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Bürgerrechtler Al Sharpton : Obamas Mann fürs Schwarze

  • -Aktualisiert am

Aufstieg „auf der rauhen Seite des Berges“: Al Sharpton in Washington Bild: AP

Unter dem Präsidenten wurde er zu Amerikas wichtigstem Bürgerrechtler. Viele stören sich jedoch an seinem Hang zur Selbstdarstellung und seiner Nähe zu den Mächtigen. Die erstaunliche Karriere des Al Sharpton.

          Zu Hause, in New York, mögen an diesem sonnigen Samstag noch mehr Demonstranten auf die Straße gegangen sein. Doch wo Al Sharpton steht, stehen auch die Opfer. Auf der Bühne vor dem Kapitol in Washington umringen den Bürgerrechtler die Ehefrauen, Mütter und Väter, Töchter und Söhne, Schwestern und Brüder, Omas und Opas von Afroamerikanern, die in den letzten Wochen, Monaten, Jahren von weißen Polizisten getötet wurden.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Michael Brown Senior, der junge Vater des im August in Ferguson erschossenen Jugendlichen, kriegt wenig mehr als ein „Ich liebe euch alle“ heraus, als er das Mikrofon in die Hand gedrückt bekommt. Die Familie von Eric Garner, der in New York starb, nachdem ein Polizist ihn in den Würgegriff genommen hatte, trägt Sweatshirts. Auf denen stehen seine letzten Worte: „Ich bekomme keine Luft!“ Ihr Ehemann sei „ein stiller Typ“ gewesen, sagt seine Frau. „Aber jetzt macht er eine Menge Lärm!“ Die Mutter des zwölfjährigen Tamir Rice, den ein Polizist im November zwei Sekunden nach seinem Eintreffen auf einem Spielplatz in Cleveland erschoss, weil er die Pistole des Kindes nicht als ungefährliche Druckluftwaffe erkannte, hält erst seit wenigen Stunden den Autopsiebericht in den Händen.

          Anders als den Angehörigen von Michael Brown und Eric Garner bleibt ihr noch die Hoffnung, dass der Polizist zur Rechenschaft gezogen wird. Mühsam bringt sie ihren einstudierten Satz über die Lippen: „Stellt ihn vor Gericht, damit er seine Unschuld beweisen kann!“ Zuletzt spricht Sabrina Fulton. Als Mutter von Trayvon Martin, den vor bald drei Jahren in Florida ein weißes Mitglied einer Bürgerwehr erschoss, ist sie eine Art Mutter der Bewegung. „Wir halten zusammen“, ruft sie routiniert. Dann fügt sie an: „Wo wären wir ohne Al Sharpton?“

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          So ist das immer, wenn der bekannteste schwarze Bürgerrechtler auftritt: Es geht um die Sache, aber es geht auch um ihn. Zwei Tage nach Eric Garners Tod organisierte Sharpton eine Demonstration in der Nähe des Tatorts. Am dritten Tag nach den Schüssen auf Michael Brown tauchte Sharpton in Ferguson auf. Der (weiße) Bürgermeister gab sogleich Interviews, in denen er die „Sorge vieler unserer Afroamerikaner“ bekundete, dass Sharpton „die Tragödie in ein nationales Spektakel verwandelt“. Wenige Tage später sprach Sharpton auf Browns Beerdigung. Vor gut einer Woche rief Sharpton dann zu dem „Marsch in Washington“ am Samstag auf. Damit legte er den größtmöglichen Maßstab an. Beim „Marsch auf Washington“ hatten 1963 mehr als 200.000 Menschen zugehört, wie Martin Luther King seinen „Traum“ einer gerechteren Welt vortrug. Am Samstag dagegen legen kaum mehr als zehntausend Demonstranten die kurze Strecke auf der Pennsylvania Avenue zurück. Als Sharpton auf die kleine Bühne tritt, verlassen einige von ihnen sogar eilig die Kundgebung. Viele sehen in Sharpton einen gierigen Selbstdarsteller. Manche stört seine Nähe zu den Mächtigen.

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