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Barack Obama : „Wir haben einige Leute gefoltert“

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Barack Obama Bild: REUTERS

Der amerikanische Präsident hat die Folter von Terrorverdächtigen durch die CIA nach den Anschlägen im Jahr 2001 ungewohnt deutlich als Fehler kritisiert. Zugleich warnte Obama davor, im Rückblick „zu frömmlerisch“ zu urteilen.

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          Mit ungewöhnlich deutlichen Worten hat der amerikanische Präsident Barack Obama eingeräumt, dass die Vereinigten Staaten nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Menschen foltern ließen. „Unmittelbar nach 9/11 haben wir einige Dinge gemacht, die falsch waren“, sagte Obama am Freitag bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. „Wir haben einige Leute gefoltert. Wir haben einige Dinge gemacht, die unseren Werten widersprochen haben.“

          Der Präsident betonte allerdings, dass die Geheimdienste nach den Anschlägen des Terrornetzwerks al Qaida auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington unter großem Druck gestanden hätten. „Die Leute wussten nicht, ob weitere Attacken unmittelbar bevorstehen“, sagte er. Obama warnte davor, im Rückblick „zu frömmlerisch“ über die Verfehlungen zu urteilen. Viele Geheimdienstvertreter hätten damals „hart gearbeitet“ und seien „echte Patrioten“.

          Die Vereinigten Staaten hatten nach den Anschlägen vom 11. September 2001 unter Obamas Vorgänger George W. Bush ein weltweites System aufgebaut, um mutmaßliche Anhänger der al Qaida zu verhören. Die Verdächtigen wurden verschleppt, ohne richterlichen Beschluss an geheimen Orten außerhalb der Vereinigten Staaten festgehalten und mit brutalen Methoden befragt. Nach seinem Amtsantritt im Januar 2009 beendete Obama das Programm. Der Geheimdienstausschuss des Senats leitete eine Untersuchung ein und nahm im Dezember 2012 einen 6300 Seiten starken Bericht an, der mit der CIA hart ins Gericht geht.

          Die amerikanische Regierung könnte schon bald eine freigegebene Fassung des Untersuchungsberichts veröffentlichen. Obama drückte die Hoffnung aus, dass dieses schwierige Kapitel der Geschichte der Vereinigten Staaten dadurch aufgearbeitet werde. „Wenn wir einige dieser verstärkten Verhörtechniken angewandt haben - Techniken, die ich und jeder aufrichtige Mensch für Folter halten würden - dann haben wir eine Grenze überschritten“, sagte er. „Das muss verstanden und akzeptiert werden.“ Die Vereinigten Staaten müssten „Verantwortung übernehmen“, damit sich so etwas in der Zukunft nicht wiederhole.

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