Verfahren für viele Bürger, Unternehmen und Behörden schmerzlich verlaufen werde. Zugleich erinnerte Gilbert daran, dass sich der Schuldenberg der Stadt in Höhe von mehr als 19 Milliarden Dollar seit Jahrzehnten angehäuft habe: „Wir haben ganz einfach keine andere Wahl“, als Insolvenz anzumelden, sagte Gilbert am Donnerstag.

          Bilderstrecke

          Doch wie bei den Insolvenzverfahren für die Autohersteller General Motors (GM) und Chrysler von 2009, die viele als den Anfang vom Ende der amerikanischen Autoindustrie betrachtet hätten, seien auch die Untergangsprophezeiungen für Detroit grundfalsch. So wie es GM und Chrysler heute wieder gut gehe, weil sie ihr Geschäftsmodell geändert hätten, so werde „auch Detroit wieder blühen, und zwar früher, als viele glauben“, sagte der Unternehmer. Die besten Tage stünden Detroit noch bevor. Wäre er davon nicht überzeugt, hätte er in den letzten drei Jahren nicht mehr als 30 Gebäude in der Innenstadt gekauft und würde in Detroit heute nicht rund 9200 Angestellten Lohn und Brot geben, sagte er.

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