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Amerikanischer Wahlkampf : Das Geheimnis des Trumpismus

  • -Aktualisiert am

Erfolgskonzept Trumpismus

Der Enkel des deutschen Auswanderers Fritz Drump aus dem pfälzischen Weindorf Kallstadt erbte von seinem Vater ein Immobilienimperium, das schon damals mehrere hundert Millionen Dollar wert war. Mit rabiaten Methoden und großspurigem Auftreten baute Trump das Reich schnell aus, von Niederlagen und Rückschlägen unbeeindruckt.

Heute ist Trump steinreich und rotzfrech, und er hat ein Ego so groß wie die Wolkenkratzer, die er nach sich selbst benannte - genauso wie die Trump Männermode, das Trump Golf Resort, die Trump Hotels, den Trump Jet und die Trump University. Mehr Ego geht nicht. Als es ihm das letzte Mal langweilig wurde, kaufte er sich einen Football-Club und einen Schönheitswettbewerb.

Zur Berühmtheit wurde Trump aber erst, als er im Fernsehen sich selbst spielte, den berserkerhaften Manager und Großkotz, der Leute herumkommandiert und sich die Zeit mit dicken Zigarren und knackigen Weibern vertreibt. In der Casting-Show „The Apprentice“ warf er Woche für Woche einen Bewerber raus, indem er ihn anschrie: „You are fired!“ Schon damals hätte man sich wundern können, dass diese Rolle beim Publikum gut ankam. Und schon damals lag eine psychologische Erklärung nahe: Für Menschen mit Bestrafungsphantasien sind die Auftritte eines brutalen Egomanen der reine Lustgewinn.

Im Grunde völlig unpolitisch

Seinen Reichtum zu teilen kam Trump übrigens nie in den Sinn. Kaum ein amerikanischer Milliardär hat so wenig gespendet wie er. Nur die Wahlkämpfe von Hillary Clinton und anderen Demokraten hat er großzügig finanziert. Und das erklärt er seinen republikanischen Wählern keinesfalls damit, dass er inzwischen seine Meinung geändert habe, er sagt vielmehr einfach die Wahrheit: „Ich habe das nicht aus Überzeugung gemacht. Ich habe mir von diesen Spenden geschäftliche Vorteile versprochen.“ Auch von solcher Kaltschnäuzigkeit geht eine unwiderstehliche Faszination aus.

Der Trumpismus wird nun manchmal als Ausdruck eines Rechtsrucks gewertet, einer schleichenden Radikalisierung der amerikanischen Konservativen. Doch vermutlich ist Trump das falsche Beispiel für eine im Übrigen richtige Beobachtung. Denn er ist im Grunde vollkommen unpolitisch. Die Partei und seine Ansichten hat er im Laufe des Lebens immer wieder gewechselt.

Sogar beim Thema Einwanderung, bei dem er nun am lautesten nach Mauern, Zäunen, Internierungslagern und Abschiebungen schreit, vertrat er bis vor kurzem noch völlig moderate Positionen - was wohl auch daran liegt, dass illegale Einwanderer zu den Leistungsträgern auf seinen Baustellen gehören. Nein, um Politik im ideellen und ideologischen Sinne geht es Trump nicht. Sein Wahlkampfprogramm hat nur drei Punkte: Me, Myself and I.

Trump als Prokjektionsfläche unterdrückter Phantasien

Dass das gut ankommt, sollte niemanden überraschen. Auch wenn sich die Eliten darüber echauffieren. Sie scheinen sich über ihre misslungene Erziehung zu wundern, weil sie dem Volk doch fortwährend Gemeinsinn und Solidarität predigen, weil doch jeder Vater, jede Mutter, jeder Lehrer, jeder Politiker unentwegt von Fairness und Hilfsbereitschaft und Chancengleichheit spricht.

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