https://www.faz.net/-gq5-8duxj

Bolivien : Morales verliert offenbar Referendum

  • Aktualisiert am

Evo Morales bei der Stimmabgabe Bild: Reuters

Die Mehrheit der Bolivianer lehnt laut Hochrechnungen eine weitere Amtszeit von Präsident Evo Morales ab. Doch die Regierung will sich noch nicht geschlagen geben.

          Boliviens Staatspräsident Evo Morales ist nach ersten Prognosen mit dem Versuch gescheitert, mit einer Verfassungsänderung bis maximal zum Jahr 2025 im Amt bleiben zu können. Bei einem Referendum stimmten am Sonntag dem Sender ATB zufolge 52,3 Prozent mit Nein und 47,7 Prozent mit Ja, eine andere Prognose kam auf 51 zu 49 Prozent. 6,5 Millionen Bolivianer waren zur Wahl aufgerufen.

          Der frühere Kokabauer und erste indigene Präsident des Andenstaates ist seit 2006 im Amt und bis 2020 gewählt. Durch eine Änderung des Artikels 168 wollte er zusammen mit seinem Vizepräsidenten Álvaro García Linera eine nochmalige Wiederwahl und – im Falle eines Wahlsieges – eine bisher nicht mögliche vierte Amtszeit erreichen. García Linera warnte davor, dass die Prognosen fehlerhaft sein könnten und sprach von einem Unentschieden bei der Abstimmung.

          Kritiker werfen Morales autoritäre Tendenzen vor

          Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, wäre es die erste schwere Niederlage für den 56 Jahre alten Morales, der bereits jetzt so lange regiert wie kein Staatspräsident zuvor seit Boliviens Unabhängigkeit 1825. Im Schnitt wuchs die Wirtschaft während seiner Präsidentschaft um 4,9 Prozent, vor allem auch dank der Einnahmen aus dem verstaatlichten Gasgeschäft. Der Anteil der Armen konnte zudem deutlich reduziert werden. Kritiker werfen Morales und seiner Partei, der Bewegung zum Sozialismus (MAS), aber autoritäre Tendenzen vor.

          Zudem gab es einige Korruptionsskandale, auch die Rohstoffförderung in ökologisch sensiblen Gebieten sorgte für Widerstand. Überschattet wurde der Wahlkampf von einer Brandattacke von Demonstranten auf das Rathaus der zweitgrößten Stadt des Landes, El Alto, bei der sechs Menschen starben. Der MAS hatte 2015 nach einer Korruptionsaffäre das Bürgermeisteramt in seiner einstigen Hochburg an Soledad Chapetón von der Partei Unidad Nacional (UN) verloren – sie warf Parteigängern von Morales vor, für die Feuer-Tragödie mitverantwortlich zu sein. Morales hatte angekündigt, er werde jedes Ergebnis akzeptieren.

          Weitere Themen

          Ein neuer Umgangston

          Bei Brexit-Verhandlungen : Ein neuer Umgangston

          Noch steht nicht fest, wer der neue britische Premierminister wird, Boris Johnson oder Jeremy Hunt. Beide aber wollen hart mit der EU verhandeln – und drohen mit einem ungeregelten Austritt.

          Teheran reagiert unaufgeregt Video-Seite öffnen

          Drohenabschuss am Golf : Teheran reagiert unaufgeregt

          Donald Trump verkündete, die iranische Drohne habe sich der „USS Boxer“ bis auf rund 1000 Meter genähert und mehrere Aufforderungen zum Abdrehen ignoriert. Iran reagiert unaufgeregt – und offen für Gespräche.

          Topmeldungen

          737 Max : Flugverbot kostet Boeing Milliarden

          Der amerikanische Konzern stellt sich nach den Abstürzen der 737-Max-Maschinen auf hohe Entschädigungen ein. Es könnte sogar noch schlimmer kommen. Doch die Investoren goutieren die Klarheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.