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Brasilien : Folter mithilfe von Schlangen und Ratten

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Den Tränen nah: Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff bei der Vorstellung des Berichts der Wahrheitskommission. Bild: AFP

Die Wahrheitskommission in Brasilien hat einen Bericht über die Menschenrechtsverletzungen der Militärdiktatur vorgelegt. Sie benennt darin auch mehr als 300 Schergen der Junta, die schlimme Verbrechen begangen haben - eine Strafverfolgung aber nicht fürchten müssen.

          Mehr als 430 Namen sind es, alphabetisch geordnet von A wie Abelardo Rausch de Alcântara bis Z wie Zuleika Angel Jones. Es sind die Namen der 191 nachweislich Getöteten und jene der 243 „Verschwundenen“, die während der Militärdiktatur in Brasilien von 1964 bis 1985 von Polizisten, Soldaten und Geheimdienstmitarbeitern getötet wurden. Die Namensliste findet sich in dem fast 2000 Seiten starken Abschlussbericht der brasilianischen Wahrheitskommission, der am Mittwoch in Brasília an Präsidentin Dilma Rousseff übergeben und zugleich der Öffentlichkeit vorgelegt wurde.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Rousseff selbst hatte die Einsetzung der Kommission vor gut drei Jahren unterstützt, und bei der Vorstellung des Berichts kämpfte die gewöhnlich höchst kontrolliert auftretende Staatschefin mehrfach mit den Tränen. „Wir gedenken jener und würdigen all jene, die für die Demokratie gekämpft haben“, sagte Rousseff und pries die Arbeit der Kommission. Wäre die Wahrheit nicht ans Licht gekommen, dann würden die Familien der Opfer „weiter leiden, als wenn ihre Angehörigen abermals stürben“, sagte die Präsidentin, die im Januar 1970 im Alter von 22Jahren als Angehörige einer marxistischen Guerrilla festgenommen worden war und zwei Jahre lang in Haft gehalten wurde. Dort war sie selbst gefoltert worden.

          Die Wahrheitskommission, im Sommer 2011 vom Kongress in Brasília eingesetzt, beendet nun offiziell ihre Arbeit. Die sieben Mitglieder der Kommission unter Führung des Juristen Pedro Dallari führten mehr als 1200 Interviews mit Opfern, Angehörigen von Toten und Verschwundenen sowie auch mit ranghohen Mitarbeitern der Junta. In der Einführung zum Abschlussbericht schreibt Dallari, dass „während der Militärdiktatur die Unterdrückung und Eliminierung von Oppositionellen aufgrund der Entscheidungen der Regierung erfolgte“ und dass diese Entscheidungen „vom Präsidenten der Republik und von den Ministern der Militärregierung getroffen und durchgesetzt wurden“.

          Folter und Mord waren Staatsdoktrin und gerade nicht das Ergebnis von Exzessen einzelner „übereifriger“ Offiziere und Geheimdienstmitarbeiter. Bei der Unterdrückung des Widerstands im Lande habe sich die brasilianische Junta Erfahrungen der Franzosen aus dem Algerienkrieg, der Briten in Nordirland sowie der Amerikaner in Vietnam zunutze gemacht. Die Vereinigten Staaten vermittelten an ihrer „School of the Americas“ in Panama Polizisten und Offizieren aus fast allen lateinamerikanischen Staaten Strategien bei der Aufstandsbekämpfung und der psychologischen Kriegsführung sowie Verhörmethoden und Geheimdiensttaktik.

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