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„Black Lives Matter“ : Dezentralisierte Empörung

  • -Aktualisiert am

Organisiert: Demonstranten protestieren in Chicago anlässlich der Tötung eines schwarzen Jugendlichen durch einen weißen Polizisten. Bild: AP

Als in Ferguson ein schwarzer Jugendlicher von der Polizei erschossen wurde, kam es zum Aufschrei in den sozialen Medien. Aus dem Hashtag „Black Lives Matter“ ist inzwischen eine Bewegung geworden - mit erheblichem Einfluss.

          Genau ein Jahr war es am Dienstag her, dass in Ferguson Schüsse fielen, Geschäfte geplündert und Brände gelegt wurden. Neben den Randalierern protestierten Tausende wütende, aber friedliche Afroamerikaner gegen die soeben verkündete Entscheidung der Geschworenen: Der weiße Polizist, der im August den schwarzen Jugendlichen Michael Brown erschossen hatte, kam ohne Anklage davon. „Black Lives Matter“, riefen die Demonstranten: Schwarze Leben zählen.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Am Jahrestag gellte derselbe Schrei auch durch die Straßen zweier anderer Städte. In Chicago versuchten Hunderte Aktivisten, den Verkehr lahmzulegen. Auch sie hatten Anlass, gegen schockierende Polizeigewalt zu protestieren, wenn auch der Bürgermeister und die Staatsanwältin alles getan hatten, um die Wogen zu glätten. Zunächst teilten sie am Dienstag mit, dass der weiße Polizist Jason Van Dyke wegen Mordes angeklagt werde. Dann erst veröffentlichten sie das Video des Polizeieinsatzes vom Oktober 2014. Der Schwarze Laquan McDonald war damals angehalten worden, als er mit einem Messer umherlief und mutmaßlich versucht hatte, Autos zu knacken. Van Dyke war nicht als erster Polizist zur Stelle, aber er wartete nur drei Sekunden, bevor er ein ganzes Magazin auf den 17 Jahre alten Verdächtigen feuerte. Der war zwar den Anweisungen der Kollegen nicht gefolgt, bedrohte aber auch niemanden. McDonald fiel sofort zu Boden. Van Dyke gab 16 Schuss auf den Liegenden ab. Ein Journalist klagte erfolgreich auf Herausgabe des Videos. Bevor sich die Stadt dem Urteil fügte, sagte Bürgermeister Rahm Emanuel, dass Van Dyke „offenkundig die grundlegenden moralischen Standards verletzt hat, die uns verbinden“. Krawalle wie in Ferguson blieben Chicago fürs Erste erspart.

          Kaum eine Woche ohne Aufschrei

          In Minneapolis demonstrierten am selben Abend Hunderte gegen die örtliche Polizei. Nachdem ein weißer Polizist am vorvergangenen Sonntag den 24 Jahre alten Schwarzen Jamar Clark erschoss, hatten Aktivisten der „Black Lives Matter“-Bewegung ein Protestlager an der Polizeiwache eingerichtet. Auch sie fordern die Herausgabe von Videobildern. Am Montagabend waren die Aktivisten von drei maskierten Männern beschossen worden. Von den fünf Verletzten musste einer operiert werden, den eine Kugel in den Bauch getroffen hatte. Die Polizei nahm am Dienstag einen 23 Jahre alten Weißen fest, woraufhin sich zwei weitere Weiße stellten. „Black Lives Matter Minneapolis“ sprach von einem „Terrorakt“. Die Polizei habe Drohungen nicht ernst genommen und lieber die Demonstranten beschimpft.

          Seit dem Aufruhr von Ferguson ist keine Woche vergangen, ohne dass „Black Lives Matter“ Schlagzeilen gemacht hätte. Was heute eine Organisation ist, wenn auch eine amorphe, war am Anfang nur eine Parole, genauer: ein Hashtag in sozialen Netzwerken. 2013 war in Florida der Weiße George Zimmerman freigesprochen worden, der als Mitglied einer Bürgerwehr den unbewaffneten schwarzen Teenager Trayvon Martin erschossen hatte. Ein Tweet der afroamerikanischen Feministin Alicia Garza aus Kalifornien wurde damals unter dem Stichwort #BlackLivesMatter verbreitet. Garza gründete eine gleichnamige Bewegung mit einer Website. Sie wollte gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstrieren, aber zugleich eine Alternative zur herkömmlichen, von heterosexuellen Männern geprägte Bewegungen „schwarzer Nationalisten“ aufzeigen. Nach dem Tod von Michael Brown organisierte Garza eine Reise nach Ferguson. Seither ist ihr Slogan in aller Munde.

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