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Andreas Ross (anr.)

Kuba und Amerika : Am Tisch mit dem Diktator

  • -Aktualisiert am

Kubas Staatschef Raúl Castro Bild: AFP

Es tut weh, dass Barack Obamas Kuba-Wende den Castro-Brüdern einen Erfolg beschert. Ihr repressives Regime hat keine Belohnung verdient. Trotzdem ist Obamas Schritt nur folgerichtig.

          Fidel und Raúl Castro haben keine Belohnung verdient. Noch vor Tagen schnappten sich ihre Sicherheitskräfte wieder einige „Damen in Weiß“, die am Internationalen Tag der Menschenrechte an inhaftierte Dissidenten erinnern wollten. Wenn eine Errungenschaft der kubanischen Revolution den Kollaps des sowjetischen Patenregimes überlebt hat, dann der Überwachungs- und Unterdrückungsapparat. Auch die Tür zur Marktwirtschaft hat Kubas Präsident nur einen Spaltbreit aufgestoßen, die neue Reisefreiheit ist nicht ein Bürgerrecht, sondern nur ein Ventil, durch welches das Regime Druck ablässt. Die einzige Öffnung, die den Castros am Herzen liegt, ist der Zugang zu neuen Einnahmequellen.

          Es tut weh, dass Barack Obamas Kuba-Wende den Castros nun einen Erfolg beschert. Ihre Propaganda kann die Heimkehr von drei Spionen ausschlachten. Exilkubaner werden bald noch viel mehr Geld auf die Insel schicken. Das Regime wird bei jedem Dollar zulangen. Spätestens beim Amerika-Gipfel im April dürfte Raúl Castro trotzdem mit Obama am Tisch sitzen; schon vorher bekommt er hohen Besuch aus Washington. Niemand dort gönnt dem Diktator das. Doch zum Glück hat sich Obama davon nicht beirren lassen.

          Denn sein Satz, Amerikas Ansatz sei gescheitert, beschreibt keine ideologische Sichtweise, sondern eine Tatsache. Die Weltmacht hat am anderen Ende der Welt den Kalten Krieg gewonnen, aber sie hat nicht ihre Nachbarn Fidel und Raúl Castro bezwungen. Vor allem hat die amerikanische Regierung zu lange ignoriert, wie viel Glaubwürdigkeit sie das Festhalten an ihrer gescheiterten Kuba-Strategie in Lateinamerika gekostet hat.

          Nicht nur windige Linkspopulisten, auch seriöse, sogar konservative Staatschefs haben Washington bedrängt, der Realität ins Auge zu sehen. Bei der Pflege ihrer (aus vielen Gründen) lädierten Beziehungen zu wichtigen Staaten von Mexiko über Kolumbien bis Brasilien könnte Obama nun am schnellsten die Früchte seiner Wende ernten. Auf dem ganzen Kontinent herrschte Erleichterung, wenn Kuba nicht mehr jede Schandtat auf Amerikas „Blockade“ schieben könnte.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

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