https://www.faz.net/-gq5-7kzjc

Colorado : Auf den Skipisten bleibt Marihuana verboten

Schlange vor einem Geschäft in Pueblo West Bild: AP

Seit Neujahr ist in Colorado Marihuana so einfach zu bekommen wie Bier. Und schon steigen die Preise. Für Touristen gelten strengere Regeln – und der öffentliche Konsum bleibt verboten.

          3 Min.

          In den Vereinigten Staaten auf legalem Weg an Marihuana heranzukommen, ist schon seit einiger Zeit nicht mehr allzu schwer. Immer mehr Bundesstaaten haben in den vergangenen Jahren Marihuana als Therapiemittel bei Erkrankungen freigegeben, und dieses medizinische Kriterium ist im Laufe der Zeit zunehmend großzügig interpretiert worden. In manchen Bundesstaaten ist es ein Leichtes, die notwendige ärztliche Empfehlung für den Kauf des Stoffs zu bekommen. Was aber nun in Colorado seit dem Neujahrstag geschieht, bringt den Umgang mit der Droge in eine ganz neue Dimension: Zum ersten Mal dürfen die getrockneten Blüten und Blätter der Cannabispflanze in den Vereinigten Staaten frei verkauft werden – als pures Genussmittel und ganz ohne medizinische Auflagen. Marihuana ist jetzt genauso einfach zu haben wie Bier. Wer mindestens 21 Jahre alt ist, darf bis zu eine Unze (28 Gramm) des Stoffs einkaufen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Menschen in Colorado haben auf diesen Moment offenbar sehnlich gewartet. Zum Verkaufsbeginn am Mittwoch gab es lange Schlangen vor den mehr als zwei Dutzend Geschäften, in denen Marihuana bislang für jedermann abgegeben werden darf. Die große Nachfrage hat die Preise schon am ersten Verkaufstag rasant anschwellen lassen: Für eine Unze waren Medienberichten zufolge teils mehr als 500 Dollar fällig, mehr als das Doppelte dessen, was noch wenige Tage zuvor verlangt wurde, als es die Droge nur für medizinische Zwecke gab. Die Zahl der Läden, in denen Marihuana frei verkauft werden darf, könnte sich schnell deutlich erhöhen, denn der Bundesstaat hat mehrere hundert Lizenzen für den Betrieb solcher Geschäfte vergeben.

          Auch in der Tourismusindustrie herrscht jetzt Goldgräberstimmung. Es gibt Reiseunternehmen mit Namen wie „Colorado Highlife“ oder „Colorado Green Tours“, die sich auf Marihuana-Touren spezialisiert haben. Für Touristen, die nicht aus Colorado kommen, gelten allerdings strengere Auflagen: Sie dürfen höchstens eine Viertelunze kaufen, und sie dürfen die Droge nicht aus Colorado ausführen. Auf dem Flughafen in Colorados größter Stadt Denver wurden Schilder mit entsprechenden Warnungen aufgestellt.

          Steigende Steuereinnahmen bei weniger Ausgaben

          Die Lockerung der Marihuana-Restriktionen in Colorado wurde möglich durch einen Volksentscheid vor etwas mehr als einem Jahr. Schon damals wurde der Genusskonsum von Marihuana freigegeben, und es wurde erlaubt, bis zu sechs Cannabispflanzen zu Hause anzubauen. Der freie Verkauf wurde aber erst jetzt möglich. Obwohl sich beim damaligen Volksentscheid eine recht deutliche Mehrheit fand, gibt es auch viele prominente Gegner einer Legalisierung von Marihuana, darunter den Gouverneur von Colorado und den Bürgermeister von Denver.

          In der Silvesternacht konnten Partygänger in Colorado den freien Verkauf von Marihuana feiern

          Der Bundesstaat darf sich aber wohl auf zusätzliche Steuern aus dem Marihuana-Verkauf freuen und rechnet mit jährlichen Mehreinnahmen von 67 Millionen Dollar. Der gesamte Jahresumsatz der Marihuana-Industrie in Colorado wird auf 578 Millionen Dollar geschätzt. Für das ganze Land erwartet der Branchenverband „National Cannabis Industry Association“ in diesem Jahr einen Umsatz von 2,3 Milliarden Dollar.

          Der Weg von Marihuana aus der kriminellen Schmuddelecke begann in den Vereinigten Staaten im Jahr 1996, als Kalifornien in einem Volksentscheid den medizinischen Einsatz erlaubte. Mittlerweile ist die Droge für medizinische Zwecke in rund zwanzig Bundesstaaten freigegeben. Colorado wird nicht lange der einzige Staat mit freiem Zugang zu Marihuana bleiben. Auch der Bundesstaat Washington hat dies per Volksentscheid beschlossen, der Verkaufsbeginn wird im Laufe des Jahres erwartet. In Kalifornien könnte es in diesem Jahr zu einem Volksentscheid kommen. Die kalifornische Generalstaatsanwaltschaft schätzte kürzlich, dass das Legalisieren von Marihuana jährliche Steuereinnahmen im dreistelligen Millionenbereich bringen könnte. Obendrein könnte noch einmal ein dreistelliger Millionenbetrag gespart werden, der bislang von den Behörden für die Strafverfolgung von Marihuana-Delikten ausgegeben wird.

          Auf Bundesebene ist Marihuana noch immer eine verbotene Substanz. Das Justizministerium hat aber im vergangenen Jahr mitgeteilt, einer Legalisierung in einzelnen Bundesstaaten nicht im Wege zu stehen, sofern diese bestimmte Bedingungen erfüllen, also zum Beispiel sicherstellen, dass Marihuana nicht an Minderjährige verkauft wird.

          Auch wenn Colorado nun den Verkauf von Marihuana weitgehend freigegeben hat, bleiben noch immer strenge Auflagen, wo die Substanz konsumiert werden darf. Das Rauchen eines Joints in der Öffentlichkeit bleibt verboten. Damit ist Marihuana also zum Beispiel in Parks oder auf den Skipisten in Colorado weiterhin tabu.

          Weitere Themen

          Vorwurf der Kirschblütenkorruption

          Japan : Vorwurf der Kirschblütenkorruption

          Ministerpräsident Shinzo Abe ist in Kürze der am längsten amtierende Regierungschef Japans. Die Opposition wirft ihm nun vor, Steuergeld als Wahlkampfhilfe missbraucht zu haben. Es geht um Kirschblüten.

          Topmeldungen

          Zurück nach Europa : Greta findet Mitsegel-Gelegenheit

          Um es noch rechtzeitig zur Weltklimakonferenz nach Madrid zu schaffen, muss Greta Thunberg bald in See stechen. Ein australisches Youtuber-Paar bringt sie über den Atlantik. Außerdem sieht sie etwas Gutes an Donald Trump.

          Rennen um SPD-Spitze : Das Duell der Ungleichen

          Scholz zieht den Säbel, Geywitz sekundiert: Ihre Gegner, Esken und Walter-Borjans, Lieblingskandidaten der Jusos, sehen im direkten Duell der SPD-Spitzenkandidaten blass aus. Ein Abend im Willy-Brandt-Haus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.