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Massaker in Orlando : Prahlen mit der Terrorgruppe des Tages

  • -Aktualisiert am

Ende einer Schreckensnacht: Ermittler an der zerschossenen Außenwand des Nachtklubs „Pulse“ in Orlando. Bild: AFP

Das FBI kannte den Attentäter von Orlando seit Jahren. Doch irgendwann schlossen die Ermittler die Akte. Omar Mateen galt nur noch als kleiner Angeber.

          Dutzende Gäste des Nachtclubs „Pulse“ waren schon tot und Hunderte Notrufe bei den Rettungsdiensten eingegangen, als die Polizei in Orlando am frühen Sonntagmorgen plötzlich einen besonderen Anrufer in der Leitung hatte. Omar Mateen, der 29 Jahre alte Attentäter, suchte das Gespräch, nachdem er sich mit Geiseln in einem Toilettenraum der Schwulenbar verschanzt hatte. Beim ersten Versuch legte er gleich wieder auf, dann erklärte er der Vermittlung in der Notrufzentrale, wer er sei. Schließlich rief die Polizei zurück und führte ein „kurzes Gespräch“, wie FBI-Direktor James Comey am Montag berichtete. Darin habe sich der in New York geborene Sohn afghanischer Einwanderer zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) und namentlich zu dessen Anführer Abu Bakr al Bagdadi bekannt.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Außerdem erwähnte der Todesschütze von Orlando die Brüder Tsarnaev, die im Jahr 2013 Bombenanschläge auf den Bostoner Marathonlauf verübt hatten. Und er erklärte sich loyal zu einem amerikanischen Terroristen, dem er wohl persönlich begegnet ist, bevor er in Syrien einen Selbstmordanschlag beging. Der vorher wie Mateen an Floridas Ostküste lebende Moner Mohammed Abu Salha gilt sogar als erster Amerikaner, der im Kriegsgebiet den Märtyrertod gesucht und gefunden hat – nur opferte er sich für die Nusra-Front. Das ist ein Al-Qaida-Ableger, der mit dem IS verfeindet ist.

          Mateen, so sagte Orlandos Polizeichef John Mina am Montag, „stellte am Telefon nicht viele Forderungen. Wir waren die, die um Dinge baten.“ Ohne zu wissen, wie viele Personen der Täter schon getötet hatte, als er um kurz nach zwei in das Lokal stürmte, schöpften die Unterhändler ein wenig Hoffnung. Mateen habe „ruhig und gefasst“ gewirkt, sagte Mina. Die Lage habe sich zu diesem Zeitpunkt „stabilisiert“. Es seien keine Schüsse mehr zu hören gewesen.

          Flucht durch ein Loch in der Mauer

          In den Toilettenraum hatte sich der Täter zurückgezogen, nachdem ihm mehrere vom Sicherheitsmann des Clubs alarmierte Polizisten in den Club hinterhergerannt waren. Da sich auch Gäste auf die Toilette geflüchtet hatten, behandelte die Polizei die Sache nun als Geiselnahme. Nach fast drei Stunden kam Polizeichef Mina zu dem Schluss, dass Mateen nicht aufgeben würde. Um fünf Uhr gab er den Befehl zum Sturm. Eine sogenannte kontrollierte Explosion reichte aber nicht, um ein Loch in die Außenmauer des Nachtclubs zu reißen. Deshalb rammte die Polizei das Gebäude mit schweren Fahrzeugen. Etliche Geiseln konnten sich nun befreien. Auch Mateen kletterte durch das Loch in der Mauer und lieferte sich einen letzten Schusswechsel mit der Polizei. Er wurde erschossen.

          Sein Bekenntnis zum „Islamischen Staat“ werten die Ermittler nicht als Beweis für eine engere Verbindung zu der Terrorgruppe. Für direkte Kontakte scheint es keine Anhaltspunkte zu geben. Und seine Verwirrung oder Unkenntnis über die Terroristenszene im Mittleren Osten hat Mateen nicht erst durch die gleichzeitige Berufung auf den IS-Führer und einen Nusra-Front-Mitstreiter deutlich gemacht. Das FBI hat in den Jahren 2013 und 2014 schon zweimal gegen Mateen ermittelt. Mateen arbeitete für einen privaten Sicherheitsdienst und war damals abgestellt, ein Gerichtsgebäude zu sichern. Dort soll er sich gebrüstet haben, er habe Verwandte bei Al Qaida und Beziehungen zur Hizbullah – der jener Schiitenmiliz, die in Syrien gegen den sunnitischen IS kämpft und auch mit den sunnitischen Al-Qaida-Extremisten nichts zu schaffen hat.

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