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Amerikanischer Wahlkampf : Das Geheimnis des Trumpismus

  • -Aktualisiert am

Mit Sarah Palin, Großmäuligkeit und Kitsch

Nichts von alldem tut Donald Trump. Man könnte sagen: Er tut präzise das Gegenteil. Die Auftritte des fast 70-Jährigen sind schrill, seine Reden rabaukenhaft und ungeschliffen, seine Argumente sind so primitiv, dass sie selbst der Dümmste durchschaut. Sarah Palin, die er als Ministerin in sein Kabinett berufen will, ist im Vergleich zu ihm eine rhetorische Granate und ein intellektuelles Schwergewicht. Am laufenden Band sagt Trump haarsträubende Dinge, die auch in den Vereinigten Staaten, wo der Meinungsfreiheit keine engen Grenzen gesetzt sind, nicht mehr als gesellschaftsfähig gelten.

Vor dem Trump Jet: Donald Trump bei seinem Besuch der amerikanisch-mexikanischen Grenze im Juli.
Vor dem Trump Jet: Donald Trump bei seinem Besuch der amerikanisch-mexikanischen Grenze im Juli. : Bild: AFP

Mal will Trump eine „ganz große Mauer“ zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko bauen, damit die illegalen Einwanderer („Das sind Verbrecher und Vergewaltiger“) nicht mehr hineinkommen, dann verspricht er, im Handumdrehen zehn Millionen Arbeitsplätze zu schaffen. Dazwischen Klamauk und Angeberei, Großmäuligkeit und Kitsch: „Der amerikanische Traum ist tot. Aber ich werde ihn wieder zum Leben erwecken, und er wird größer und schöner und stärker sein als je zuvor.“

Trump prahlt mit seinem Reichtum und übertreibt dabei um ein paar Milliarden. Wenn er beim Lügen erwischt wird, lacht er und lügt gleich weiter. Er veröffentlicht die privaten Telefonnummern seiner ungeliebten Parteifreunde, die daraufhin einen neuen Telefonvertrag brauchen. Er bezweifelt, dass Barack Obama wirklich in Amerika zur Welt gekommen ist. Und er sagt über den Kriegsveteranen John McCain, der fünf Jahre in vietnamesischer Gefangenschaft verbracht hat und gefoltert worden ist, dass er im Grunde eher ein Versager als ein Held sei, denn schließlich sei er ja so blöd gewesen, sich mit seinem Flugzeug abschießen zu lassen.

Obama, McCain und Rick Perry vereint gegen Trump

Da ein Teil der Wähler die gebotene Empörung verweigert und sich stattdessen begeistert auf die Schenkel klopft, wenn Trump solche Ungeheuerlichkeiten vom Stapel lässt, sind die politischen und medialen Eliten ihrerseits nun umso erregter. „Der ist ja verrückt“, sagt John McCain. „Was der betreibt, ist reine Fremdenfeindlichkeit“, meint der konservative Vordenker David Brooks sichtlich schockiert. Und der republikanische Präsidentschaftskandidat Rick Perry nennt Trump ein „Krebsgeschwür, das man sorgfältig herausschneiden und entsorgen muss“.

Obama hatte dagegen durchaus verstanden, dass man Trump mit solchen Angriffen nur aufwertet, deshalb schwieg er. Doch als Vorwürfe laut wurden, den Präsidenten lasse die krude Volksverhetzung offenbar kalt, tat auch Obama Trump endlich den Gefallen und beschimpfte ihn. Innerhalb weniger Wochen hat Trump die Eliten des Landes auf sein Niveau hinuntergezogen und ihnen seinen Stil aufgedrängt: Keine Regeln. Keine Tabus. Immer auf die Fresse! Trump, so scheint es, fühlt sich in diesen Tagen pudelwohl.

Journalisten, Politiker, Talkshowgäste und Psychologen diskutieren nun unentwegt, was das Geheimnis dieses (vorübergehenden) Erfolges ist. Trumpismus nennt man das Phänomen. Dabei ist Trumps Erfolg gar nicht so schwer zu verstehen. Wer genau hinhört, merkt schnell, welches Zauberwort in seinen ungelenk vorgetragenen Reden am häufigsten vorkommt: „ICH bin echt reich!“ - „ICH brauche niemanden.“ - „ICH lasse mir von niemandem etwas sagen.“ - „ICH werde der beste Präsident sein, den Gott je geschaffen hat.“ Seine Wahlkampfreden lesen sich wie seine ganze Biographie: als Manifest des Egoismus und der Rücksichtslosigkeit.

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