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Amerikanische Kommandoaktion : IS-Anführer Abu Sajjaf in Syrien getötet

  • Aktualisiert am

IS-Kämpfer im syrischen Raqqa, Archivbild 2014 Bild: AP

Nach Angaben des amerikanischen Verteidigungsministeriums haben Spezialeinheiten bei einer Kommandoaktion in Syrien den IS-Kommandeur Abu Sajjaf geötet. Unterdessen soll der IS Teile der Antikenstadt Palmyra eingenommen haben.

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          Ein amerikanisches Sonderkommando hat in Syrien nach amerikanischen Angaben ein Führungsmitglied der Extremistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) getötet. Bei dem Toten handele es sich um Abu Sajjaf, der beim IS maßgeblich für Öl-, Gas- und Finanzgeschäfte zuständig gewesen sei, teilten das Verteidigungsministerium und das Präsidialamt am Samstag in Washington mit. Seine Frau sei bei der Aktion gefangen genommen und in den Irak gebracht worden.

          Zuvor hatte das staatliche syrische Fernsehen einen Angriff von Regierungstruppen gegen den IS in der Ostprovinz Deir as Zor gemeldet, bei dem der „Ölminister“ des IS und 40 weitere Kämpfer getötet worden seien. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, Syrien brüste sich mit dem Erfolg des amerikanischen Einsatzes.

          Der amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter im Mai im Pentagon.

          Die Kommandoaktion wurde nach amerikanischen Angaben in der Nacht zum Samstag ausgeführt. Der amerikanische Präsident Barack Obama habe sie nach einstimmiger Empfehlung seiner Sicherheitsberater angeordnet. Der Einsatz sei mit voller Zustimmung der irakischen Regierung und unter Beachtung des Völkerrechts ausgeführt worden, sagte eine Sprecherin des Präsidialamtes. Syrien sei nicht unterrichtet und nicht einbezogen worden. Die Regierung von Präsident Baschar al Assad sei kein Partner im Kampf gegen den IS und könne das auch nicht werden, sagte die Sprecherin.

          Die Vereinigten Staaten bekämpfen den IS in Syrien zusammen mit mehreren westlichen und arabischen Staaten aus der Luft. Erst einmal wurde ein Einsatz von amerikanischen Spezialkräften in dem Bürgerkriegsland bekannt: Im vergangenen Jahr schlug ein Versuch fehl, in einer Geheimaktion mehrere amerikanische Bürger und andere Ausländer aus IS-Geiselhaft im Nordosten Syriens zu befreien.

          Bei der Aktion am Samstag wurden nach Angaben aus der amerikanischen Regierung rund ein Dutzend IS-Kämpfer getötet. Die syrische Beobachtungsgruppe sprach von rund 19 toten IS-Kämpfern, darunter seien zwölf ausländische Dschihadisten.

          Der amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter sprach von einem weiteren bedeutenden Schlag gegen den IS. Der getötete Abu Sajjaf sei sowohl in Militäraktionen der Miliz involviert gewesen als auch in die illegalen Öl-, Gas- und Finanzgeschäfte der Extremisten. Auch seine Frau habe eine wichtige Rolle in den terroristischen Aktivitäten des IS gespielt. Nach Angaben der amerikanischen Präsidialamtssprecherin befreiten amerikanische Soldaten eine junge Yezidin, die das Ehepaar Sajjaf offenbar als Sklavin gehalten hatte. Der IS hatte im vergangenen Jahr im Irak Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der YeZiden aus ihren Gebieten vertrieben, getötet oder entführt.

          Kämpfer des IS haben derweil nach Angaben von Aktivisten Teile der Antikenstadt Palmyra in der syrischen Provinz Homs unter ihre Kontrolle gebracht. Der IS kontrolliere das nördliche Stadtgebiet, es gebe heftige Gefechte, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, am Samstag. Der „größte Teil des nördlichen Palmyra“ sei in den Händen der Dschihadisten, sagte Rahman. Bei den Kämpfen seien mindestens 13 IS-Kämpfer getötet worden. Die Angaben der Aktivisten, die sich auf ein dichtes Netz von Informanten in Syrien stützen, sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen.

          Palmyra, dessen Bauten griechisch-römische und persische Baukunst vereinigen, ist laut der UN-Kulturorganisation Unesco eine Stätte von „überragendem universellem Wert“. Die Ruinenstadt gehört zum Unesco-Weltkulturerbe. Nach den Zerstörungen, die der IS in anderen antiken Stätten wie Nimrud und Hatra im Irak bereits anrichtete, sind die Bauten der Oasenstadt nach Einschätzung von Experten nun ebenfalls akut bedroht. Die weltberühmten Ruinen, darunter die von Kolonnaden gesäumten Straßen, liegen im Südwesten der Stadt.

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