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Amerika und Pakistan : Hillary Clintons Salwar Kamiz

  • -Aktualisiert am

Clinton beim diplomatischen Flirt mit Pakistan Bild: AFP

Amerikas Außenministerin umgarnt die Pakistaner auf allen Kanälen: Sie liebe das Land, das Essen, die Kleider, sagt Hillary Clinton. Doch in Zeiten des Terrors lässt sich der Streit der beiden Staaten nicht einfach wegplaudern.

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          Hillary Clintons erste Reise als Außenministerin nach Pakistan musste aus Sicherheitsgründen bis zuletzt geheim bleiben. Dabei hat sie den Pakistanern viel mitzuteilen: Schon vor dem Abflug gab sie zwei pakistanischen Fernsehsendern Interviews, die freilich erst nach ihrer Ankunft in Islamabad am Mittwochmorgen ausgestrahlt werden durften. Während ihres dreitägigen Besuchs in Islamabad und Lahore sind zahlreiche weitere Gespräche mit Fernseh- und Radiosendern und Zeitungen geplant; dazu kommen Treffen mit Studenten, Geschäftsleuten, Oppositionellen, Künstlern.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Hillary Clintons Doppelbotschaft lautet: Amerika und Pakistan sind trotz mancher Missverständnisse in der Vergangenheit für ein enges Bündnis wie geschaffen - und sie selbst sei buchstäblich in Liebe für alles Pakistanische entflammt. „Ich liebe das Essen, ich trage meinen Salwar Kamiz“, das traditionelle Gewand aus Langhemd und Pluderhose, gab Frau Clinton dem Sender TV Dawn zu Protokoll. Und sie fügte hinzu: „Ich meine, wenn ich meinen Seekh Kebab habe ..., dann bin ich ein glücklicher Mensch.“ In die weniger überhitzte Sprache der Diplomatie übersetzt, heißt das: Washington will - wie mit so vielen andern Ländern von Russland über Kuba bis Iran - auch mit Pakistan ein „neues Kapitel aufschlagen“, wie Frau Clinton und Präsident Barack Obama zu sagen pflegen. In einer unverhüllten Anspielung auf die acht Jahre der Regierung von George W. Bush sagte die Außenministerin dem pakistanischen Sender: „Vielleicht mochten einige in Ihrem Land keine gute Meinung von uns gehabt haben, weil ihnen gesagt wurde, im Krieg gegen den Terrorismus könne man entweder mit uns oder gegen uns sein. Aber jetzt ist ein neuer Tag angebrochen.“

          Das ist freilich leichter gesagt als verwirklicht. Frau Clinton war nach ihrem Nachtflug kaum mit dem pakistanischen Außenminister Schah Mahmud Qureshi zusammengetroffen, da erschütterte die Nachricht von dem verheerenden Bombenanschlag in Peshawar das Land. (Siehe auch: Mehr als 80 Tote bei Anschlag in Pakistan) Viele Pakistaner sind überzeugt, dass ihr Land erst seit Oktober 2001, als die Amerikaner in Afghanistan einmarschierten, vom Terror der Taliban und Al Qaidas heimgesucht wird. Dass Hillary Clinton mit einem flammenden Bekenntnis zur pakistanischen Variante des Kebab die Menschen von dieser Vorstellung abbringen kann, wird sie selbst nicht geglaubt haben. Zumal sich die Zahl der Raketenangriffe auf vermutete Terroristennester im Nordwesten Pakistans von CIA-Drohnen aus seit dem Amtsantritt Obamas deutlich erhöht hat. Vizepräsident Joseph Biden will diese Art der Kriegführung zum bevorzugten oder gar ausschließlichen Mittel des Kampfes gegen den Terrorismus in „Afpak“ machen.

          „Ein neuer Tag ist angebrochen”

          Viele Militärs sehen darin eine Verletzung der pakistanischen Souveränität. Gleichermaßen schmähen Opposition und Presse die Bedingungen, die der Kongress in Washington an die Freigabe ziviler und militärischer Hilfsgelder für Pakistan geknüpft hat, als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Islamabads. Frau Clinton sprach dagegen von einem „Missverständnis“: „Das sind keine Bedingungen an Pakistan, es sind Messlatten, um festzustellen, ob unsere Hilfe auch produktiv ist.“

          Schon nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Gewährung ziviler Hilfe vom Straßen- bis zum Schulbau im Umfang von 7,5 Milliarden Dollar für die kommenden fünf Jahre hatte sich Außenminister Qureshi in Washington bitter über Bevormundung beschwert. Doch das militärische Hilfspaket für Pakistan, das Präsident Obama - als Anhang zum Verteidigungshaushalt - noch am Mittwoch unterzeichnete, hat der von den Demokraten kontrollierte Kongress mit noch mehr Bedingungen und Überprüfungsmechanismen versehen: Sowohl das Pentagon wie das Außenministerium müssen bestätigen, dass die Waffen und die Ausrüstung zum Kampf gegen Taliban und Al Qaida eingesetzt werden und nicht zur Aufrüstung für eine mögliche Auseinandersetzung mit dem Erzfeind Indien. Dass Washington im Zweifel eher auf Delhi höre als auf sie, halten die Pakistaner für ausgemacht.

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