https://www.faz.net/-gq5-7qcs6

Amerika und Irak : Obamas Doktrin und Malikis Wunschlisten

  • -Aktualisiert am

Das letzte Aufgebot? Freiwillige melden sich in Bagdad zum Kampf gegen die Islamisten. Bild: AP

Die irakische Regierung hat Amerika bereits im März dringlich um Unterstützung im Kampf gegen Isis gebeten. Doch Washington sieht in Bagdad keinen Partner.

          4 Min.

          In ihren offiziellen Kommentaren zum dramatischen Vormarsch militanter Islamisten im Irak schließen die Amerikaner nichts rundweg aus. Doch zwischen den Zeilen aller Mitteilungen aus dem Pentagon, dem Außenministerium und dem Weißem Haus zeigt sich der Unwille von Präsident Barack Obama, Iraks Rufe nach Luftschlägen zu erhören. Zum einen wissen die Amerikaner im zwölften Jahr nach ihrer Irak-Invasion genau, dass den Guerrilla-Kämpfern von Isis mit ein paar Bomben oder Raketen nicht mehr beizukommen wäre, seit sie ihre Wüstenlager verlassen und sich in Großstädten verschanzt haben. Zum anderen würde ein amerikanischer Militäreinsatz allem widersprechen, was Obama seinem Volk versprach und der Welt als Doktrin verkündete. Will der Oberbefehlshaber nicht die gerade ausbuchstabierten Prinzipien seiner Außenpolitik gleich für Makulatur erklären, dann muss Amerika die Terroristen im Irak gleichsam vom Rücksitz aus bezwingen.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Doch bisher scheinen die Nachrichten aus Mossul, Takrit und Bagdad besser geeignet, ein Scheitern von Obamas Rückzugsstrategie zu belegen. Die von Amerika geschulten irakischen Soldaten flohen kampflos vor den Angreifern. Ausbilder des Pentagons schimpfen auf die Beratungsresistenz und Günstlingswirtschaft unter irakischen Offizieren. Systematisch werde die mühsam gezimmerte multiethnische Kommandostruktur umgangen, klagte Generalleutnant Robert Caslen, der die Ausbildung im Irak zwischen 2011 und 2013 leitete, gegenüber dem „Wall Street Journal“. Der Irak revanchiert sich mit Klagen, Amerika vernachlässige die Ausrüstung seiner Streitkräfte. Vieles geht auf das schlechte Verhältnis zwischen Obama und dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al Maliki zurück. Das begann mit der Weigerung des Schiiten, Amerikas Bedingungen für eine fortdauernde Truppenstationierung zuzustimmen. Allerdings zählt Obama den daraus resultierenden Totalabzug 2011 bisher als Erfolg seiner Politik, Kriege „verantwortlich“ zu beenden.

          Endgültig in Ungnade fiel der irakische Regierungschef in Washington, als er die Konfrontation mit den Sunniten verschärfte. Malikis voriger Washington-Besuch im November 2013 fand in frostiger Atmosphäre statt. Er forderte eine schnellere Lieferung von F-16-Kampfflugzeugen und anderem Gerät, das Washingtons 14-Milliarden-Dollar-Hilfspaket für die irakische Armee vorsieht. Die Amerikaner verlangten eine sofortige Versöhnung mit Sunniten und Kurden. Nur weil sich beide Seiten schon damals einig waren, dass aus dem Erstarken von Isis im Chaos des syrischen Bürgerkriegs eine neue Bedrohung erwuchs, konnte der Iraker die Zusage mitnehmen, dass die Lieferung von Hellfire-Raketen und Aufklärungsdrohnen beschleunigt werde. Nach dem Vormarsch von Isis auf Ramadi und Falludscha im Januar schalteten die Amerikaner dabei noch einen Gang höher. Doch hinter Malikis Erwartungen blieben die Rüstungslieferungen zurück.

          Am detailliertesten berichtete am Donnerstag die Zeitung „New York Times“, wie die Iraker die Amerikaner immer dringlicher um ein direktes Eingreifen gebeten hätten. Unter anderen sagte der frühere Regierungsmitarbeiter Kenneth Pollack der Zeitung, im März sei einer amerikanischen Delegation in Bagdad zu verstehen gegeben worden, dass sich die dortige Regierung den Einsatz von Kampfdrohnen oder bemannten Kampfflugzeugen der Amerikaner gegen die Lager der Terroristen erhoffe. Am 11. Mai habe Maliki bei einem Treffen mit dem Kommandeur des Zentralkommandos der amerikanischen Streitkräfte, Lloyd Austin, zunächst seinen Wunsch nach Kampfdrohnen bekräftigt. Sofern Amerika zu deren Lieferung nicht bereit sei, so Maliki, könne er sich aber auch vorstellen, amerikanische Luftschläge zuzulassen. Am 16. Mai soll der Iraker diese Forderung in einem Telefonat mit Vizepräsident Joe Biden wiederholt haben, und ein paar Tage später habe die Anfrage den Amerikanern auch schriftlich vorgelegen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Joe Kaeser bei der virtuellen Siemens-Hauptversammlung am 9. Juli

          Abspaltung von Siemens Energy : „Joe Kaeser hat nichts gelernt“

          Die größte Transformation der Siemens-Geschichte ist fast einmütig abgesegnet worden. Der Börsengang der Energiesparte dürfte das Ereignis des Jahres am deutschen Aktienmarkt werden. Fridays for Future sieht ein „fossiles Geschäftsmodell“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.