https://www.faz.net/-gpf-7s5mu

Amerika und Russland : Erkaltet

Washington wirft Putin vor, einen Schlüsselvertrag zur Abrüstung gebrochen zu haben. Das russisch-amerikanische Verhältnis erkaltet auf breiter Front.

          Dass die Spezialisten für Propaganda sofort „Propagandakrieg!“ rufen, wenn die Gegenseite unangenehme Wahrheiten ans Licht bringt, ist kein Grund, sich zu empören. An diese russische Taktik, die auch für das heimische Publikum bestimmt ist – dieses Publikum unterstellt dem Westen ohnehin nur böse Absichten –, hat man sich im Zuge des Ukraine-Konflikts gewöhnt.

          Und so sieht Moskau die amerikanische Beschwerde, Russland habe bodengestützte Marschflugkörper getestet und damit einen Schlüsselvertrag zur Abrüstung aus dem Jahre 1987 gebrochen, als Teil einer Kampagne. Ist sie das? Tatsächlich hat Washington sich schon im vergangenen Jahr auf der Arbeitsebene über eine Verletzung beschwert – und nur Ausflüchte zu hören bekommen.

          Jetzt hat sie Obama, in einem Brief von Präsident zu Präsident, auf die höchste Stufe gehoben – zugegeben, in einer nicht gerade spannungsarmen Phase. Für Obama, der an dem Vertrag festhalten will, ist der Vorgang delikat, weil Russland den Vertrag gerne kündigen würde. So oder so, das russisch-amerikanische Verhältnis erkaltet auf breiter Front.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Erdgas-Streit mit der EU : „Erdogan fährt eine Kamikaze-Politik“

          Die EU-Außenminister haben Sanktionen gegen die Türkei erlassen, weil sie vor der Küste von Zypern nach Gas bohrt. Ökonomieprofessor Erdal Yalcin spricht im F.A.Z.-Interview über die Abhängigkeit Ankaras und den Rückhalt für Erdogan.

          Von der Leyen in Straßburg : Flucht nach links

          In ihrer Bewerbungsrede ringt Ursula von der Leyen vor allem um die Zustimmung von Sozialdemokraten und Liberalen. Ihre Chancen auf einen Wahlerfolg am Abend dürften gestiegen sein – dank ihres engagierten Auftritts. Eine Analyse.
          Aktivisten demonstrieren in Homestead, Flordia vor der Unterbrungungsanlage für unbegleitete Migrantenkinder gegen die Politik der Regierung

          Ärger für Trump : Kinder-Camps als Geldanlage

          Die Abschiebe-Camps der Trump-Regierung sorgen seit Monaten für Kritik. Die privaten Betreiber verdienen mehr Geld, weil mehr Migranten festgehalten werden. Auch Trumps ehemaliger Stabschef John Kelly nutzt die Gunst der Stunde zum Geldmachen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.