https://www.faz.net/-gq5-8iaki

CIA-Folter : „Wenn ich einschlief, schütteten sie Wasser auf mich“

  • -Aktualisiert am

Militärbasis Stare Kiejkuty in Polen: Hier soll Abu Zubaydah von der CIA festgehalten und gefoltert worden sein. Bild: dpa

Die Veröffentlichung neuer Dokumente hat jetzt weitere Details der Foltermethoden der CIA offengelegt. Darunter sind auch die Darstellungen der Gefolterten.

          Angemessene medizinische Versorgung in Form von Medikamenten bei chronischen Erkrankungen und Behandlung akuter Probleme sollten die Gefangenen der CIA zwar erhalten. Die „Richtlinien für medizinische und psychologische Unterstützung der Gefangenenübergabe, -internierung und -befragung“ der CIA machen gleich im nächsten Satz jedoch klar: „Solche medizinische Interventionen dürfen nicht das Gefühl von Angst und Verwirrung untergraben, die das verschärfte Verhör befördern soll.“ Etwaige medizinische Eingriffe während der Folterverhöre sollten nicht „übermäßig sorgfältig“ erscheinen, so die CIA-Anweisung von 2004.

          Das ist nur eines der zahlreichen Details, die die neu veröffentlichte Dokumente über das inzwischen eingestellte „Internierungs- und Befragungsprogramm“ der CIA enthalten. Die Bürgerrechtsorganisation „American Civil Liberties Union“ hatte mit Erfolg auf die Veröffentlichung geklagt. Diese Woche gaben die Behörden die Unterlagen nun frei.

          2002 begann die CIA, in Pakistan und Afghanistan aufgegriffene mutmaßliche Terroristen in Foltergefängnisse unter anderem in Polen zu überführen. Isolation, Schlafentzug, Schläge ins Gesicht, Festhalten in Stresspositionen waren nur einige der „Verhörmethoden“, die dort praktiziert wurden. Nach einem Urteil des amerikanischen Obersten Gerichtshofes, das involvierte CIA-Agenten der Gefahr der Strafverfolgung aussetzte, wurde das Programm 2006 beendet.

          Die Sicht der Gefolterten

          Das Ausmaß der Umtriebe der CIA, auch die Mittäterschaft des medizinischen Personals, ist zwar grundsätzlich schon seit Dezember 2014 bekannt, als der amerikanische Senat einen 500 Seiten langen Bericht veröffentlichte. Dieser basierte allerdings vor allem auf Regierungsmemoranden. Die neue Veröffentlichung enthält CIA-interne Dokumente und, besonders anschaulich, die Sicht der Gefangenen.   

          Einer davon ist Khalid Sheik Mohammad, der als Architekt der Anschläge des 11. September gilt und 2003 von Agenten der CIA und des pakistanischen Geheimdienstes gefangen genommen wurde. Seit 2006 sitzt er in Guantanamo und muss sich momentan vor einem Militärtribunal verantworten. Für eine Anhörung in Guantanamo im Jahr 2007 dokumentierte er auch die Befragungen, denen er nach seiner Gefangennahme ausgesetzt war – eine bisher geheim gehaltene Darstellung.

          Khalid Sheik Mohammed, hier auf einem Bild im Lager Guantanamo

          Nach Entkleidung, Haareschneiden und ärztlicher Untersuchung sei er in einen Folterraum gebracht worden. „Die gleiche Frage wurde gestellt: 'Wo ist Bin Ladin?' Jedes Mal, wenn ich sagte, ich wisse es nicht, tröpfelten sie sehr kaltes Wasser auf meinen Kopf, während ich nackt war“, sagte er bei der Befragung. „Dann brachten sie mich in einen anderen Raum, hingen mich an den Händen auf und schütteten kaltes Wasser über mich, während ich hing.“ Am vierten Tag sei ihm kein festes Essen, sondern nur noch Flüssiglebensmittel verabreicht worden. Als er sich weigerte, diese zu trinken, seien sie ihm rektal eingeführt worden, woraufhin er Durchfall bekommen habe.

          Folter erzeugte auch erfundene Behauptungen

          „Es gab keine Toilette, nur einen Eimer. Jedes Mal, wenn ich auf die Toilette musste, ließen sie mich runter, auf die Toilette, und hingen mich wieder auf.“ Khalid gab weiter zu Protokoll, dass man ihn unter Schlafentzug gesetzt habe: „Jedes Mal, wenn ich einschlief, schütteten sie kaltes Wasser auf mich.“ In dem Raum habe laute Musik gespielt, die nur zu Verhören unterbrochen wurde. Von der klaren Menschenrechtswidrigkeit dieser Maßnahmen abgesehen, hat bereits der Senatsbericht von 2014 in Zweifel gezogen, dass Mohammad während dieser Befragungen verwertbare Informationen preisgab. Vielmehr habe er Manches wohl erfunden, um sich dem Druck der Folter zu beugen.

          Dass der designierte Präsidentschaftskandidat der Republikaner Donald Trump sich dafür stark gemacht hat, die beschriebenen Foltermethoden wiederzubeleben und sogar auszuweiten, ist für die „American Civil Liberties Union“ einer von vielen Gründen, warum die Veröffentlichung der Aussagen der Gefangenen so wichtig sind: „Es ist äußerst wichtig, dass die amerikanische Öffentlichkeit Zugang zu diesen Primärquellen hat, und nicht nur zu den eigennützigen Darstellungen derjenigen, die die Folter autorisiert haben.“

          Abu Zubaydah, der sich seit 2002 in amerikanischer Gefangenschaft befindet

          Verteidiger des „enhanced interrogation“-Programms nehmen in Anspruch, es habe Leben gerettet. Der Berichts des Senats von 2014 kommt zu dem Schluss, dass die Effektivität der Methoden überschätzt wurden. Ein weiteres Beispiel ist der Fall von Abu Zubaydah, der 2002 von den Amerikanern aufgegriffen wurde, und fälschlicherweise für eine Al-Qaida-Führungskraft gehalten wurde.

          „Entschuldigung, wir haben einen großen Fehler gemacht“

          Bereits 2014 wurde festgestellt, dass alle von Abu Zubaydah preisgegebenen Information bereits vor der Anwendung der verschärften Verhörmethoden bekannt waren. Die von der CIA erhofften Informationen über geplante Terrorattacken gab er nie preis – weil er sie nicht besaß. Nun macht auch die neu veröffentliche Darstellung des Betroffenen klar, dass den Agenten ihre Fehleinschätzung klar gewesen sein muss.

          Sie hätten ihn von Kopf bis Fuß gefesselt, er habe nichts machen können, beschrieb Abu Zubaydah bei der Guantanamo-Anhörung in gebrochenem Englisch das ihm widerfahrene Waterboarding. „Sie stecken mir Stoff in den Mund und schütten Wasser, Wasser, Wasser“. Als er kurz vorm Sterben gewesen sei, hätten die Agenten das Brett wieder aufgerichtet, und ihn mit Mund-zu-Mund-Beatmung am Leben gehalten.

          Die Einsicht seiner Peiniger kommt später, und sie fällt nüchtern aus: „Alles was sie zu mir sagten war: ‚Entschuldigung, wir haben einen großen Fehler gemacht.‘“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trotz Notstandserklärung : Trump muss um Mauer-Geld kämpfen

          Mit dem nationalen Notstand will Donald Trump Mittel aus dem Verteidigungshaushalt für seine Mauer an der mexikanischen Grenze umlenken. Ein großer Teil des Geldes wurde aber schon anderweitig ausgegeben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.