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Anschläge in Boston : Zwei Farben Blutrot

  • -Aktualisiert am

Panik an der Ziellinie: Viele Läufer hat die Strecke schon bewältigt, als die Bomben explodieren Bild: AP

Die Bombenanschläge in Boston wecken Erinnerungen an den 11. September 2001. Es könnten aber auch rechtsextreme Außenseiter gewesen sein, die der Nation ihre Vision vom amerikanischen Versprechen aufzwingen wollen. Der Terror ist zurück – aber welcher?

          Der Terror ist nach Amerika zurückgekehrt. Ein toter Grundschüler. Abgetrennte Gliedmaßen. Von Schrapnellen und Glassplittern verletzte Menschen in Blutlachen. Menschen mit schwersten Verletzungen werden mit Rollstühlen und Tragen fortgeschafft und in die nächstgelegenen Krankenhäuser gebracht.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Innenstadt abgeriegelt, der Luftraum über einer Weltstadt vorübergehend gesperrt. Der Präsident und seine Sicherheitsberater verfolgen im „Oval Office“ das Geschehen nach dem Attentat. Wenige Stunden nach dem Anschlag eine kurze Fernsehansprache des Präsidenten an die Nation, er verspricht die harte und gerechte Bestrafung der Täter und Hintermänner.

          Trauma ist zurückgekehrt

          Sperrung der Fußgängerzone um das Weiße Haus. Verschärfte Sicherheitsvorkehrungen im ganzen Land. Mit dem Terror ist das Trauma zurückgekehrt. Trotz Milliarden-Investitionen in den Heimatschutz, ungeachtet militärischer „Vorwärtsverteidigung“ gegen islamistische Terroristen in fernen Weltgegenden ist das Land daheim verwundbar, fast immer und fast überall.

          Was nützen die abstrusen Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen, auch in Sportstadien und Konzerthallen, wenn es Teilnehmer und Zuschauer bei Veranstaltungen unter freiem Himmel in einer überfüllten Innenstadt treffen kann? Doch auch der entschlossene Trotz der angegriffenen Nation ist wieder da.

          Krisenlage: Obama telefoniert mit FBI-Chef Robert Mueller

          Am Tag nach dem Anschlag laufen Jogger auf dem „Freedom Trail“ (Freiheitspfad) durch den grandiosen „Boston Common“, den ältesten öffentlichen Park des Landes, wo derzeit alles grünt und blüht, als wollten sie zeigen: Jetzt erst recht.  Abgesehen von wenigen Straßenzügen um den Ort der Zwillingsanschläge sind die Geschäfte und Behörden in Boston am Dienstag geöffnet. Auf dem Kapitol weht die Nationalflagge seit Montagabend auf halbmast, aber überall im Land flattern umso mehr amerikanische Fahnen im Wind.

          Gewiss, am Tag nach Boston versucht Amerika den Schock ostentativ mit Alltag und nationaler Geschlossenheit zu kurieren. Doch die relative Ruhe seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist grausam als trügerisch entlarvt worden. Es ist gekommen, wie viele befürchtet hatten: Ein neues Attentat wird nicht monumental sein wie jenes an „9/11“ mit vier entführten Passagierflugzeugen auf das World Trade Center in New York und auf das Pentagon in Washington mit Tausenden Toten.

          Täter wählen „weiches Ziel“

          Der oder die Täter werden vielmehr ein „weiches Ziel“ auswählen, eine Massenveranstaltung mit notwendigerweise unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen. Sie werden sich mit relativ wenigen Toten und Verletzten „zufriedengeben“, sie werden Amerika dort treffen, wo jedes freie Land verwundbar ist: mitten in den alltäglichen Verrichtungen oder gar in einem Moment mit großer symbolischer Leuchtkraft.

          Doch welcher Terror ist nach Amerika, gar in die Geburtsstadt des amerikanischen Unabhängigkeitskampfes und Freiheitsstrebens zurückgekehrt? Ist es der Terror von Oklahoma City, wo der Rechtsradikale Timothy McVeigh am 19. April 1995 einen mit Sprengstoff gefüllten Lastwagen vor dem Alfred-P.-Murrah-Bundesgebäude zur Detonation brachte und damit 168 Menschen ermordete?

          McVeighs Bluttat, der schlimmste Anschlag rechter amerikanischer Terroristen, erfolgte auf den Tag genau zwei Jahre nach der Erstürmung jenes Gebäudekomplexes in dem texanischen Städtchen Waco, in dem sich der Sektenführer David Koresh mit seinen Anhängern der „Branch Davidians“ verschanzt hatte, bis er beim Zugriff der Bundespolizei FBI mit 73 Angehörigen seiner Sekte in selbstgelegtem Feuer verbrannte.

          Stichtag für Steuererklärung

          McVeigh wurde kurz nach dem Attentat von Oklahoma City festgenommen, in dem Verfahren zum Tode verurteilt und am 11. Juni 2001 durch die Giftspritze hingerichtet. Zuletzt wurde ein tödlicher Bombenanschlag am Rande einer Sportveranstaltung während der Olympischen Sommerspiele von 1996 in Atlanta verübt. Bei dem Bombenattentat im Herzen der Hauptstadt des Bundesstaates Georgia wurden damals zwei Menschen getötet und mehr als hundert verletzt.

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