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Häftlinge in Amerika : Obama verfügt größte Haftentlassung seit mehr als hundert Jahren

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Barack Obama bei einem Treffen mit jungen Führungspersönlichkeiten am Mittwoch in Washington. Bild: dpa

An nur einem Tag hat Barack Obama die Strafen von mehr als 200 Häftlingen herabgesetzt – darunter auch Straftäter, die lebenslang hinter Gitter sollten. Trotzdem halten die Vereinigten Staaten weiterhin einen unrühmlichen Rekord.

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          Präsident Barack Obama entlässt mehr als 200 verurteilte Straftäter vorzeitig aus dem Gefängnis – es ist die größte Entlassungsaktion dieser Art seit mehr als hundert Jahren in den Vereinigten Staaten. Wie das Weiße Haus mitteilte, sind unter den insgesamt 214 Häftlingen, die von der Anordnung profitieren, auch 67 Straftäter, die lebenslange Haftstrafen verbüßten.

          Es handle sich um die umfassendste Herabsetzung von Strafen durch einen amerikanischen Präsidenten an einem einzigen Tag seit mindestens dem Jahr 1900, erklärte der Rechtsberater des Weißen Hauses, Neil Eggleston. Die meisten der 214 Gefangenen sind den Angaben zufolge keine Gewalttäter. Viele der nun vorzeitig freikommenden Häftlinge wurden demnach wegen des Besitzes von oder des Handels mit Crack verurteilt.

          Insgesamt 562 Häftlinge begnadigt

          Insgesamt hat Obama damit nach Angaben des Weißen Hauses im Laufe seiner siebeneinhalbjährigen Amtszeit nun die Strafen von 562 Häftlingen herabgesetzt und ihnen so die vorzeitige Entlassung ermöglicht. Die Zahl sei damit höher als bei „allen neun vorherigen Präsidenten zusammengenommen“, teilte Eggleston mit.

          Die massenhaften vorzeitigen Entlassungen sind Teil von Obamas Bemühungen zur Reform des amerikanischen Strafrechtssystems, das unter Problemen wie der Diskriminierung von Minderheiten, überbelegten Gefängnissen und unverhältnismäßig langen Haftstrafen leidet.

          In keinem Land der Erde sitzen mehr Menschen im Gefängnis als in den Vereinigten Staaten. Die rund 2,2 Millionen Strafgefangenen machen fast ein Viertel der weltweiten Haftinsassen aus. Harte Mindeststrafen etwa bei Drogendelikten haben die Zahl der Häftlinge in den Vereinigten Staaten in den vergangenen 30 Jahren deutlich ansteigen lassen. Überproportional betroffen sind Afroamerikaner und Latinos.

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