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Zerwürfnis mit Israel : Angst vor Obamas Rache

„Extremer Mangel an gegenseitigem Vertrauen und Respekt“: Obama und Netanjahu am 1. Oktober im Weißen Haus Bild: dpa

Die Beziehung zwischen Barack Obama und Benjamin Netanjahu ist zerrüttet. Die Antipathie tritt offen zutage. Jetzt wächst die Sorge, dass die Amerikaner Israel für seine offensive Siedlungspolitik zahlen lassen.

          Die nächste Beziehungskrise ist nur eine Frage der Zeit. Denn bald beginnt die letzte Runde der Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Bis zum 24. November sollen sie beendet sein. Doch die israelische Regierung traut den Amerikanern noch weniger als den Europäern. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu fürchtet, dass Präsident Barack Obama den Iranern zu sehr entgegenkommt. Unermüdlich warnt er davor, vor Iran zu kapitulieren, bevor die internationalen Sanktionen ihre Wirkung entfalten. Statt als Verbündete eng zusammenzuarbeiten, haben sich Barack Obama und Benjamin Netanjahu ein weiteres Mal entzweit.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Ursache sei bei beiden ein „extremer Mangel an gegenseitigem Vertrauen und Respekt“, sagt der frühere israelische Botschafter in Washington, Danny Ajalon. Er reicht bis Anfang 2009 zurück, als beide ihre Ämter antraten. Vergeblich hatte Obama versucht, Netanjahu zu einem Frieden mit den Palästinensern zu bewegen. Während des Wahlkampfs für seine Wiederwahl machte dann der israelische Ministerpräsident deutlich, wie wenig er vom Präsidenten hält: Netanjahu unterstützte dessen republikanischen Herausforderer Mitt Romney, von dem er sich auch eine härtere Gangart gegenüber Iran erhoffte. Das trage ihm Obama bis heute nach, heißt es in Jerusalem.

          Im Wahljahr 2012 fürchteten amerikanische Politiker und Militärs Netanjahu noch. Sie trauten ihm zu, im militärischen Alleingang die iranischen Atomanlagen anzugreifen. Heute hat man für ihn vor allem verächtliche Kommentare übrig. Der Israeli sei ein politischer „Schisser“, zitierte der amerikanische Journalist Jeffrey Goldberg in der Zeitschrift „The Atlantic“ einen ranghohen amerikanischen Regierungsvertreter. Gut sei, dass der israelische Ministerpräsident zu viel Angst habe, einen Krieg zu beginnen. Schlecht sei, dass er nichts tun werde, um einen Ausgleich mit den Palästinensern und sunnitischen Arabern zu finden. Er habe „einfach nicht den Mumm“ dazu, zitiert Goldberg weiter, der gute Beziehungen ins Weiße Haus unterhält. Netanjahu wolle sich nur selbst vor einer politischen Niederlage schützen.

          In Israel registrierte man genau, wie viel Zeit amerikanische Regierungssprecher verstreichen ließen, bis sie sich vorsichtig von dem Pressebericht distanzierten. Dass die Antipathie so offen und vor den Kongresswahlen am 4. November zutage treten würde, überraschte viele. Dabei war schon lange zu beobachten, wie zerrüttet das Verhältnis ist. So hatte Obama während eines G-20-Gipfeltreffens dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy seufzend zugestimmt, der Netanjahu als einen „Lügner“ bezeichnete; beide hatten gedacht, die Mikrofone seien abgeschaltet.

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