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Anschlag in Dallas : Amerika ist im Krieg mit sich selbst

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Ein Polizist steht vor einem mit Blumen geschmückten Polizeiauto in Dallas, Texas. In der Nacht zuvor waren dort fünf Polizisten von einem Heckenschützen getötet worden. Bild: dpa

Angesichts der eskalierenden Gewalt herrscht in Amerika eine Mischung aus Entsetzen, Ratlosigkeit und Wut. Donald Trump versucht sich nach dem tödlichen Angriff auf Polizisten in Dallas an gemäßigten Tönen – und wird von seinen Anhängern scharf kritisiert.

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          „Ich komme mir durchaus vor wie in einer Art Albtraum.“ Der Satz klingt ein wenig hölzern, aber er scheint von Herzen zu kommen. Die ältere Dame, die ihn gesagt hat, möchte ihren Namen nicht nennen, Redebedarf hat sie trotzdem. Vor dem Polizeihauptquartier von Dallas hat sie Blumen niedergelegt und ihr kommen die Tränen, als sie zum wiederholten Mal davon erzählt, wie sehr die Geschehnisse der vergangenen Tage sie belasten. Sie meint nicht nur die gezielte Tötung fünf weißer Polizisten am Rande einer Anti-Rassismus-Demonstration in ihrer Heimatstadt, auch die beiden Fälle tödlicher Polizeigewalt gegen schwarze Mitbürger in den Bundesstaaten Louisiana und Minnesota. Eine der beiden Taten hatte die Freundin des Opfers in schockierenden Bildern live ins Internet übertragen.

          Von einem „Albtraum“ war in der Reaktion des designierten republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump keine Rede, vom viel zitierten „amerikanischen Traum“ dagegen schon. All das, was jüngst geschehen sei, so heißt es in Trumps Statement in Bezug auf die Geschehnisse von Dallas, Louisiana und Minnesota, habe nichts mit eben diesem Traum zu tun, „den wir uns alle für unsere Kinder wünschen“. Die Nation sei zu tief gespalten, die ethnischen Spannungen seien „schlimmer, nicht besser“ geworden, so Trump. Es brauche jetzt „starke Führung, Liebe und Mitgefühl“. Man werde diese Tragödien zusammen überstehen. Seine Gebete und sein Beileid würden „allen Familien“ gelten, „die von diesen Greueltaten so vollkommen am Boden zerstört“ seien. In einer Videobotschaft am Abend nennt er auch die beiden Namen der von Polizisten getöteten Opfer.

          Es sind vergleichsweise gemäßigte, auf Ausgleich bedachte Worte eines Mannes, dem selbst zuletzt immer wieder vorgeworfen wurde, mit seinen Positionen die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft weiter vertieft zu haben und der gerade nach seiner Reaktion auf den Anschlag in Orlando Mitte Juni heftig dafür kritisiert worden war, keine Gelegenheit auszulassen, um Tragödien und Terrorakte für seine eigene politische Agenda, etwa die Forderung eines Einreiseverbots für muslimische Ausländer, zu nutzen. Nun also versucht sich Trump an Tönen, die von einem Präsidenten erwartet werden. Genau das allerdings scheint Teilen seiner aufgepeitschten Basis zu viel des Milden zu sein.

          „Alle amerikanischen Leben zählen“

          Dass Trump, der sich bei früheren Auftritten ein ums andere Mal als kompromissloser Bewunderer umstrittener Polizei-Methoden inszeniert hatte, die Taten von Minnesota und Louisiana, bei denen innerhalb von 48 Stunden zwei Afroamerikaner von Polizisten getötet wurden, obwohl Videoaufnahmen zufolge von beiden keine unmittelbare Gefahr auszugehen schien, jetzt als „sinnlos“ bezeichnet, stößt manchem Anhänger übel auf. Man müsse „doch erst einmal die Ermittlungen abwarten“, bevor man sich ein Urteil über fehlende Sinnhaftigkeit der beiden Einsätze erlauben könne, kritisieren einige Trump-Fans scharf und ernten im Internet große Zustimmung. „Und ich hatte immer gedacht, Trump sei für die Polizei“, empört sich ein Twitter-Nutzer. „Ich bin Polizist und werde nach Dallas fahren, um meinen Brüdern und Schwestern die letzte Ehre zu erweisen. Wir hoffen, dass wir Sie da auch treffen“, stichelt ein Mann in Richtung Trump auf dessen Facebook-Seite.

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