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Amerikaner beunruhigt : Russische U-Boote erkunden Internetkabel

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Ein russisches Atom-U-Boot des Typs Schtschuka-B (Nato-Codename „Akula) vor dem französischen Hafen von Brest (Archivbild). Bild: AFP

Amerikanische Militärs fürchten eine Unterbrechung der digitalen Kommunikationswege. Laut Angaben aus Sicherheitskreisen operieren russische U-Boote und Spionageschiffe zunehmend in der Nähe von Unterseekabeln.

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          Amerikas Militär und Sicherheitsbehörden rechnen laut einem Bericht der „New York Times“ damit, dass Russland im Konfliktfall versuchen könnte, den Datenfluss von und nach Amerika zu unterbrechen. Seit einiger Zeit beobachte man, dass russische U-Boote und Spionageschiffe verstärkt in der Nähe von Untersee-Kabeln operieren, heißt es in dem Bericht unter Bezug auf ungenannte Offiziere und Geheimdienstler.

          So sei vergangenen Monat ein russisches Schiff, das mit Mini-U-Booten ausgerüstet ist, zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba gekreuzt, wo ein wichtiges Kabel den amerikanischen Stützpunkt Guantanamo Bay erreicht. Russlands Verteidigungsministerum bezeichnete die „Yantar“ als Forschungsschiff.

          Die Internet-Kabelnetze sind Lebensadern der globalen Kommunikation und Wirtschaft. Im Konfliktfall könnten sie sich als Achillesferse herausstellen. Während Kabelverbindungen besonders in Küstennähe regelmäßig beschädigt und repariert werden, macht man sich in Amerika laut dem Bericht besondere Sorgen darüber, dass russische U-Boote im Fall der Fälle die Kabel an besonders tiefen, schwer zugänglichen Stellen kappen könnten - und dass die Marine des Landes derzeit dabei sein könnte, genau solche Orte auszukundschaften.

          Der Verlauf der Kabel ist, mit Ausnahme einiger ausschließlich militärisch genutzter Kabel, kein Geheimnis. Das amerikanische Heimatschutzministerium stufe Knotenpunkte in der Nähe von New York, Miami und Los Angeles, wo die Kabel den Kontinent erreichen, als besonders wichtige Infrastruktur ein, so die „New York Times“.

          Tiefes Misstrauen

          Die internen Debatten in Washington verdeutlichten, welches Ausmaß an Misstrauen derzeit zwischen den Vereinigten Staaten und Russland herrsche, schreibt die Zeitung. „Ich mache mir jeden Tag Sorgen darüber, was die Russen tun könnten“, zitiert sie Admiral Frederick Roegge, Kommandant der amerikanischen U-Bootflotte im Pazifik.

          Die russischen U-Boot-Aktivitäten hätten nach Angaben aus Moskau im vergangenen Jahr um 50 Prozent zugenommen, sagte Admiral Mark Ferguson, Befehlshaber der amerikanischen Marine für Europa und Afrika, kürzlich in Washington.

          Die Nato beobachte eine „Remilitarisierung der russischen Sicherheitspolitik“, sagte Ferguson. Dazu zähle etwa auch Russlands Bau von Militärbasen in der Arktis sowie die angekündigte Modernisierung seiner Schwarzmeerflotte. Für einen Konfliktfall würde Russland auf ein Zusammenspiel von konventionellen Truppen, Sondereinheiten und Cyber-Kriegsführung setzen.

          Im Hinblick auf die angeblichen Untersee-Aktivitäten zitiert die „New York Times“ einen europäischen Diplomaten: „Dieses Ausmaß ist vergleichbar mit dem Kalten Krieg.“

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