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Absturz eines Präsidenten : Im Widerspruch zwischen Pose und Persönlichkeit

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Oft in den letzten sechs Jahren griffen politische und menschliche Fehler Obamas ineinander. Die Gesundheitsreform, die heute von einer Mehrheit der Amerikaner abgelehnt wird, hätte breite Zustimmung gefunden, wenn Obama sie nicht mit zu viel Eile und Eigensinn durchgedrückt hätte. Das Ziel, die über 45 Millionen Amerikaner ohne Krankenversicherung in ein neues Gesundheitssystem zu überführen, war aller Ehren wert – aber es war ohne Rücksicht auf die politischen Gegner nicht zu erreichen. Dass dennoch ein paar Millionen Menschen heute erstmals eine Krankenversicherung haben, ist Obamas größtes Verdienst. Doch das politische Klima hat er dabei weiter vergiftet. Auch sein Versprechen, das Gefangenenlager in Guantanamo innerhalb kürzester Zeit zu schließen, wäre nur in Kooperation mit den Republikanern denkbar gewesen. Doch die „neue Überparteilichkeit“, die Obama im Wahlkampf versprochen hatte, entpuppte sich gleich nach der Wahl als leeres Wort. Dabei steht Obama nicht etwa ein allzu verkrampftes ideologisches Denken im Weg, sondern seine Neigung, in politischen Auseinandersetzungen zu übertriebener Härte zu greifen.

Obama denkt nur an sein Handicap

Bleibt die Sache mit dem Golfspiel. Ein ganz normales Hobby? Der nötige Ausgleich zum harten politischen Alltag? Mag sein. Obama gibt offen zu, dass er heute viel mehr Zeit mit Sport und Fitness verbringt als in der Zeit, bevor er Präsident wurde. Doch ist seine Golfleidenschaft längst zum Politikum geworden. „Sogar seine politischen Freunde sehen inzwischen, dass es sich beim Golf des Präsidenten nicht mehr nur um einen Sport handelt, sondern um ein politisches Sinnbild“, sagt der Kommentator Michael Gerson, „es zeigt den Präsidenten genau so, wie seine Gegner ihn zeichnen: abgekoppelt, in der Distanz, unerreichbar für die Menschen.“ Wesentlich radikaler urteilt die „Washington Post“: „Obama lebt praktisch auf dem Golfplatz. Die einzige Mission, der er sich ganz verschrieben hat, ist die, endlich sein Handicap zu reduzieren.“

Solche Häme hat viel mit dem August 2014 zu tun. Unter dem Druck der landesweiten Empörung über seinen instinktlosen Auftritt vom Vortag schickte Obama damals seinen Pressesprecher vor die Kameras. Der erklärte, etwas umständlich nach Worten suchend: „Also, äh, wissen Sie, das ist doch für uns alle wichtig, dass wir durch Sport mal den Kopf frei kriegen, und das gilt auch für den Präsidenten.“ Während der Pressesprecher auf diese Weise versuchte, die Gemüter zu beruhigen, stand Obama schon wieder auf dem Golfplatz. Erst nach tagelanger Kritik blieb ihm nichts anderes übrig, als sich zu entschuldigen – und eine Golfpause einzulegen.

Die hielt freilich nicht lang. Das Jahr 2014 schloss Barack Obama mit 57 Tagen auf dem Golfplatz ab. Sein Handicap konnte er trotz aller Ambitionen nicht verbessern. Es liegt immer noch bei 18 und damit im oberen Mittelfeld ambitionierter Hobby-Golfer.

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