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Amerika und seine Kriege : Obamas Linie

  • -Aktualisiert am

Barack Obama bei einer Zeremonie zum 13. Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 in Arlington, Virginia Bild: AFP

Keine großen Interventionskriege mehr: Auch im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ bleibt der amerikanische Präsident seiner strategischen Grundlinie treu. Womöglich wird Obama aber ein Schicksal mit George W. Bush teilen.

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          Auch im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ bleibt der amerikanische Präsident seiner strategischen Grundlinie treu, mit der er sich von seinem vielgeschmähten Vorgänger unterscheiden will: Keine großen Interventionskriege mehr, dafür Luftangriffe und Hilfe für verbündete Sicherheitskräfte. Um die politischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, hat Barack Obama im Irak selbst dieses begrenzte Engagement so lange herausgezögert, bis in Bagdad endlich eine Regierung stand. Das hat viel Zeit gekostet, die die Terrorbande für ihre grausamen Ziele zu nutzen wusste.

          Man hat den Präsidenten wegen dieses Ansatzes schon früh als schwach dargestellt, denn die größte Militärmacht könnte natürlich viel mehr, wenn sie wollte. Aber letztlich zieht Obama nur die Lehren aus den vielen gescheiterten Interventionen der vergangenen zwanzig Jahre. Vor allem im muslimisch geprägten Kulturkreis hat kaum ein westliches Eingreifen ein gutes Ende genommen. Die „Ertüchtigung“ örtlicher Kräfte, wie man das in Deutschland neuerdings nennt, erscheint da als Gegenmodell einen Versuch wert zu sein.

          Die Iraker haben sich schon einmal erfolgreich gegen islamistische Terroristen zur Wehr gesetzt, und auch in Syrien könnte die gemäßigte Opposition wesentlich mehr erreichen, wenn sie tatsächlich besser unterstützt würde. Ohne Probleme wird diese Operation nicht vonstatten gehen, von diplomatischen Verwicklungen in der Region bis zu Opfern unter der Zivilbevölkerung. Aber all das hätte auch gedroht, wenn Obama mit Bodentruppen in den Irak zurückgekehrt wäre. Nichtstun wiederum ist angesichts der mittelbaren Bedrohung, die von den Entwicklungen in der Levante für den Westen ausgeht (Stichwort Dschihad-Tourismus), keine vertretbare Lösung.

          Ein Schicksal könnte Obama allerdings mit George W. Bush teilen: Dass er ohne Mandat der Vereinten Nationen handeln muss. Im Irak kann er sich auf die Einladung der Regierung stützen. Im Nachbarland ist das unwahrscheinlich, denn Obama will Assad auch jetzt nicht als Verbündeten haben. Der Moskauer Freund des Diktators dürfte im UN-Sicherheitsrat verlässlich dafür sorgen, dass die Amerikaner ohne völkerrechtliche Legitimität auskommen müssen, sollten sie in Syrien Stellungen der Terroristen angreifen.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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