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Amerikanische Justizministerin : „Die Fifa ist bis in die höchsten Ebenen korrupt“

Durchsetzungsstark: Die erste schwarze Justizministerin der Vereinigten Staaten, Loretta Lynch Bild: AP

Seitdem sie die Anklagen gegen ranghohe Fifa-Funktionäre durchgesetzt hat, ist Amerikas neue Justizministerin Loretta Lynch im globalen Fokus der Öffentlichkeit. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über Korruption im Weltfußball, Polizeigewalt in Amerika und die Todesstrafe für den Boston-Attentäter.

          5 Min.

          Kurz vor der überraschenden Rücktrittsankündigung des Fifa-Präsidenten Joseph Blatter autorisierte die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch ein Interview, das sie mit F.A.Z.-Redakteurin Helene Bubrowski geführt hatte. Lynch spricht angesichts der spektakulären Ermittlungen und Anklagen gegen führende Fifa-Funktionäre aber nicht nur über Korruption im Weltfußball, sondern auch über Polizeigewalt in Amerika und die Todesstrafe für den Boston-Attentäter, die als „angemessen“ bezeichnet.

          Helene Bubrowski
          Politische Korrespondentin in Berlin.

          Frau Ministerin, in Ihrer früheren Position als New Yorker Bezirksstaatsanwältin haben Sie die Ermittlungen gegen Fifa-Funktionäre geführt. Wie tief ist der Weltfußballverband von Korruption durchsetzt?

          Wir mussten feststellen, dass die Fifa bis in die höchsten Ebenen korrupt ist. Wir haben Anklage gegen vierzehn Personen erhoben, darunter ranghohe Funktionäre der Kontinentalverbände und des Fifa-Exekutivkomitees. Wirklich beunruhigend ist, was sich im Zuge der Ermittlungen herausgestellt hat: Jedes Mal, wenn die Fifa nach internen Untersuchungen korrupte Funktionäre abgesetzt hat, wurden sie durch andere ersetzt, die genau in derselben Art und Weise weitermachten. Sie sahen ihre neue Position vor allem als Gelegenheit, Bestechungsgelder anzunehmen. Die Korruption funktionierte immer nach dem gleichen Muster.

          Berichten zufolge sind Anklagen gegen weitere Personen in Vorbereitung. Ist der Skandal noch viel größer?

          In der Tat setzen wir unsere Untersuchungen fort. Und wir haben anderen Ländern Informationen zur Verfügung gestellt, um ihnen bei ihren Ermittlungen zu helfen. Hier geht es zum Bespiel um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022, mit der sich die Schweizer Behörden befassen.

          Haben Sie Beweise für Korruption bei der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Qatar gesehen?

          Damit beschäftigen sich die Schweizer Behörden. Wir arbeiten mit den Schweizern zusammen und tauschen Informationen aus. Es sind laufende Ermittlungen.

          Wird es auch eine Anklage gegen Joseph Blatter geben, (der am Dienstagabend - vier Tage nach seiner Wiederwahl - seinen Rücktritt als Fifa-Präsident angekündigt hat. / Anm. der Redaktion)?

          Dazu kann ich jetzt nichts sagen.

          In Ihrer Anklage erheben Sie den Vorwurf, dass Bestechungsgelder im Zusammenhang mit der Wahl zum Fifa-Präsidenten im Jahr 2011 gezahlt wurden.

          Ja, das steht in der Anklage.

          Der russische Präsident Putin sagt, Sie hätten den Zeitpunkt der Anklage und der Festnahmen gezielt gewählt, um Blatters Wiederwahl zu verhindern. Warum erfolgte der Zugriff zwei Tage vor der Fifa-Präsidentenwahl?

          Die Anklage steht am Ende jahrelanger Ermittlungen. Wir haben die Anklage erhoben, als sie fertig war. Mit der Wahl am vergangenen Freitag hat das nichts zu tun.

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          Aber es war doch für Sie ganz passend, dass alle Funktionäre an einem Ort versammelt waren?

          Wir haben die Aktion genau geplant. Wir denken immer darüber nach, wie wir die Verdächtigen am besten und am sichersten verhaften können. Gerade wenn es sich um so viele Verdächtige handelt, ist es wichtig, so viele wie möglich auf einmal festzunehmen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Verdächtige Beweise vernichten oder das Land verlassen.

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