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Nach Demonstration in Mexiko : 43 Studenten ermordet - Polizisten unter Verdacht

Mexikanische Polizisten in der Nähe des Massengrabs bei Iguala Bild: dpa

Nach Protesten und Zusammenstößen mit der Polizei verschwanden in dem mexikanischen Bundesstaat Guerrero 43 Studenten. Nun ist ein Grab mit verkohlten Leichen entdeckt worden.

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          In Mexiko haben sich am Wochenende Befürchtungen bestätigt, wonach die 43 vor einer Woche verschwundene Studenten ermordet worden sind. Wie die Behörden am Sonntag mitteilten, wurde am Samstag in der Nähe der Stadt Iguala im südmexikanischen Bundesstaat Guerrero ein Massengrab mit verkohlten Leichen gefunden. Der zuständige Staatsanwalt Iñaky Blanco wollte am Wochenende noch keine Angaben zur Zahl der Leichen machen. An der Suche beteiligte Polizisten sagten, es seien mindestens 15 Leichen gefunden worden. Die sterblichen Überreste sollten mit DNA-Tests identifiziert werden. Gegen den flüchtigen Bürgermeister von Iguala und den ebenfalls geflüchteten Sicherheitschef der Stadt wurde Haftbefehl erlassen.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Lehramtsstudenten hatten am Freitag vor einer Woche an einer Protestaktion in Iguala gegen die schlechte Bezahlung von Lehrern an Schulen in ländlichen Gebieten teilgenommen. Nach ihrer Aktion kaperten sie mehrere Nahverkehrsbusse, um zu ihrer Hochschule in der Hauptstadt Chilpancingo zurückzufahren. Polizisten aus Iguala eröffneten kurz darauf das Feuer auf die Busse. Drei Studenten wurden dabei getötet. Augenzeugen berichteten, Dutzende weitere Studenten seien anschließend in Polizeifahrzeugen fortgeschafft worden. Von 43 Studenten fehlte seither jede Spur.

          Nach einem weiteren Zwischenfall vom vergangenen Sonntag, bei dem ein Bus mit Fußballspielern beschossen wurde, nahm die Bundespolizei insgesamt dreißig Menschen fest, darunter 22 örtliche Polizisten sowie Mitglieder einer kriminellen Bande. Nach Angaben von Staatsanwalt Blanco führte einer der Festgenommenen die Ermittler zu dem Massengrab nahe Iguala rund 200 Kilometer südlich von Mexiko-Stadt. Blanco vermutet das Verbrecherkartell „Guerreros Unidos“ hinter dem Verbrechen. Zu der Bande sollen mehrere Polizisten gehören. Ermittler gehen davon aus, dass auch örtliche Politiker mit den Verbrecherkartellen zusammenarbeiten.

          Der verarmte Bundesstaat Guerrero wird immer wieder von Bandengewalt heimgesucht. Allein in der Stadt Iguala wurden in diesem Jahr dreißig Leichen in Massengräbern gefunden. Der Gouverneur von Guerrero, Ángel Aguirre, rief die Menschen dazu auf, die „Eintracht zu wahren“, und sicherte den Angehörigen der „grausam massakrierten“ Opfer Unterstützung zu. Am Donnerstag hatten Studenten und Lehrer mehrere Stunden lang die Autobahn zwischen Chilpancingo und Acapulco blockiert und die Behörden aufgefordert, die Vermissten zu suchen. Die Vereinten Nationen hatten in einer Erklärung ebenfalls eine intensive Suche nach den Vermissten gefordert.

          Sollte sich der Tod der Studenten bestätigen, wäre es eines der schlimmsten Massaker seit der Eskalation im Drogenkrieg vor acht Jahren. Kurz nach seinem Amtsantritt vom Dezember 2006 hatte der damalige mexikanische Präsident Felipe Calderón den Kartellen den Kampf angesagt. Seither wurden bis zu 100.000 Menschen getötet. Der seit Dezember 2012 amtierende Präsident Enrique Peña Nieto hat eine Abkehr von Calderóns Strategie der frontalen Konfrontation der Kartelle vollzogen und stattdessen den Schutz der Bevölkerung vor Gewalttaten in den Mittelpunkt gestellt. Sollte sich bestätigen, dass die Studenten von einer Bande massakriert wurden, würde das einen schweren Rückschlag für Peña Nietos Politik bedeuten. Kritiker Peña Nietos sagen, ein wirksamer Schutz der Bevölkerung vor Gewalt sei nicht möglich, solange die Drogen- und Verbrecherkartelle nicht ausgeschaltet oder entscheidend geschwächt seien.

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