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Besuch in Kuba : Papst Franziskus trifft Fidel Castro

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Jaime Kardinal Ortega, der zum Ende seiner Laufbahn als Erzbischof von Havanna das dritte Mal einen Papst empfängt, will von Kirchenferne seiner Landsleute allerdings nicht wissen. Die katholische Gemeinde in Kuba sei keine Minderheit, sagte er Radio Vatikan zur Ankunft des Papstes. Auch wenn es nicht viele aktive Katholiken gebe, „man lässt weiter taufen, die Menschen kennen das Vaterunser und Ave Maria; und es gibt einen weitverbreiteten Volksglauben, den man nicht vernachlässigen darf“. Die soziologische Sicht Westeuropas, Messbesucher zu zählen, komme beim Verstehen des Glaubens auf der Insel nicht weit. „Es gibt eine Religiosität, die weder aufgeklärt noch ausgeprägt ist; und gerade deswegen braucht sie auch Verkündigung, den Besuch aus Rom.“ Papst Franziskus kenne den Volksglauben und wisse um die Wichtigkeit für das Leben der Kirche und kenne auch die Probleme des Synkretismus, „der leider auch immer dabei ist“, sagte der betagte Kardinal, der ebenfalls eine Schlüsselfigur für der Entwicklung der Beziehungen zwischen Havanna und Washington ist.

Tatsächlich kennt der argentinische Papst Kuba schon lange. Für ihn soll die karibische Insel „ein Ort der Begegnung“ sein, „an dem sich Völker Amerikas in Freundschaft treffen“. Bereits 1998 wollte er die Insel zusammen mit Johannes Paul II. besuchen. Dazu kam es nicht; aber noch im selben Jahr schrieb der damalige Weihbischof von Buenos Aires Jorge Bergoglio ein Buch über den Dialog zwischen Johannes Paul II. und Revolutionsführer Fidel Castro, in dem er ausführte, was ihn bis heute bewegt: Dialog ist nicht nur möglich, er muss geführt werden – und wenn er aufrichtig und offen stattfinde, dann werde er Früchte tragen. Schon damals schrieb Bergoglio, dass die sozialistische Revolution die Kubaner von den Bezügen des Glaubens abgeschnitten und der Religion entfremdet habe.

Heftig kritisierte der damalige Weihbischof im Jahr 1998 auch das amerikanische Embargo gegen die Insel. Seit dem 20. Juli gibt es durch die „Initiative“ des Papstes, wie Kardinal Ortega sagt, wieder diplomatische Beziehungen. Aber an dem seit 1960 bestehenden Embargo kann Franziskus selbst nichts ändern – auch wenn das kubanische Volk das von ihm erwartet. Das muss der Kongress in Washington tun, vor dem Franziskus als erster Papst der Geschichte am Donnerstag reden wird. Der Papst habe die Chance, die Aufhebung des „illegalen und brutalen“ Boykotts der amerikanischen Kapitalisten zu erwirken, heißt es in Havanna.

Auch Castro setzt auf den Papst. Er glaubt ihn sogar bei der Kapitalismus-Kritik an seiner Seite. In der Begrüßung spricht der Präsident von dem internationalen System, mit dem die Vereinigten Staaten global agierten, das unfair und unmoralisch sei. Auf diese Debatte aber dürfe sich der Papst nicht einlassen, sagt ein geistlicher Berater von Kardinal Ortega im Gespräch in Havanna. Es sei wichtig, dass sich der Papst in den kommenden Tagen von dieser Castro-Botschaft distanziere. Der Kardinal hoffe auf die religiöse Erneuerung durch den ersten südamerikanischen Papst, der ein Herz für die Armen und Bedürftigen habe und sich darum solidarisch mit den Menschen zeige, nicht aber mit den Machthabern des Regime.

Darum bemüht sich der Papst: „Alle sind wir aufgrund christlicher Berufung zum Dienen berufen und dazu, einander zu helfen, nicht den Versuchungen zum ,Dienst, der sich bedient‘ zu erliegen.“ Diesen Seitenhieb gegen das Regime plaziert er in seiner Predigt in der Sonntagsmesse auf dem Platz der Revolution „José Martí“. „Alle sind wir von Jesus eingeladen, uns aus Liebe umeinander zu kümmern.“

Dicke Wolken hängen über dem riesigen Platz, auf dem sich eine Million Pilger versammelt haben. Plötzlich werden drei junge Männer festgenommen, die Flugblätter verteilen wollen. Auf der Fassade des Innenministeriums prangt wie seit Jahrzehnten das Bildnis des argentinischen Revolutionsführers Che Guevara und der Spruch „Immer bis zum Sieg“. Zum Besuch des argentinischen Papstes wurde an einer anderen Seite des Platzes ein Jesusbild angebracht. Das wird wohl bald wieder verschwinden.

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